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Bahn: Politiker und Pendler sauer über Verspätungen und Zugausfälle

Bahn in Bayern

„Nicht akzeptabel“: So bewertet das Verkehrsministerium den Zustand der Bahn in Schwaben

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    Eine Bettungsmaschine arbeitet im Gleis auf einer Baustelle der Deutschen Bahn. Das Unternehmen investiert auch in Bayern massiv – und das führt zunächst zu Zugausfällen und Verspätungen.
    Eine Bettungsmaschine arbeitet im Gleis auf einer Baustelle der Deutschen Bahn. Das Unternehmen investiert auch in Bayern massiv – und das führt zunächst zu Zugausfällen und Verspätungen. Foto: Hendrik Schmidt, dpa (Symbolbild)

    Die Bahn baut und den Kunden graut. Das hat sich inzwischen bis ins bayerische Verkehrsministerium herumgesprochen. „Aus Sicht der Staatsregierung sind die Probleme bei der Ankündigung und Abwicklung der Baustellen durch die zuständige DB Infrago nicht akzeptabel,“ antwortet das Haus des CSU-Ministers Christian Bernreiter auf eine Anfrage der Grünen im Landtag. Diese hatten um eine Bewertung der derzeitigen Betriebsabläufe auf den Strecken in Schwaben gebeten.

    Bahnverkehr nur noch unter großer Mühe möglich

    Erst im Herbst hatte dort das Unternehmen Arverio Alarm geschlagen, das unter anderem zwischen Würzburg und Augsburg, Ulm und Augsburg sowie Augsburg und München den Regionalverkehr bedient. Dieser sei „nur noch mit großer Mühe möglich“, hatte der Bahn-Konkurrent geklagt.

    Leidtragende seien die Fahrgäste, die nun den Preis für frühere Versäumnisse bezahlen müssen, sagt der Grünen-Abgeordnete Max Deisenhofer. „Die Situation in Schwaben ist an manchen Tagen wirklich untragbar geworden. Das liegt an der unsäglichen Kombination aus Baustellen, die oft auch noch zu spät angekündigt werden, und sage und schreibe 13 Langsamfahrstellen in Schwaben.“ Schuld seien frühere Bundesverkehrsminister aus den Reihen der CSU. „Hier erleben wir nun leider die Folgen des bahnpolitischen Geisterfahrer-Dreigestirns Ramsauer, Scheuer, Dobrindt.“

    Inzwischen ist Geld da. Mehr als vier Milliarden Euro sollen 2026 in Schienen und Bahnhöfe im Freistaat gesteckt werden. Welche Auswirkungen das in Schwaben hat, hat das Verkehrsministerium nun skizziert. So sollen die Bahnhöfe in Altstädten (Sonthofen), Dillingen, Immenstadt, Kempten, Möttingen (Kreis Donau-Ries), Oberstdorf und Sonthofen barrierefrei werden. Zusätzliche und bessere Bahnsteige kommen in Lindau-Aeschach, in Kaufbeuren soll das Bahnhofsgebäude aufgewertet werden. An Gleisen und Weichen soll nach jetzigem Stand bei Nördlingen, zwischen Wörnitzstein und Möttingen sowie an den Bahnhöfen Buchloe und Hergatz gearbeitet werden.

    Derzeit gibt es 13 Langsamfahrstellen in Schwaben

    Ein großes Problem bleiben die Langsamfahrstellen, mit denen die Bahn auf Mängel im Schienennetz reagiert. Die Züge im Schneckentempo bringen den Fahrplan aus dem Takt. Insgesamt 13 Langsamfahrstellen sind aktuell in Schwaben gemeldet. Das Verkehrsministerium spricht von einem „nicht akzeptablen Maß“.

    Seit Jahren geht die Pünktlichkeit der Regionalzüge im Freistaat zurück. 2024 wurde mit 85,3 Prozent ein neuer Negativrekord erreicht. Die meisten der in Schwaben verkehrenden Anbieter schnitten noch schwächer ab. Ebenfalls schlecht wie nie: Mehr als acht Prozent der Regionalzüge in Bayern sind 2024 komplett ausgefallen und ließen ihre Fahrgäste im Regen stehen – manchmal buchstäblich.

    Bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die für die Abwicklung des Regionalverkehrs zuständig ist, wundert man sich, dass die Kunden dennoch kommen – und wie. Um 16 Prozent stieg 2024 die Zahl der Fahrgäste in den Nahverkehrszügen. BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs gibt zu: „Wir sind durchaus etwas überrascht, denn das ist diametral zur Entwicklung bei der Qualität.“ Doch dank des unschlagbar günstigen Deutschlandtickets sind viele Fahrgäste offenbar zu Abstrichen bereit oder mangels Alternativen gezwungen.

    Zurück zu den 13 Langsamfahrstellen. Sie befinden sich auf den Strecken zwischen Donauwörth und Treuchtlingen, Memmingen und Kempten sowie Kempten-Pfronten/Steinach. Außerdem: München-Buchloe, Augsburg-Buchloe, Buchloe-Kempten-Lindau. Allein auf dem Abschnitt zwischen München und Buchloe will die Bahn rund ein halbes Dutzend Langsamfahrstellen einrichten. Die Züge dürfen dann nur noch mit 70 statt bis zu 160 Stundenkilometern unterwegs sein. Der ursprüngliche Fahrplan ist damit Makulatur. Von 7. Februar bis 31. Oktober soll ein Notfahrplan gelten. Bedeutet: Vereinzelte Zugausfälle und massive Verzögerungen. Fahrgäste der Regionalexpresslinien aus und in Richtung Kempten, Lindau und Memmingen müssen sich auf längere Fahrzeiten und bis zu 20 Minuten frühere Abfahrten in München einstellen.

    Wo die Bahn bauen will

    Angesichts der aktuellen Probleme sieht Grünen-Politiker Deisenhofer für die nächsten Jahre schwarz und drängt bei einem künftigen Großprojekt auf Tempo. 2034 soll nach aktuellem Stand die bestehende, pannenanfällige Bahnlinie zwischen Ulm und Augsburg komplett gesperrt und saniert werden. Deisenhofer: „Da darf es keine weiteren Verzögerungen mehr geben. Wir brauchen für die Region wenigstens im nächsten Jahrzehnt dringend eine zuverlässige und alltagstaugliche Taktung der Züge.“ Bis dahin aber gibt es noch jede Menge Baustellen, wie interne Pläne der Bahn zeigen.

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