Im Kloster in Welden werden Schränke abgebaut, Kartons befüllt und Koffer gepackt. Die Vorbereitungen für den Umzug der Karmelitinnen sind in vollem Gange. Wie berichtet, verlassen die acht Ordensfrauen am 23. März die Marktgemeinde im Landkreis Augsburg und ziehen ins Kloster Himmelspforten der „Unbeschuhten Karmelitinnen“ nach Würzburg. Gleichzeitig laufen im Hintergrund die Gespräche, wie es mit der Klosteranlage in exponierter Lage mit 15.600 Quadratmetern Grund auf dem Theklaberg in Welden weitergeht.
Bürgermeister sagt: „Jetzt müssen wir neu denken“
So viel steht inzwischen fest: Die Gemeinde, die sich ein Vorkaufsrecht gesichert hatte, wird das denkmalgeschützte Kloster nicht erwerben. „Wir haben ein Kaufpreisangebot abgegeben, aber von der Gegenseite seit vier Monaten nichts mehr gehört“, sagt Weldens Bürgermeister Stefan Scheider. „Jetzt müssen wir neu denken.“ In der Diskussion war ursprünglich die Sanierung der bestehenden Gebäudesubstanz und der Bau eines Kinderzentrums. In Welden muss die Kindertagesstätte in der Ortsmitte ohnehin erweitert werden. Schon jetzt sind drei Gruppen mit je 15 Plätzen ins benachbarte Franziskushaus ausgelagert. Für einen Kita-Neubau rechnet die Gemeinde mit Kosten von rund 8,7 Millionen Euro. Scheider zeigt sich enttäuscht, dass es nun wohl doch nicht zum Kauf des Klosters kommt. „Das ist schade für Welden.“
Doch wie geht es nun mit dem Kloster auf dem Theklaberg, das eine fast 95-jährige bewegte Geschichte hat, weiter? Dem Vernehmen nach sollen Schwestern der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft „The Holy Family Sisters of the Needy“ (Schwestern der Heiligen Familie für Bedürftige), die ihren Hauptsitz in Nigeria hat, in das imposante Gebäude einziehen. Die Karmelitinnen bleiben Eigentümer, vermieten jedoch die Räume an den 1983 gegründeten Orden, der eine Kongregation bischöflichen Rechts ist.
Zehn Schwestern sollen am 1. Juni nach Welden kommen
Schwester Johanna, Priorin des Klosters Himmelspforten, dem die Weldener Gemeinschaft mittlerweile angeschlossen ist, bestätigte entsprechende Pläne auf Anfrage unserer Redaktion. „Wir sind uns einig. Zehn Schwestern werden am 1. Juni nach Welden kommen.“ Für die Niederlassung, die zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen soll, sei allerdings noch die Genehmigung durch Augsburgs Bischof Bertram Meier nötig. Während sich Priorin Johanna optimistisch zeigt, heißt es von anderer Seite, dass es noch einige Hürden zu nehmen gilt. So müsse neben offenen rechtlichen Fragen auch die „finanzielle Tragfähigkeit“ geprüft werden. Gleichwohl äußerte auch Bischof Meier vor kurzem in seiner Predigt bei der feierlichen Pontifikalmesse für die Weldener Nonnen in der Votivkirche St. Thekla die Hoffnung, „dass der klösterliche Ursprung erhalten bleibt“.
Wie Priorin Johanna sagte, arbeiten schon jetzt Schwestern aus Nigeria an verschiedenen kleinen Konventen in Deutschland, so etwa in Würzburg und Köln. Die Ordensfrauen widmen sich unter anderem der sozialen Arbeit zur Linderung von Armut, sind in der Kranken- und Altenpflege, in der Behindertenbetreuung, aber auch in Kindergärten international tätig. Zu den Aktivitäten gehören zudem die Bildungsarbeit an Schulen und die Gesundheitsfürsorge. Neben ihrem Hauptsitz Nigeria haben sich die Schwestern in anderen afrikanischen Ländern, aber auch in Italien, Frankreich, Großbritannien und in den USA niedergelassen. In Welden sollen sie nun Anfang Juni, wenn alle rechtlichen Fragen geklärt sind, ins Kloster einziehen.
Den acht Schwestern war die Arbeit in Haus und Garten am Ende zu viel
Abschied nehmen heißt es dagegen bereits am 23. März für die acht Schwestern, die zum Orden der „Unbeschuhten Karmelitinnen“ gehören. Zu Ende geht damit eine jahrzehntelange Geschichte des Karmels auf dem Theklaberg, die am 26. Mai 1931 ihren Anfang nahm. „Wir können die Last des Hauses und des Gartens nicht mehr bewältigen“, sagte jüngst Oberin Stephanie. „Wir sind dankbar für die wunderbaren Jahre in Welden und freuen uns jetzt auf unsere neue Heimat im Kloster Himmelspforten in Würzburg.“ Wie eng verbunden die Bevölkerung mit den Karmelitinnen war und noch immer ist, zeigte sich beim feierlichen Abschiedsgottesdienst und dem anschließenden Festakt. Für ihr „segensreiches Wirken“ erhielten die acht Schwestern Stephanie, Andrea, Angelika, Benedikta, Elija, Imelda, Fatima und John Mary die höchste Auszeichnung, die die Gemeinde zu vergeben hat. Sie wurden zu Weldens Ehrenbürgerinnen ernannt.
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