Italien-Urlaubern droht am Wochenende ein Verkehrschaos. Am zweiten Samstag der Pfingstferien, einem der stärksten Reisetage des Jahres, ist die Route über den Brenner wegen einer Demonstration von 11 bis 19 Uhr in beide Richtungen gesperrt - und zwar nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf den naheliegenden Bundes- und Landstraßen. Beantragt hat die Demonstration Karl Mühlsteiger, der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, stellvertretend für die verkehrsgeplagten Anwohner. „Wenn man Revue passieren lässt, was sich da in den letzten Jahrzehnten abgespielt hat, dann ist das ausgeartet zu einer richtigen Katastrophe für die Bevölkerung“ betonte er gegenüber unserer Redaktion. Mittlerweile müsse man nahezu täglich mit Staus rechnen. „Und da sagt die heimische Bevölkerung mittlerweile zurecht: So kann es nicht mehr weitergehen, wir werden unserer Freiheit beraubt.“
Im vergangenen Jahr haben nach Angaben des österreichischen Autobahnbetreibers Asfinag fast elf Millionen Autos und 2,5 Millionen Lastwagen die mautpflichtige Autobahn über den Brenner benutzt.Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) kritisiert den Initiator der Demonstration trotzdem scharf. „Die Verkehrsbelastung auf dem Brenner ist unbestritten hoch, aber den kompletten Auto- und Lkw-Verkehr zu sperren, hilft wirklich niemandem“, betonte er gegenüber unserer Redaktion.“ Der freie Warenverkehr über die Alpen wird durch Maßnahmen wie Blockabfertigungen und Nachtfahrverbote schon genug behindert.“ Unter den 32.000 Fahrzeugen, die voraussichtlich an dem Tag nicht über den Brenner fahren können, seien auch zahlreiche Familien aus Bayern, die eigentlich Urlaub machen wollten, betonte Bernreiter. „Es handelt sich auch nicht um irgendeinen Tag, es ist ein Samstag in den Pfingstferien mit Bettenwechsel.“
Die Regierung empfiehlt: Tirol am besten großräumig umfahren
Er habe auch Bedenken bezüglich der Sicherheit im Straßenverkehr, sagte Bernreiter. „Wir werden gefährliche Stausituationen erleben und auch massive Ausweichverkehr auf Straßen, die nicht dafür gemacht sind.“ Die Tiroler Landesregierung empfiehlt, ihr Bundesland am Samstag großräumig zu umfahren. Sie rechnet auch für Freitag und Sonntag noch mit großen Staus und hat strenge Kontrollen durch die Polizei angekündigt. Transitreisende sollten am 30. Mai nicht bis an die Grenzen Tirols fahren, empfiehlt sie, sondern bereits vorher großräumig – etwa am Inntaldreieck, bei Rosenheim oder bei Verona – auf Alternativrouten ausweichen.
Um den Verkehr über den Brenner besser zu steuern, plädiert Bernreiter für eine variable Maut für den Güterverkehr. Das Grundprinzip dahinter ist einfach: In Zeiten, in denen viel Verkehr herrscht, soll die Maut höher ausfallen, in Zeiten mit weniger Verkehr günstiger. Gleichzeitig bekannte sich Bernreiter zum sogenannten Brenner-Nordzulauf von München nach Innsbruck, der mehr Gütertransporte per Bahn ermöglichen soll und für die bayerische Wirtschaft unerlässlich sei. Zum Neubau der Trasse gehörten jedoch eine möglichst weitgehend unterirdische Streckenführung, ein umfassender Lärmschutz und der Schutz unserer Landschaft. Allerdings kommt das Projekt seit Jahren nicht voran, weil der Bundestag noch immer nicht über den genauen Verlauf der Strecke entschieden hat. Brenner-Aktivist Mühlsteiger macht dafür auch die bayerische Landespolitik verantwortlich: „Dafür braucht man dringend den Nordzulauf in Bayern. Bayern müsste die Bevölkerung in Rosenheim einbinden in das Projekt, nur dann kann es zum Erfolg werden. „
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