Die Verbraucher sind geschockt und verärgert: Die Großbäckerei Müller-Brot musste ihre Produktion einstellen - wegen drastischer Hygienemängel. "Schädlinge in erheblichem Umfang" und "starke Verschmutzung" seien die Gründe, heißt es von Seiten der Kontrolleure. Was allerdings noch mehr aufstößt ist die Tatsache, dass es sich bei den Verstößen offenbar seit Jahren um gängige Praxis handelt.
PR-Agentur betreibt Krisenmanagement
Die hygienischen Mängel der Großbäckerei Müller-Brot sind nach Angaben des Präsidenten des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, seit Jahren bekannt. "Leider hat sich eine dauerhafte Besserung nicht ergeben, so dass die jetzige Maßnahme erforderlich wurde", sagte Zapf dem Bayerischen Rundfunk am Freitag. Die Neufahrner Großbäckerei, die rund 260 Müller-Brot-Filialen und etwa 3600 Verkaufsstellen beliefert, darf den Betrieb erst wieder aufnehmen, wenn die Hygienestandards einwandfrei sind.
Nach der Prüfung des Landratsamtes am Montag habe man sich bei Müller-Brot dazu entschieden, die Produktion einzustellen, „um die Anlagen einer umfassenden und intensiven Wartung zu unterziehen“, teilte eine PR-Agentur am Donnerstag im Auftrag der Firma mit. Diese Arbeiten würden derzeit durchgeführt werden.
Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Auch wenn es zu keinem Zeitpunkt eine gesundheitliche Beeinträchtigung oder gar Gefährdung für den Endverbraucher gab, ist es uns wichtig, Spitzenqualität auch im Punkte Sauberkeit abzuliefern.“ Die Mitarbeiter arbeiteten „mit Hochdruck daran, die Arbeiten an unserem Produktionsstandort in Neufahrn baldmöglichst abzuschließen.“
Konkurrenz beliefert Müller-Filialen
Durch Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen werde versucht, den Produktionsausfall in Neufahrn abzufedern. Welche – sonst möglicherweise in Konkurrenz zu Müller-Brot stehende – Bäckereien dies sind, wollte der Sprecher aber nicht sagen.
Die Firma zählt dem Verband Deutscher Großbäckereien zufolge zu den zehn größten Bäckereiketten Deutschlands. Müller-Brot backt nach eigenen Angaben bis zu eine Million Semmeln und Brezen pro Tag sowie bis zu 70000 Brote. Die Großbäckerei erzielt nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 115 Millionen Euro pro Jahr. Müller-Brot produziert auch Backwaren, die in Supermärkten verkauft werden. Rund 1300 Mitarbeiter arbeiten im Unternehmen, davon 500 in der Zentrale der Firma in Neufahrn. (dpa/lby)