Augsburg (skro) - Im Strafprozess wegen schweren Menschenhandels, sexueller Ausbeutung und Zuhälterei im Augsburger Bordell "Colosseum" ist das Urteil gefallen. Die vier Angeklagten, drei Männer und eine Frau im Alter von 35 bis 43 Jahren, wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Das ungarische Pärchen muss jeweils für drei Jahre hinter Gitter, der ungarische Vermittler drei Jahre und vier Monate. Das Gericht erkannte in drei Fällen auf schweren Menschenhandel und Zuhälterei.
Der deutsche Angeklagte, laut Polizei Geschäftsführer des Colosseum in Augsburg, wurde zu zwei Jahre und zwei Monaten verurteilt. In seinem Fall entschied das Gericht auf "einfachen Menschenhandel". Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Er konnte nach einem Jahr Untersuchungshaft den Gerichtssaal in Freiheit verlassen, muss aber noch eine Reststrafe absitzen.
Die Urteile sind rechtskräftig. Die verhängten Strafen waren vor der Urteilsverkündung zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft vereinbart worden. Die Frau und zwei der Beschuldigten hatten die Vorwürfe schon zu Beginn des Verhandlungstages in vollem Umfang eingeräumt, am Nachmittag hatte auch der vierte Angeklagte ein Geständnis abgelegt.
In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter, die Absprache sei eine "schwere Geburt" gewesen. Wichtigster Grund für die eher niedrige Strafzumessung sei es gewesen, den zur Prostitution gezwungenen Frauen Aussagen vor Gericht zu ersparen. "Das wäre für die Betroffenen eine Qual geworden", sagte der Richter.
Die Verurteilten hatten für Bordelle in Augsburg und Neu-Ulm Frauen aus Ungarn nach Deutschland gelockt und in "totaler Abhängigkeit" gehalten. Dabei mussten die zum Teil unter 21 Jahre alten Frauen laut Anklage sieben Tage in der Woche 13 Stunden ohne Pause arbeiten und ihren Lohn an die Zuhälter abgeben. Zeitweise hatten die Beschuldigten die Ungarinnen gezwungen, in weiteren Bordellen in Deutschland und Österreich zu arbeiten.
Einer Frau war in Kufstein die Flucht aus einem Bordell gelungen. Sie hatte die Polizei informiert und das Verfahren ins Rollen gebracht. Der deutsche Angeklagte soll als inoffizieller Geschäftsführer für rund 55 Prostituierte in zwei Bordellen in Augsburg und Neu-Ulm für die Missstände verantwortlich gewesen sein.