Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Hymnenpflicht: So reagieren Schülerinnen und Schüler auf die Söder-Ansage

Schule

„Jeder sollte selbst entscheiden dürfen“: Das sagen Schülerinnen und Schüler zur Hymnenpflicht

  • |
  • |
  • |
  • |
    Blätter mit Text und Noten der Bayern-Hymne.
    Blätter mit Text und Noten der Bayern-Hymne. Foto: Stephan Jansen, dpa

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die von seiner Partei vorgeschlagene Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen umsetzen. Bei der Fraktionsklausur in Kloster Banz kündigte Söder an, dass möglichst schon zum Ende des laufenden Schuljahres zum ersten Mal die bayerische, die deutsche und die Europahymne gesungen oder gespielt werden sollen. Denn: „Das schafft Identität und Bildung.“ Sehen Schülerinnen und Schüler das genauso?

    Aradia Herrmann aus Nürnberg ist Landesschülersprecherin der bayerischen Berufsschulen und Pressesprecherin des Landesschülerrats, der die höchste Ebene der Schülervertretung in Bayern bildet. Für sie ist die Sache „eine Überlegung wert“. Wichtig sei ihr jedoch, dass Schülerinnen und Schüler in die Entscheidung einbezogen werden. Von einer Pflicht zur Hymne hält sie also nicht viel. Lieber solle schulintern geregelt werden, ob und in welchem Rahmen die Hymnen gespielt oder gesungen werden.

    Die Umsetzung soll freiwillig sein, finden Schülerinnen und Schüler

    Weil der Nationalstolz in Deutschland weniger ausgeprägt sei als in anderen Ländern, könnte eine Hymnenpflicht am Anfang eher negative Reaktionen auslösen, glaubt die 18-Jährige: „An meiner vorherigen Schule gab es ein Schullied, das wir bei solchen Veranstaltungen singen mussten. Allein da gab es schon Kritik. Die Nationalhymne wäre nochmal politischer.“

    Diskutabel findet die Ankündigung auch Pascal Trimbuch, der die Staatliche Fachoberschule in Ingolstadt besucht. Er ist Sprecher der FOS/BOS und Koordinator des Landesschülerrats. „Für uns war das eine sehr überraschende Entwicklung, die in der Schülerschaft Wellen geschlagen hat“, erzählt er. „Das Abitur ist eine große Sache bei uns, jede Schülerin und jeder Schüler hat über drei Jahre hinweg darauf hingearbeitet – das ist eine große Eigenleistung.“ In erster Linie seien Abschlussfeiern daher etwas Persönliches: „Wir machen den Abschluss ja für uns, und nicht für Bayern oder Europa.“ Auch er findet, dass die Hymnen-Regelung auf Freiwilligkeit basieren sollte. „Jede Schülerin und jeder Schüler sollte selbst entscheiden dürfen, ob sie oder er daran teilnehmen möchte.“

    Für Muhannad Abdulbaki haben Schulabschlüsse durchaus eine staatliche Komponente: „Ich bin mit acht Jahren nach Deutschland gekommen, bin hier aufgewachsen und zur Grundschule gegangen, konnte eine Bildung erhalten – da entwickelt man schon eine gewisse Bindung zu dem Land“, sagt der 17-jährige Schülersprecher der D.-Paul-Eber-Mittelschule im unterfränkischen Kitzingen.

    Pascal Trimbuch ist Landesschülersprecher der FOS/BOS und Koordinator des Landesschülerrats.
    Pascal Trimbuch ist Landesschülersprecher der FOS/BOS und Koordinator des Landesschülerrats. Foto: Pascal Trimbuch

    Den Vorschlag, die drei Hymnen bei Abschlussfeiern zu spielen, findet Abdulbaki gut. Das sei Teil der deutschen Kultur. Ebenso die Überlegung, die Schülerinnen und Schüler mitsingen zu lassen – solange es freiwillig bleibt. Für ihn persönlich steht fest: „Ich würde aus Respekt, aber auch wegen des Zusammengehörigkeitsgefühls mitsingen. Ich würde mich eingeschlossen fühlen.“

    Kultusministerin Stolz: „Entscheidend ist, die Werte zu verstehen“

    Schülerin Emilia Reithmeier, die die 12. Klasse der Fachoberschule Starnberg besucht, hat eine geteilte Meinung zur Hymnenpflicht: „Ich finde, es gibt wirklich wichtigere Themen im Schulsystem“, sagt die 17-Jährige. „Aber ich habe auch nichts dagegen, dass die Hymnen bei Abschlussfeiern gesungen werden. Vielleicht stärkt das ja wirklich das Gemeinschaftsgefühl.“

    Bloß das Musikprogramm abzuspulen, hält Emilia nicht für zielführend. „Wenn, dann richtig“, sagt sie. „Man könnte die Hymnen und ihre Herkunft erst im Musikunterricht behandeln und später in Geschichte die historischen Hintergründe thematisieren. Die Schülerinnen und Schüler sollten schon auch verstehen, was sie da singen.“ Ob sie selbst den Text kann? „Auf Anhieb wüsste ich den Text nicht. Aber wenn mir jemand einen Anstoß gäbe, käme vielleicht die Erinnerung wieder.“

    Mit ihrer Meinung ist die 17-Jährige ganz auf einer Linie mit Kultusministerin Anna Stolz von den Freien Wählern. Stolz unterstützt den Plan, die Hymnen „in der Schule noch ein Stück weit präsenter“ zu machen. Anders als für die CSU ist es aus ihrer Sicht aber „nicht entscheidend, dass die Hymnen zu bestimmten Anlässen immer verpflichtend gesungen werden, sondern dass die jungen Leute die Werte, um die es geht, verstehen und verinnerlichen“, sagte Stolz unserer Redaktion. Wie das funktionieren kann, will sie jetzt „mit der Schulfamilie diskutieren“.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 8 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren