Die Allgäuer Supermarktkette Feneberg Lebensmittel GmbH gibt es seit 1947. Gegründet wurde sie von Theodor Feneberg, der bereits 1933 mit einem Lebensmittelgeschäft in Kempten begonnen hatte. In den folgenden Jahren wuchs Feneberg und ist mit in der Spitze rund 80 Filialen eine feste Größe im Handel - im Allgäu und darüber hinaus. Zuletzt mehrten sich aber die finanziellen Probleme des Unternehmens, das nach wie vor in Familienhand ist. Eine Chronologie.
Die ersten Jahrzehnte: Feneberg auf Expansionskurs
Feneberg durchläuft in den vergangenen Jahrzehnten einen straffen Wachstumskurs. In etlichen Orten im Allgäu eröffnet der Konzern Lebensmittelmärkte, auch in Ravensburg, in Vorarlberg, in Augsburg und in München. Zuletzt verzeichnet Feneberg gut 80 Standorte und einen Umsatz von 550 Millionen Euro.
Teil der Expansion ist auch die Übernahme einiger Bäckereien und Metzgereien. Die Metzgerei Hans Dietz GmbH & Co. KG aus Schopfloch, die Metzgerei Reiter aus Augsburg, die Bühler GmbH und die hauseigene Feneberg-Metzgerei werden unter dem Dach des Konzerns in der Allgäu Fresh Foods, kurz AFF, zusammengefasst.
Ein Erfolg ist die vor über 25 Jahren eingeführte Marke „Von Hier“, unter der Feneberg eine große Bandbreite regionaler Bio-Lebensmittel verkauft. Diese werden dem Unternehmen zufolge von mehr als 600 Landwirten im Umkreis von 100 Kilometern rund um Kempten produziert.
2017: Feneberg startet in den Onlinehandel
Feneberg steigt 2017 in den Online-Lebensmittelhandel ein. In München können Amazon-Kunden, die den Dienst Prime Now gebucht haben, über einen eigenen Feneberg-Shop auf der Plattform 4000 verschiedene Produkte bestellen. Die Waren werden im Stadtgebiet zu den Kunden geliefert – auf Wunsch innerhalb einer Stunde. Das Angebot wird gut zwei Jahre später wieder eingestellt, es lohnt sich nicht und wird zum erheblichen Minusgeschäft für die Allgäuer.
2019: Rückstellungen und Investitionen machen Feneberg zu schaffen
Im Jahr 2019 gerät Feneberg zunehmend finanziell unter Druck. Das Unternehmen hat nicht nur viel Geld in seine Filialen sowie die Erweiterung und Modernisierung seiner Metzgerei investiert; vor allem die Betriebsrenten, die es noch bis 2005 gab, schlagen nun durch. Die Rückstellungen dafür belasten die Bilanz mit etwa 70 Millionen Euro. Es folgt eine jahrelange Sanierung, an der sich auch die mehr als 3.000 Mitarbeiter beteiligen - viele von ihnen verzichten vorübergehend auf einen Teil ihres Gehalts.
2019: Feneberg kooperiert mit Edeka
Als Teil des Sanierungskonzeptes kooperiert Feneberg nun auch mit Edeka, unter anderem beim Lebensmitteleinkauf und der Einführung einer Discount-Schiene im Sortiment. Der Allgäuer Konzern bleibt aber selbstständig.
2023: Feneberg meldet Millionendefizit bei hauseigener Metzgerei
Das Geschäftsjahr 2022/23 schließt Feneberg mit einem Minus von vier Millionen Euro ab. Verantwortlich dafür sei nicht der Handelsumsatz, denn der habe zugelegt – Auslöser sei vielmehr ein Defizit in der hauseigenen Metzgerei Allgäu Fresh Foods. Feneberg verweist dabei auf die schwierige Lage in der Fleischbranche: „Die Rohstoffpreise haben sich verdoppelt, gleichzeitig ging der Absatz zurück.“ Dies habe zu einer Sonderabschreibung von sieben Millionen Euro geführt. Inzwischen habe sich die Situation bei AFF aber stabilisiert.
2024: Feneberg zieht sich aus München zurück
Feneberg schließt im April 2024 seine Sanierungsphase ab und kündigt neue Akzente in der Region an. Dazu gehörten Neubauten an mehreren Standorten und die Modernisierung und Neuausrichtung des Nahversorgungszentrums „Fenepark“ im Kemptener Norden. Gleichzeitig zieht sich das Allgäuer Unternehmen aus dem Münchner Raum zurück, wo es bis dahin fünf Filialen betrieben hatte.
April 2025: Feneberg-Tochter Allgäu Fresh Foods beantragt Schutzschirmverfahren
Die defizitäre Feneberg-Metzgerei Allgäu Fresh Foods beantragt im April 2025 beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirm-Verfahren. Ziel sei es, die Metzgerei mit ihren 450 Beschäftigten aus eigener Kraft zu sanieren.
September 2025: Investor steigt bei Feneberg-Metzgerei ein
Die mittelfränkische Kupfer-Gruppe mit Sitz in Heilsbronn steigt bei der Allgäu Fresh Foods GmbH ein. Die Familie Feneberg bleibt mit 49 Prozent an der AFF beteiligt, die Feneberg Lebensmittel GmbH ist auch künftig größter und wichtigster Kunde des Unternehmens.
Im Geschäftsbericht 2024/25 weist der Feneberg-Konzern einen Verlust von rund zehn Millionen Euro aus, bei einem Netto-Umsatz von 478 Millionen Euro.
Dezember 2025: Feneberg fährt trotz eines Plus im Kerngeschäft Verluste ein
Die finanzielle Lage bei Feneberg bleibt kritisch, trotz Sanierung und Schließung mehrerer unrentabler Filialen. 72 Geschäfte hat das Unternehmen jetzt noch. Auch betriebsbedingte Kündigungen kann das Unternehmen nicht mehr ausschließen.
Januar 2026: Feneberg beantragt Insolvenz in Eigenregie
Am 8. Januar 2026 beantragt auch die Feneberg Lebensmittel GmbH ein Schutzschirmverfahren beim Amtsgericht. Es gehe darum, möglichst viele Stellen und Filialen zu erhalten, heißt es. Das Einkaufszentrum Fenepark in Kempten-Ursulasried, die Landbäckerei sowie die Veranstaltungshalle BigBox in Kempten, die alle ebenfalls zum Konzern gehören, sind nicht von dem Verfahren betroffen.
April 2026: Die Suche nach einem Feneberg-Investor läuft
Nach dem dreimonatigen Schutzschirm läuft nun bei Feneberg das Insolvenzverfahren in Eigenregie - und damit die Suche nach einem Investor. Auch wenn dies nicht bestätigt wird: Als Hauptfavoriten für den Einstieg bei einem der größten selbstständigen Lebensmittelhändler Deutschlands gelten Edeka und Rewe.
Feneberg drücken aktuell etwa 200 Millionen Euro Schulden. Hauptgläubiger sind die Pensionssicherungskasse mit etwa 100 Millionen Euro, die Edeka-Gruppe und die Sparkasse.
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