Baden-Württemberg hat vorgelegt – seit dem 1. Juni darf nicht mehr an Kinderspielplätzen, in Freibädern, in Freizeitparks, in Zoos oder an Haltestellen geraucht werden. Das ist gut so und sollte auch in Bayern gelten. Denn die Frage ist, wie konsequent Politik auf neue Realitäten reagiert. Vor allem moderne Konsumformen wie E-Zigaretten und Vapes stehen dabei im Fokus und fallen bislang noch zu oft durch bestehende Regelungslücken.
Vapes senken Hemmschwelle für Tabak und Nikotin
Der Nikotinkonsum und das Rauchen haben besonders bei Jugendlichen wieder zugenommen. Das zeigt eine repräsentative Erhebung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Auffällig ist vor allem die Verbreitung von Einweg- und Mehrweg-E-Zigaretten, sogenannten Vapes, die von vielen als harmlos wahrgenommen wird. Genau darin liegt das Problem: Die vermeintliche Ungefährlichkeit senkt die Hemmschwelle. Dabei besteht längst klarer Handlungsbedarf. Denn die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Gesundheit anderer gefährdet wird.
Rauchen bleibt eine der zentralen vermeidbaren Todesursachen in Deutschland und ist laut Schätzungen für rund 14 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Hinzu kommt die Gefahr des Passivrauchens – und wieder besonders betroffen dabei sind Kinder, die sich der Belastung kaum entziehen können. Etwa beim Warten auf den nächsten Bus, wenn einem die Dampfwolke entgegenbläst.
Schärfere Regeln an Haltestellen und in Gaststätten gefordert
Wenn der Freistaat den Schutz von Kindern und Jugendlichen ernst nimmt, darf er sich nicht nur auf klassische Zigaretten oder einzelne Anpassungen beim Cannabis-Konsum beschränken. Viel dringlicher ist der Blick auf neue Konsumformen, die längst im Alltag angekommen sind und oft unterschätzt werden.
Gerade hier wäre eine strengere Regulierung notwendig: an Haltestellen, in den Außenbereichen der Gaststätten sowie in Festzelten. Orte also, an denen viele Menschen – darunter auch Kinder und Jugendliche – regelmäßig in Kontakt mit Rauch oder Dampf kommen.
Am Ende geht es um den Schutz einer besonders verletzlichen Gruppe. Wenn sich Konsumformen verändern, muss sich die politische Antwort anpassen. Bayern muss dabei nicht zwingend alles neu erfinden, aber man sollte genau hinschauen, wo andere Länder bereits konsequenter handeln. Denn wirksam ist Prävention nur dann, wenn sie früh ansetzt und nicht erst reagiert, wenn die Folgen längst sichtbar sind.
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