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Bayernhymne kommt bei Schulabschlüssen – und vorher fällt der Musikunterricht aus

Kommentar

Hymnenpflicht an Schulen kommt: Als gäbe es keine anderen Probleme …

Sarah Ritschel
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    Ein Musiker hat sich mit Wäscheklammern die Noten der Bayernhymne an den Kragen geheftet. Künftig muss sie auch an Schulen gespielt werden.
    Ein Musiker hat sich mit Wäscheklammern die Noten der Bayernhymne an den Kragen geheftet. Künftig muss sie auch an Schulen gespielt werden. Foto: Stefan Puchner, dpa

    Versetzen wir uns kurz in eine Schulaula, in der eine beliebige Art von Abschlusszeugnis verliehen wird. Schülerinnen und Schüler strahlen im Licht eines Scheinwerfers in die Handykameras stolzer Eltern. Gut möglich, dass sie in diesem Moment die maroden Klassenzimmer vergessen haben, in denen sie so lange lernten. Die Lehrkräfte im Publikum sind stolz, erneut einen Jahrgang zum Abschluss geführt zu haben, obwohl Personal fehlt, obwohl sie wieder einmal zig Vertretungsstunden gestemmt haben. Dann ertönt die Bayernhymne. Der Himmel strahlt im besten Fall weiß-blau. Kitschig? Ja! Ein Scherz? Nein!

    Denn die Hymnenpflicht für Schulen ist beschlossene Sache. „Ab dem Schuljahr 2026/2027 müssen bei festlichen Schulveranstaltungen zur Verleihung von Abschlusszeugnissen immer die Bayernhymne und mindestens eine weitere Hymne (deutsche Nationalhymne und/oder Europahymne) in würdig-feierlicher Weise in den Festakt integriert werden“: So hat es das Kultusministerium jetzt den Schulleitungen mitgeteilt. Als hätten Schulen keine anderen Sorgen.

    Hymnenpflicht an Schulen: Als gäbe es keine anderen Probleme

    Klar ist es kein Aufwand, ein Musikstück abzuspielen. Es vergrößert nicht die Herausforderungen, denen sich Bayerns Schulleitungen und Lehrkräfte jeden Tag ausgesetzt sehen: Personalmangel und zu große Klassen, um nur zwei zu nennen. Aber die Schwerpunktsetzung, die Bayern bei der Schulpolitik pflegt, verwundert schon. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Hymnenpflicht mit viel Pathos zur Chefsache gemacht, wollte den Vorschlag aus der Jungen Union so schnell wie möglich umgesetzt haben. Würde sich die CSU doch nur den wirklich wichtigen Baustellen an Bayerns Schulen mit ebenso viel Tatendrang widmen. Tut sie leider nicht.

    An Grundschulen wird am Musikunterricht gespart

    Das hat man an der Debatte gesehen, wie Bayerns Grundschüler fitter in Mathematik und Deutsch werden sollen. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) erwog, eine von (übertriebenen) drei Religionsstunden zu opfern. Doch Söder bremste sie aus: „Bei Religion wird nicht gekürzt.“ Stattdessen muss jetzt oft ausgerechnet der Musikunterricht dran glauben. Auch bei den dringend nötigen Überlegungen, Leistungsnachweise (gerade in Zeiten von KI) zu modernisieren, beendete Söder die Diskussion um unangekündigte Tests mit einem Satz: „Exen und Abfragen werden natürlich bleiben.“ Nur gut, dass keiner abfragt, wie textsicher Schülerinnen und Schüler bei der Hymne sind.

    Dieser Artikel wurde erstmals im Dezember 2025 veröffentlicht und jetzt aktualisiert.

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