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Schießerei am Dachauer Amtsgericht: Trauerfeier für erschossenen Staatsanwalt

Schießerei am Dachauer Amtsgericht

Trauerfeier für erschossenen Staatsanwalt

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    Für den erschossen Staatsanwalt wurde am Montag eine Trauerfeier abgehalten.
    Für den erschossen Staatsanwalt wurde am Montag eine Trauerfeier abgehalten.

    Nur 31 Jahre alt wurde der Staatsanwalt, der am Dachauer Amtsgericht eigentlich für Recht sorgen wollte. Dann wurde er von dem Dachauer Transportunternehmer Rudolf U. während der Verhandlung erschossen.  Familie, Freunde und Kollegen haben bei einer Trauerfeier am Montag in München vom dem getöteten Juristen Abschied genommen. Der Anschlag auf den 31-Jährigen habe der gesamten Justiz gegolten, sagte Justizministerin Beate Merk (CSU) in der voll besetzten Jesuitenkirche St. Michael in München. "Während er für den Rechtsstaat im Einsatz war, haben wir ihn verloren - verloren durch den Hass eines Einzelnen, der nicht ihm persönlich galt, sondern eben jenem Rechtsstaat", sagte die Ministerin. Der junge Staatsanwalt sei ein "außergewöhnlicher Mensch" gewesen und ein "exzellenter Jurist, voller Engagement für seinen Beruf".

    Staatsanwalt hinterlasse eine Lücke

    Tödliche Anschläge bei Gericht

    Die Sicherheitsvorkehrungen in Gerichten können blutige Angriffe nicht immer verhindern. Eine Auswahl spektakulärer Fälle:

    Juli 2009: Während einer Verhandlung am Dresdner Landgericht ersticht der Angeklagte eine als Zeugin geladene Ägypterin. Der Russland-Deutsche tötet die Frau aus Fremdenhass und muss lebenslang in Haft.

    April 2009: Im Landshuter Landgericht erschießt ein Mann seine Schwägerin und nimmt sich danach das Leben. Zwei weitere Menschen werden bei der Schießerei vor einem Sitzungssaal verletzt.

    Mai 1998: Ein 69-Jähriger erschießt aus Rache und Hass auf die Justiz einen 52 Jahre alten Amtsrichter in dessen Dienstzimmer in Essen. Dann tötet er sich selbst.

    Februar 1998: Ein Angeklagter schießt im Gerichtssaal in Aurich (Niedersachsen) einen Staatsanwalt an und erschießt sich selbst.

    März 1997: Ein 39-jähriger Polizist erschießt in einem Amtsgericht in Frankfurt/Main seine Ex-Lebensgefährtin und verletzt deren Anwältin schwer.

    Januar 1995: Ein 54-Jähriger schneidet einer Richterin im Kieler Amtsgericht die Kehle durch. Er hatte irrtümlich angenommen, sie sei für seine Sorgerechtsangelegenheit zuständig.

    März 1994: Im Gericht in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) zündet ein 39-Jähriger einen Sprengsatz, da seine Ex-Freundin ihn wegen Körperverletzung verklagt hatte. Bilanz: sieben Tote, darunter die Frau, der Richter und der Täter selbst.

    März 1981: In Lübeck tötet eine 30 Jahre alte Gastwirtin während einer Verhandlung im Landgericht den mutmaßlichen Mörder ihrer siebenjährigen Tochter.

    "Hilflos macht uns auch, dass dieser Tod im Letzten nicht nachvollziehbar, nicht verstehbar ist", sagte Domdekan Prälat Lorenz Wolf. "Das, was geschehen ist, übersteigt unser Begreifen." Der evangelische Kirchenrat Dieter Breit sagte, die Lücke, die der junge Staatsanwalt hinterlasse, bleibe unausgefüllt. "Es gibt nichts , was uns den Verlust eines lieben Menschen ersetzen kann - und man soll es auch gar nicht versuchen."

    Während Gerichtsverhandlung erschossen

    Staatsanwalt im Gericht in Dachau erschossen - Die Reaktionen

    «Er hatte ein ausgezeichnetes Examen und war ein hervorragender Kollege.» (Die Münchner Oberstaatsanwältin Andrea Titz über den erschossenen jungen Staatsanwalt)

    «Sozusagen in Geheimjustiz zu verhandeln, das wollen wir nicht, und diese Sicherheit werden wir nicht herstellen können.» (Generalstaatsanwalt Christoph Strötz im Bayerischen Rundfunk)

    «Es wird Zeit, dass endlich auch in den Amtsgerichten Sicherheitsschleusen aufgestellt werden.» (Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, im «Kölner Stadt-Anzeiger»).

    «Auch wir Verteidiger sitzen im Schussfeld.» (Der deutschlandweit tätige Strafverteidiger Harald Baumgärtl im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa)

    «Es herrscht ein breiter Konsens, dass wir aus den Gerichten keine Trutzburgen machen, uns nicht abschotten wollen.» (Bayerns Justizministerin Beate Merk, CSU, am Donnerstag - einen Tag nach dem Dachauer Mord an einem Staatsanwalt - zu Forderungen nach strengeren Sicherheitskontrollen in Justizgebäuden)

    Der erst 31 Jahre alte Münchner Staatsanwalt war am 11. Januar bei einer Gerichtsverhandlung in Dachau erschossen worden. Gegen den mutmaßlichen Schützen wird wegen Mordes und versuchten Mordes ermittelt. Der 54-Jährige war wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er soll bei der Urteilsbegründung eine Pistole gezogen und auf den Richter und den Staatsanwalt geschossen haben.

    "Er wird uns arg fehlen"

    An der Feier nahmen neben der Familie des Opfers zahlreiche Vertreter aus Politik, Justiz und Polizei teil, darunter der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Karl Huber, Generalstaatsanwalt Christoph Strötz, der Leitende Oberstaatsanwalt Eduard Mayer und viele Kollegen aus München und Dachau. Sein Doktorvater von der Universität München, Prof. Horst Eidenmüller, sagte, der junge Jurist sei ein Vorbild gewesen, seine Doktorarbeit ein Juwel. "Das Zeug zum Bundesrichter in Karlsruhe hätte er zweifellos gehabt", sagte Eidenmüller. "Er wird uns arg fehlen." dpa/AZ

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