Amberg hat etwa 1500 Einwohner, zwei Gasthäuser, einen Kreisklasse-Fußballverein – und künftig wohl ein riesiges KI-Rechenzentrum: Das Start-up Polarise plant ein neues Großprojekt in der Region. Nach dem Rechenzentrum im Münchner Tucherpark, auch unter maßgeblicher Beteiligung des deutschen Start-ups, soll im kleinen Amberg im Unterallgäu ein Rechenzentrum noch viel größeren Ausmaßes entstehen.
KI-Rechenzentren, das sind quasi die Gehirne der Künstlichen Intelligenz (KI), bestehend aus zahlreichen Servern, Datenspeichern und Kühlsystemen, die die IT-Infrastruktur für die KI bereitstellen. Jede Frage an den Chatbot läuft über sie. Weltweit kommen aktuell fast 70 Prozent der Rechenleistung für KI aus den USA, nur fünf Prozent aus Deutschland. Mit dem neuen Zentrum in München hat sich die in Deutschland verfügbare Rechenleistung mit einem Schlag um 50 Prozent erhöht. Die neue KI-Fabrik in Schwaben soll das sogar noch toppen, für das Zentrum ist die doppelte Kapazität Münchens eingeplant.
Die Kapazität könnte bis auf 120 Megawatt erweitert werden
Das sind 30 Megawatt – die Kapazität kann Polarise zufolge aber auf bis zu 120 Megawatt vervierfacht werden. Große Zahlen, aber was bedeutet das konkret? Mit der Rechenleistung des Münchner Werks könnte man etwa vier Millionen Filme in HD-Qualität gleichzeitig aufbewahren. Mit der in Amberg acht Millionen – und noch mehr, wenn die Kapazität erweitert wird.
Die zahlreichen Server, Datenspeicher und Kühlsysteme, die ein KI-Rechenzentrum benötigt, brauchen auch eine Menge Energie: Die soll in Amberg einerseits aus dem bestehenden Solarpark des Partners WV Energie gewonnen werden, der noch erweitert werden soll. Ein Windpark soll außerdem entstehen, um das KI-Rechenzentrum zusätzlich mit erneuerbarer Energie zu versorgen.
Mit Solar- und Windparks könnten vor Ort etwa 125 Megawatt produziert werden, sagt Peter Kneipp, noch der amtierende Bürgermeister von Amberg. Die Tatsache, dass „Strom vorhanden ist“, mache Amberg schon zu einem guten Standort für das Polarise-Projekt. Besonders positiv sieht Kneipp, dass das Gelände einer ehemaligen Sendeanlage, die 2013 stillgelegt wurde, nun sinnvoll genutzt werden könne.
Amberg biete alles, „was für die Errichtung einer KI-Fabrik nötig ist“
Amberg mag auf den ersten Blick ein ungewöhnlich ländlicher Standort für ein solches KI-Rechenzentrum sein. Marc Gazivoda, Marketing-Chef des Unternehmens, betont jedoch, dass der Ort alles biete, „was für die Errichtung einer KI-Fabrik nötig ist“. Polarise versuche, schon bestehende Infrastruktur zu nutzen, um Zeit zu gewinnen und Ressourcen zu verringern. Das Zentrum in Amberg soll Mitte 2027 auf dem Gelände des ehemaligen Kurzwellensenders Wertachtal sowie der angrenzenden Fläche in Betrieb gehen, Polarise rechnet aufgrund sogenannter AI-Pods mit einem schnellen Fortschritt. Dabei handelt es sich um modulare Einheiten, die man in bereits vorhandene Strukturen einsetzen kann.
Auch Arbeitsplätze sollen in der Unterallgäuer Gemeinde laut Gazivoda enstehen: „Das Rechenzentrum selbst wird im Regelbetrieb dauerhaft Arbeitsplätze im zweistelligen Bereich schaffen.“ Gazivoda rechnet außerdem mit „Beschäftigungseffekten“ durch lokale Dienstleister in Bereichen wie Wartung, Instandhaltung, Sicherheit und Verwaltung sowie entlang der regionalen Wertschöpfungskette, etwa in den angrenzenden Solarparks und Energieinfrastrukturen. Durch „intelligente Abwärmenutzung“ könne zusätzliche Energie für umliegende Gemeinden gewonnen werden.
Das Großprojekt könnte etwa zu zwei Milliarden Euro kosten
Das Projekt dürfte eine finanzielle Großinvestiton werden: Laut der Deutschen Telekom, die den Münchner Standort für ihre KI-Cloud nutzt, hat die Investition dort rund eine Milliarde Euro betragen. Dementsprechend doppelt so hoch könnten die Kosten in Amberg werden. Laut Angaben Gazivodas gegenüber NTV erhält das Unternehmen keine Subventionen und finanziert die Investition aus eigenen Mitteln. Ende Februar kündigte der Finanzinvestor SWI an, mit einer Mehrheitsbeteiligung bei Polarise einzusteigen und stellte eine Milliarde Euro für weitere Investitionen zur Verfügung.
Polarise ist ein 2024 gegründetes Rechenzentrum-Start-Up, das sich nach eigenen Anhaben dem Aufbau einer souveränen europäischen KI-Infrastruktur verschrieben hat. „Die Gemeinden, die in den Bau solcher Rechenzentren involviert sind, tragen einen wichtigen Anteil an der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands und der nachfolgenden Generationen“, sagt Gazivoda.
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