Die neue Jugendorganisation der AfD, Generation Deutschland, will am Samstag einen bayerischen Landesverband gründen. Der Termin wurde inzwischen von der AfD bestätigt. Als Landesvorsitzender will der Landtagsabgeordnete Franz Schmid kandidieren, der vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet wird. Schon vor der Neugründung wurde nun bekannt: Der AfD-Nachwuchs steht ebenfalls unter Beobachtung. „Die neu gegründete ,Generation Deutschland‘ ist nicht-selbständiger, integraler Teil der Gesamtpartei AfD. Sie wird daher seit ihrer Gründung als Teil des Beobachtungsobjektes AfD ebenfalls vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet“, teilte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf eine Anfrage der Grünen mit.
Am Gründungskongress der Generation Deutschland nahmen nach Angaben Herrmanns bis zu 70 Personen aus Bayern teil, darunter mehrere Landtagsabgeordnete. „Zu einem Beisitzer des 15 Personen umfassenden Bundesvorstandes wurde eine Person aus Bayern gewählt. Als Redner traten aus Bayern zwei Personen, darunter ein Landtagsabgeordneter, auf.“
Franz Schmid bewirbt sich auch in Neu-Ulm als Oberbürgermeister-Kandidat gegen Amtsinhaberin Katrin Albsteiger
Schmid, der schon Landesvorsitzender der Vorgängerorganisation Junge Alternative war, erklärte auf der Plattform X seine Kandidatur. „Bayern steht vor einem Neustart – und ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen“, schrieb er schon Anfang Dezember. Der gelernte Kinderpfleger aus Babenhausen im Unterallgäu machte früh landespolitische Karriere – er wurde 2023 für den Stimmkreis Neu-Ulm in den Landtag gewählt. Die Menschen, die er vertreten will, bekommen ihn kaum zu Gesicht. Zu ihren Veranstaltungen lädt die Partei nur ihre Anhänger ein, die Orte bleiben meist geheim. Abgesehen von Wahlkampfständen und von großen Auftritten, für die Schmid am liebsten die Weißenhorner Stadthalle wählt.
Franz Schmid meldet sich über die sozialen Medien zu Wort – er berichtet vom angeblich so friedlichen Syrien, das er selbst bereist habe. Oder er prangert Pläne zu Flüchtlingsunterkünften an. Selbst dann noch, wenn die Überlegungen längst vom Tisch sind. Lokale Politik betreibt der Mann bislang im Unterallgäu, wo er für seine Partei im Kreistag sitzt. Aber dabei soll es nicht bleiben. Der 25-Jährige hat einen Zweitwohnsitz im Kreis Neu-Ulm angemeldet, um dort mitzumischen, wo er als Kreisvorsitzender längst die Strippen zieht.
Auf der kommunalen Ebene ist die extrem rechte Partei im Kreis Neu-Ulm bisher nicht vertreten. Doch die Chancen dürften gut stehen, denn bei den Landtags- und Bundestagswahlen schnitt die AfD stark ab. Schmid führt die Kreistagsliste an und er bewirbt sich in Neu-Ulm als Oberbürgermeister-Kandidat gegen Amtsinhaberin Katrin Albsteiger von der CSU. Platz zwei scheint möglich und viel Öffentlichkeit sicher.
Die Junge Alternative hatte sich im Frühjahr aufgelöst, die AfD hatte sich zuvor von ihr getrennt
Auch für drei weitere Orte hat der Mann Bürgermeisterkandidaten und Listen angekündigt, doch Namen gibt es bisher nur aus der Kreisstadt und aus Illertissen. Mancherorts ist von Geheimniskrämerei die Rede. Anderswo gibt es Zweifel, ob Schmid die Leute auftreiben kann, die er braucht. Klar ist: Ohne den 25-Jährigen geht nichts. Alle Kontakte laufen über den Kreisvorsitzenden. Von Schmids Mitstreitern im Kreisvorstand hat die AfD nur die Nachnamen veröffentlicht.
Ob es noch weitere Kandidatinnen oder Kandidaten um den neuen Vorsitzendenposten bei der Generation Deutschland geben wird, war zunächst unklar. Laut Polizei wurde bislang eine Versammlung, die sich gegen das Neugründungs-Treffen richtet, angemeldet, mit rund 300 Teilnehmern. Die Junge Alternative hatte sich im Frühjahr aufgelöst, die AfD hatte sich zuvor von ihr getrennt. (mit dpa)
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