Initiative will Hochhäuser in München stoppen - Kommt der Bürgerentscheid?
Hochhäuser
Stadtbild in Gefahr? Initiative will Hochhaus-Bau in München stoppen
Lange galt in München: Kein Gebäude soll höher als die Frauenkirche sein. Nun hat die Stadt zwei 155-Meter-Türme genehmigt. Gegner fürchten einen Dominoeffekt.
Die Türme der Frauenkirche prägen das Münchner Stadtbild. Eine Bürgerinitiative möchte, dass das auch weiterhin so bleibt.Foto: Sven Hoppe, dpa
Als „Weltstadt mit Herz“ bezeichnet sich München selbst. Doch egal, wie sehr die bayerische Metropole zur „Weltstadt“ wird, bei einem Thema reagieren einige Münchnerinnen und Münchner äußerst sensibel: Hochhäuser. Genauer gesagt: Bei Hochhäusern, die höher sind als die beiden Türme der Münchner Frauenkirche. Gegen die Pläne, zwei 155 Meter hohe Wohnhäuser zu errichten, hat sich sogar eine Bürgerinitiative formiert.
Bürgerentscheid 2004: Kein Gebäude in München höher als die Frauenkirche
Insgesamt 93 Hochhäuser mit einer Höhe von mindestens 100 Metern gibt es in Deutschland. Das höchste Gebäude des Landes, das Commerzbank-Hochhaus in Frankfurt, misst sogar 259 Meter. In München waren diese Größenordnungen lange undenkbar. Grund dafür ist ein Bürgerentscheid, der inzwischen über 20 Jahre zurückliegt.
Damals, im November 2004, hatten die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, die maximale Höhe von Gebäuden in der Stadt festzulegen. Mit 50,8 Prozent stimmte eine knappe Mehrheit dafür, dass wegen des historischen Stadtbilds kein Haus gebaut werden darf, das höher als die Frauenkirche ist. Der Nordturm der Kirche misst 98,57 Meter, der Südturm ist 98,45 Meter hoch.
Zwei neue Hochhäuser sollen in Neuhausen entstehen
Seither hält sich der Mythos, dass in der bayerischen Landeshauptstadt kein neues Gebäude höher sein darf, hartnäckig. Eine Vorschrift ist das aber nicht. Ein Bürgerentscheid ist immer nur für ein Jahr bindend. Allerdings hielt sich die Stadt weiterhin an den Bürgerentscheid, seit 2004 wurde kein Gebäude mit mehr als 98 Metern gebaut.
Pläne für höhere Häuser gab es allerdings immer wieder. Zuletzt wurden diese sehr konkret: So genehmigte der Münchner Stadtrat Anfang Februar ein großes Neubauprojekt für das Gelände rund um die Paketposthalle im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg. Dieser Plan sieht neben Flächen für Einzelhandel und Kultureinrichtungen auch zwei 155 Meter hohe Türme mit Büros, Hotels und Wohnungen vor.
Bürgerinitiative will Hochhausbau stoppen
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass die Pläne für ihn aus verschiedenen Gründen interessant seien. „Es entstehen rund 1000 neue Wohnungen, auch viele zu bezahlbaren Mieten“, betont Reiter und verweist darauf, dass neben den verpflichtenden Sozialwohnungen auch vergünstigte Wohnungen für Menschen mit systemrelevanten Berufen, also zum Beispiel für Klinikpersonal oder Feuerwehrkräfte, entstehen sollen. „Gleichzeitig ist der Flächenverbrauch deutlich geringer, denn ansonsten müsste man für eine vergleichbare Anzahl von Wohnungen natürlich mehr Fläche versiegeln.“
Den Plänen sehr kritisch gegenüber steht Robert Brannekämper (CSU). Er ist Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Bürgerinitiative „Hochhausstop“. „Die Hochhäuser leisten keinen Beitrag zu günstigem Wohnraum“, erklärt er. Lediglich die geplanten Sozialwohnungen würden dem Wohnungsmangel entgegenwirken. „Die anderen Wohnungen dort wird man mit einem normalen Gehalt nicht bezahlen können. Das wird alles extrem hochpreisig.“
Angst vor Dominoeffekt: Brannekämper befürchtet immer mehr Hochhäuser
Sollten die Hochhäuser gebaut werden, befürchtet Brannekämper in München eine Art Dominoeffekt: „Dann würden immer mehr Investoren auch Hochhäuser bauen wollen.“ Schon jetzt würden Investoren viel zu viel Druck auf die Stadt ausüben. Dieser Ansicht widerspricht Oberbürgermeister Reiter allerdings vehement. „Leider werden hier oft Ängste geschürt, die schlicht auf Falschinformationen beruhen“, kritisiert er. „München wird keine Skyline von Hochhäusern bekommen.“
Eine Hochhaus-City werden wir nicht werden.
Dieter Reiter, Oberbürgermeister München
Zwar führte die Stadt zuletzt eine sogenannte Hochhausstudie durch. Diese habe allerdings nicht den Zweck, eine Reihe von Wolkenkratzern zu bauen. Ziel sei es lediglich, potenziell geeignete Standorte für Hochhäuser zu finden. „Aber eine Hochhaus-City werden wir nicht werden“, garantiert Reiter. Zuden wolle man aufzeigen, wie das Neubauprojekt an der Paketposthalle das Leben der Bürgerinnen und Bürger verändern könne, etwa durch Freizeitmöglichkeiten oder Spielangebote für Kinder.
Neuer Bürgerentscheid steht wohl bevor
Robert Brannekämper überzeugt das nicht. „Unsere Initiative will erreichen, dass in München kein Hochhaus gebaut wird, das höher als 60 Meter ist.“ Zum einen seien höhere Gebäude ökologisch nicht sinnvoll, zum anderen würde das Stadtbild Münchens durch höhere Häuser beeinträchtigt.
Zuletzt sammelte die Initiative Unterschriften für einen erneuten Bürgerentscheid. Dafür müssen mindestens drei Prozent der stimmberechtigten Münchnerinnen und Münchnern unterzeichnen. Das wären etwa 33.000 Unterschriften, die Initiative hat laut Brannekämper bereits 45.000 gesammelt. Diese sollen noch in diesem Monat ins Rathaus gegeben und dort geprüft werden. „Wir müssen schauen, ob das ausreicht“, sagt Brannekämper.
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