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Bahn: Nach Unfall bei Schäftlarn: Wie gefährlich sind eingleisige Bahnstrecken?

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Nach Unfall bei Schäftlarn: Wie gefährlich sind eingleisige Bahnstrecken?

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    Die aufeinander geprallten S-Bahnen an der Unfallstelle in der Nähe des Bahnhofes Ebenhausen-Schäftlarn.
    Die aufeinander geprallten S-Bahnen an der Unfallstelle in der Nähe des Bahnhofes Ebenhausen-Schäftlarn. Foto: Matthias Balk, dpa

    War es ein tragisches Unglück – oder steckt menschliches Versagen hinter dem Zusammenstoß zweier S-Bahnen bei München am Montagnachmittag? Auch einen Tag nach dem Unfall bei Ebenhausen mit einem Toten und vielen Verletzten steht die Ursache noch nicht fest. Nach gegenwärtigem Stand gebe es keine Hinweise darauf, dass es um technisches Versagen gehe, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der Bild-Zeitung. Die Ermittlungen würden vor allem in Hinblick auf die Frage, ob es menschliches Versagen gab, konzentriert.

    Nach Informationen aus Bahnkreisen war die Unfallstrecke mit einer elektronischen Sicherung ausgestattet. Die Technik überwache den Zugverkehr und könne Züge im Notfall automatisch bremsen, hieß es. Eigentlich hätten also auf der eingleisigen Strecke nicht zwei Züge unterwegs sein dürfen, die in unterschiedliche Richtungen fahren. Trotzdem kommt es auf eingleisigen Strecken immer wieder zu schweren Unfällen wie etwa vor sechs Jahren in Bad Aibling. Bei dem Unglück starben zwölf Menschen, 89 wurden verletzt. Es war die schwerste Zugkatastrophe in Bayern in den vergangenen 40 Jahren.

    Unfall bei Ebenhausen: Schon im vergangenen Jahr gab es in der Nähe einen Zwischenfall

    Und erst im vergangenen Jahr kam es in der Nähe von Ebenhausen, wo die S-Bahnen am Montag zusammenstießen, zu einem Beinahe-Unfall: Bei Icking waren zwei S-Bahnen aufeinander zugefahren, die Zugführer konnten aber noch rechtzeitig abbremsen.

    Feuerwehrleute am Unfallort in Bad Aibling (Landkreis Rosenheim): Dort rasten 2016 zwei Züge ungebremst ineinander.
    Feuerwehrleute am Unfallort in Bad Aibling (Landkreis Rosenheim): Dort rasten 2016 zwei Züge ungebremst ineinander. Foto: Sven Hoppe, dpa

    Die Hälfte aller Bahnstrecken in Bayern ist eingleisig

    Rund die Hälfte des bayerischen Streckennetzes war zuletzt nach Angaben der Bahn eingleisig. Konkret bedeutet das: Auf 3000 von 6000 Kilometern kann nur ein Zug unterwegs sein.

    Für Norbert Moy, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Oberbayern, sind eingleisige Strecken aber nicht per se ein Problem: "Man kann nicht sagen, dass eingleisige Strecken gefährlicher sind." Die Sicherheitstechnik funktioniere immer nach demselben Schema, unabhängig davon, wie viele Gleise es in einem Streckenabschnitt gebe. So sei es laut Moy für einen Triebfahrzeugführer nicht möglich, ein rotes Signal zu ignorieren und ohne Weiteres in einen Bahnhof einzufahren. Dafür muss jemand händisch in das System eingreifen. Außerdem dürfe sich in einem Gleisabschnitt immer nur ein Zug befinden.

    Wo ein Unfall passiert, gibt es also oft eher menschliches als technisches Versagen. Trotzdem gelten eingleisige Strecken als Risikofaktoren. Denn auf zweigleisigen Abschnitten würden die Züge auch bei einem Fehler aneinander vorbeifahren. Diese Möglichkeit gibt es bei nur einem Gleis nicht.

    Auf zweigleisigen Bahnstrecken kann der Takt erhöht werden

    Die Verantwortung für einen Streckenabschnitt trägt ein Fahrdienstleiter. Er betätigt unter anderem das Stellwerk. An manchen Orten in Bayern sind diese Stellwerke noch mechanisch. Für die Fahrdienstleiter bedeutet dies, dass sie "auf Sicht" arbeiten. Sie müssen also selbst auf das Gleis schauen und sicherstellen, dass dort kein Zug steht. Genau diese Prüfung hatte der Fahrdienstleiter bei einem Unfall in Aichach im Jahr 2018 unterlassen. Deswegen bemerkte er nicht, dass sich ein Zug auf dem Gleis befand und er eine Hilfssperre hätte anbringen müssen. Die Folge: Ein Personenzug prallte mit einem wartenden Güterzug zusammen. Bei dem Unfall starben zwei Menschen und 13 weitere wurden verletzt.

    Anders ist es laut Moy bei modernen Stellwerken. Sie erkennen selbstständig, wenn ein Gleisabschnitt belegt ist. Trotzdem macht er deutlich: "Ein einziger Fehler reicht nicht aus, damit ein Unfall passiert." Oft seien es mehrere Dinge, die zu Zugunglücken führten. Etwa in Bad Aibling: Dort war der Fahrdienstleiter durch ein Handyspiel abgelenkt und hat einen Zug auf das falsche Gleis geleitet. Als der Mann seinen Fehler bemerkte, drückte er versehentlich auf einen falschen Notrufknopf und konnte das Unglück nicht mehr verhindern.

    Ermittlungen zum S-Bahn-Unglück bei Ebenhausen stehen noch am Anfang

    "Das Einzige, was man nach so einem Vorfall tun kann, ist es, Lehren daraus zu ziehen", sagt Moy. Etwa könnten Strecken technisch aufgerüstet und Personal fortgebildet werden. In Aichach wurde nach dem Zugunglück das Stellwerk modernisiert. Auch der Unfall in Bad Aibling hatte Folgen: Nach Angaben einer Bahn-Sprecherin wurden etwa die Sicherheitsstandards auf vielen Strecken erhöht.

    Moy spricht sich für den Ausbau vieler eingleisiger Bahnstrecken aus. Allerdings nicht vornehmlich aus Sicherheitsgründen. Wo es mehr Gleise gebe, könnten auch mehr Züge fahren. Besonders auf Pendlerstrecken ergebe es Sinn, die Gleise auszubauen. Auf diese Weise könnten der Takt erhöht werden und genug Züge eingesetzt werden.

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