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Freunde sagen über Münchner Amokfahrer Farhad N. aus und sind schockiert

Prozess um Amokfahrer

„Jemand muss sein Gehirn manipuliert haben“: Ehemalige Freunde sagen über Münchner Amokfahrer aus

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    Der Angeklagte Farhad N. zeigt im Gericht den Tauhid-Finger. Ein eigentlich friedliches Zeichen im Islam, das von muslimischen Extremisten als Symbol missbraucht wird.
    Der Angeklagte Farhad N. zeigt im Gericht den Tauhid-Finger. Ein eigentlich friedliches Zeichen im Islam, das von muslimischen Extremisten als Symbol missbraucht wird. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Wie aus dem Nichts nimmt der Angeklagte Farhad N. seine Brille ab, wischt sich die Tränen aus den Augen und klopft sich anschließend ein paar Mal auf den Kopf, um die Fassung wiederzuerlangen. Ausschlaggebend für diesen seltenen Gefühlsausbruch ist die Aussage eines ehemaligen Freundes, der neben einem weiteren guten Bekannten als Zeuge vor dem Oberlandesgericht München geladen ist. Die zwei berichteten von ihrer Beziehung zu Farhad N., bevor dieser durch eine Amokfahrt zwei Menschen tötete und mehr als 40 verletzte.

    Farhad N. verabschiedet sich bei Zeugen mit Tauhid-Finger-Emoji

    Am 13. Februar 2025 raste der heute 25-jährige Afghane mit einem weißen Mini-Cooper in eine Verdi-Demonstration in München und richtete ein Blutbad an. Und bis jetzt schwebt die große Frage im Raum, wieso sich Farhad N. zu dieser Tat hinreißen ließ. Eine Frage, die auch in seinem Bekanntenkreis schwer zu erklären ist. „Farhad war ein motivierter Sportler, zudem höflich und religiös keineswegs radikal. Dass er so was machen würde, konnte sich niemand vorstellen“, berichtet der erste Zeuge. Der 27-jährige Afghane lernte Farhad N. 2017 in der Schule kennen und freundete sich mit ihm an.

    Allerdings habe er sechs Monate vor der Tat den Kontakt abgebrochen, da der Angeklagte ihm 500 Euro schuldete, diese aber nicht zurückzahlte. Wofür er das Geld brauchte, wisse der Zeuge bis heute nicht. Auf WhatsApp und anderen sozialen Medien blockierte er dann zunächst Farhad N. und zeigte sich, nachdem er ihm wieder gefolgt war, schockiert über seine Aktivitäten. „In einem Post forderte er die Menschen auf, beten zu gehen und hinterlegte das Ganze mit religiöser Musik.“

    Am Tag vor der Tat habe er ihm schließlich dann den Geldbetrag überwiesen. Dazu bekam der Zeuge eine Textnachricht, in der Farhad N. „Gott sei mit dir“ schrieb und sich mit einem Tauhid-Finger-Emoji verabschiedete. Diesen Fingerzeig benutzen muslimische Extremisten oft als Symbol. „So etwas hat er zuvor nie gemacht, das war schon seltsam. Vielleicht hat ihm jemand das Gehirn manipuliert“, sagt der Zeuge. Trotzdem habe er sich nichts dabei gedacht und am nächsten Tag sei der Schock riesig gewesen.

    Amokfahrer Farhad N. folgte in sozialen Medien immer öfter religiösen Seiten

    Der nächste Zeuge zeigte sich ebenfalls verstört über die Amokfahrt, doch er habe leichte Anzeichen einer Veränderung bei Farhad N. wahrgenommen. Der ebenfalls aus Afghanistan stammende 24-Jährige war fünf Jahre lang mit dem Angeklagten befreundet und stellte in der Zeit vor der Tat fest, dass sich der Social-Media-Auftritt von eben jenem deutlich gewandelt hatte. „Er folgte auf Instagram komischen Seiten mit Imamen aus verschiedenen Ländern“, so der Zeuge. Die Frage des Richters, ob er sich in Richtung Radikalismus entwickelte, verneint der Zeuge jedoch.

    Vielmehr betont er, dass Farhad N. unter anderem die Machenschaften der Taliban in seinem Heimatland verurteilte und sich zudem für afghanische Männer schämte, die in Deutschland Frauen vergewaltigten. Deshalb habe diese Entwicklung überhaupt nicht zu ihm gepasst. Auch Drogen oder Alkohol seien nie sein Ding gewesen, eigentlich sei immer nur das Bodybuilding im Mittelpunkt gestanden.

    Auffallend an der Aussage ist aber die Tatsache, dass sich Farhad N. von dem 24-Jährigen ebenfalls Geld lieh und dieses erst kurz vor der Tat zurückzahlte. Zuvor hat der Angeklagte laut dem Zeugen die Freundschaft für beendet erklärt, da er nicht am Freitagsgebet teilgenommen habe. Am 13. Februar versuchte der mutmaßliche Attentäter dennoch, den Zeugen zweimal anzurufen, dieser habe aber kein Netz gehabt und danach von dem Ereignis erfahren.

    Sichtlich aufgewühlt verfolgt der Angeklagte die Aussage seines Bruders. Als dieser von Farhad N.s Ängsten während der Flucht aus Afghanistan berichtet, fließen bei ihm die Tränen. Wie der Zeuge heute zu seinem Bruder stehe, will der Richter später wissen. Die Antwort: „Ich bin sehr, sehr traurig, ich verstehe nicht, warum er so etwas gemacht hat.“ Bis Ende Juni sind weitere Prozesstermine angesetzt. (mit dpa)

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