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Hektik vor Heiligabend: „Stress entsteht durch die Idee eines perfekten Weihnachten“

Weihnachten

„Stress entsteht durch die Idee eines perfekten Weihnachten“

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    Kurz vor Weihnachten ist von Ruhe und Besinnlichkeit oft wenig zu spüren.
    Kurz vor Weihnachten ist von Ruhe und Besinnlichkeit oft wenig zu spüren. Foto: Jens Kalaene/dpa

    Weihnachten verbinden viele mit dem Wunsch, Zeit mit den Lieben zu verbringen. Natürlich möglichst harmonisch. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Fest. Doch nicht immer verläuft es dann reibungslos. Zudem wollen unendlich viele Dinge bedacht und erledigt werden – wie Plätzchen backen, Kochen, Dekorieren. Und während viele im großen Familienkreis feiern, bleibt mancher auch allein. Geschäftigkeit, Familie oder Einsamkeit, das alles kann für Stress sorgen. Sollte Weihnachten nicht anders sein? Ein Historiker und eine Soziologin wissen, wann und warum sich die ursprünglich besinnliche Adventszeit veränderte. Und warum Menschen, die allein feiern, bisweilen geschnitten werden.

    Der Historiker und Buchautor Gregor von Kursell aus Donauwörth ist Experte für Weihnachten und promoviert auch bald zum Thema. „Lange Zeit waren wir landwirtschaftlich dominiert. Die Winterzeit war eine Ruhezeit, man hat von Vorräten gelebt und die Tage waren kurz“, sagt er. „Deshalb hat man sich die Zeit so gemütlich wie möglich gemacht.“ Doch woher kommt heute diese Beschleunigung in der Adventszeit, die für Stress vor Weihnachten sorgt?

    Mit der Industrialisierung begann der ganze Stress

    Mit der Industrialisierung habe sich der wirtschaftliche Takt angefangen zu beschleunigen und sei seitdem nur schneller geworden, so Gregor von Kursell: „Früher war die Adventszeit eine stade Fastenzeit, dann hat sich zunehmend das ‚Denken in Quartalen‘ durchgesetzt.“ Rechnungen mussten pünktlich zum Jahresende raus. Und, viele kennen es: Auch an Heiligabend geht es noch in die Arbeit. Außerdem verschob sich das Fest von der Kirche in die Familie. Das habe mit der Entwicklung des Großbürgertums im 18. und 19. Jahrhundert zu tun, erklärt von Kursell. „Im Unterschied zu heute hatte das Großbürgertum allerdings Dienstmädchen“, sagt er. Die Arbeit verteilte sich also auf mehrere Schultern, während heute jeder eine individuelle Strategie entwickeln muss, damit das Weihnachtsfest trotzdem schön wird.

    Daran, wie man entspannte Weihnachten feiern kann, feilt auch das Augsburger Elternpaar Widmann. In den vergangenen Jahren musste Mario Widmann regelmäßig an Weihnachten arbeiten, dieses Jahr hat er frei. Für Carolin Widmann ein willkommener Anlass, ihren Mann mit einem Kurztrip nach Südtirol zu überraschen. Viel Zeit bleibt da aber nicht, um Geschenke zu besorgen und zu verpacken, denn auch ein Geburtstag steht noch an. Pünktlich an Weihnachten soll's zurückgehen, und dann: Schnell die Kinder von den Großeltern einsammeln und die Geschenke unterm Baum drapieren. Da ist perfektes Timing für die romantische Zeit zu zweit und das perfekte Fest für die Kinder gefragt.

    Von Weihnachten als Familien-Event und Vorurteilen gegen Alleinstehende

    Die Soziologin Jasmin Siri von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sagt: „Stress entsteht durch die Idee eines perfekten Weihnachten. Dazu gehöre neben dem schönsten Baum auch das perfekte Essen und natürlich Geschenke. „Viele wollen sich ein super-romantisches Geschenk machen oder etwas besonders Ausgefallenes kochen“, sagt die Soziologin. Das führe schnell zu Überforderung. Hinzu komme, dass „Feste mit Familienkontext aufgeladen sind“. Während unter dem Jahr viele Menschen für sich lebten, sitze man an den Festtagen oft mehrere Tage beengt aufeinander und habe kaum eine Möglichkeit, dem zu entkommen. Das fördere Konflikte. Versuche sich jemand, diesem Druck zu entziehen, und wolle alleine feiern, so gelte die Person schnell als griesgrämiger Sonderling und werde geschnitten wie der Grinch oder Ebenezer Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte von Dickens, ergänzt Gregor von Kursell. Auch das sei eine Form von Stress.

    Allein heißt nicht automatisch einsam

    Der Mittvierziger Oliver Hädrich aus Oberschleißheim im Norden von München hingegen wollte genau das einmal ausprobieren: Weihnachten alleine feiern. Mit einer Tütensuppe auf dem Wohnzimmertisch und ein paar guten Filmen machte er es sich bequem. Das war Weihnachten 2024. Nur einmal sei kurz Wehmut aufgekommen, erzählt er. „Richtung Abend war ich mal nachdenklich, wenn man normalerweise mit der Familie am Tisch sitzt und Rouladen isst.“ Das sei aber schnell vorübergegangen. Denn obwohl er die Wohnung nicht verlassen habe und keine Familienmitglieder anwesend gewesen seien, war er doch nicht einsam: Online in einem Chatroom eines Filmstreaming-Dienstes fand er an Heiligabend gute Gesellschaft.

    Soziologieprofessorin Siri von der LMU weiß, dass es auch Gegenbewegungen zum klassischen Weihnachten gibt: „Einige Leute spenden Geld für andere oder stiften etwas, anstatt Geschenke zu kaufen.“ Sie selbst besorgt Geschenke schon über das Jahr verteilt und legt sie in eine Kiste. Dadurch vermeidet sie Stress.

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