Mitten im Satz verstummte sein Kollege. Eben noch hatte er von „den Befindlichkeiten seiner Mutter“ erzählt – dann sei er plötzlich weg gewesen. Mitgerissen von einem weißen Mini-Cooper, dessen Fahrer am 13. Februar 2025 in eine Verdi-Demonstration in München raste, zwei Menschen tötete und mehr als 40 verletzte. Ein Ingenieur sagt nun ein Jahr später als Erster von mehreren Überlebenden vor dem Oberlandesgericht München aus.
Der Zeuge zog seinen bewusstlosen Kollegen in seinen Schoß
Zunächst habe er sich noch geärgert, warum der Kollege den Satz nicht beendete. Erst Sekunden später begriff er, was geschehen war. Etwa 20 Meter weiter fand er ihn bewusstlos am Boden, zog ihn in seinen Schoß. „Mein erster Gedanke war: Er hat nicht überlebt“, berichtet der Zeuge. Doch sein Kollege überlebte. Er selbst trug nur eine Verletzung an der Hand davon, mutmaßlich vom Seitenspiegel des Autos.
Die Bilder aber hätten sich eingebrannt. Rechts von ihm ein Mann, der in seinem Erbrochenen lag. Wenige Meter weiter die junge Mutter, die reanimiert werden musste und später starb. Daneben der Kinderwagen ihres zweijährigen Kindes. „Ganz flach“ sei er gewesen, berichtet er mit leiser Stimme. „Dieses unsägliche Leiden, was da war“, sagt der Ingenieur, sichtlich angefasst, die verschränkten Hände vor dem Mund. Der Angeklagte, der 25-jährige Afghane Farhad N., verfolgt die Schilderungen scheinbar teilnahmslos. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Motiv des Tatverdächtigen aus.
Ein Betroffener leide infolge des Anschlags an einer PTBS
Ein weiterer Betroffener, ebenfalls als Zeuge geladen, bittet schriftlich darum, nicht persönlich erscheinen zu müssen – auf Anraten seiner Psychologin. Er leide infolge des Anschlags an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch der erste Zeuge berichtet, dass er große Menschenmengen bis heute meidet. Dennoch sagt er, er habe den Tag inzwischen gut verarbeitet. In der kommenden Woche wolle er mit seinen Kollegen essen gehen, „um unseren zweiten Geburtstag zu feiern“, sagt er. „Weil: Wir haben das überlebt.“
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