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Kinderarzt gesucht: Praxis zu verschenken

Ärztemangel

Bayerische Kleinstadt verschenkt eine Kinderarzt-Praxis

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    Im Behandlungszimmer steht eine riesige Lokomotive aus Holz.
    Im Behandlungszimmer steht eine riesige Lokomotive aus Holz. Foto: Stadt Moosburg

    Die Botschaften von Kinderarzt Olaf Vorbeck klingen zunehmend verzweifelt. Sein jüngstes Video auf Instagram hat er mit lodernden Flammen unterlegt. Soll heißen: Es brennt. In seinen Beiträgen wendet sich der Mediziner direkt an alle Kinderärztinnen und Kinderärzte. „Die Moosburger Kinder brauchen dich - bitte melde dich!“ Vorbeck schildert die Vorteile für einen niedergelassenen Arzt: keine Nachtdienste, ein frei planbarer Urlaub, flexible Sprechstunden. Und das Beste: „Die Stadt Moosburg schenkt euch eine Praxis - meine Praxis. Komplett eingerichtet!“

    Ursprünglich hatte Vorbeck, der zum Ende des Jahres 2024 in den Ruhestand gegangen ist, seine Räumlichkeiten und medizinischen Geräte für 20.000 Euro Ablöse abgeben wollen. Doch weil der Bedarf an einem Arzt für die Moosburger Kinder so groß ist, hat man sich im Rathaus bereiterklärt, die Summe zu übernehmen. Sogar bei der Wohnungssuche bekäme der oder die Neue Hilfe. Genutzt hat das bisher alles nichts: Die circa 5000 kleinen Patientinnen und Patienten von Olaf Vorbeck stehen ohne Grundversorgung da.

    Kinderarzt gesucht: Fünf Interessenten, aber kein Treffer

    Dabei ist es eine hübsche Praxis, man merkt: Sie wurde mit Liebe eingerichtet. 150 Quadratmeter, schön hell, die Behandlungsliege hat die Form einer überdimensionalen Lokomotive. Nicole Pfanzelt, in Moosburg zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, hat Bilder davon hochgeladen, eine Anzeige im Ärzteblatt geschaltet. „Sollte ein Bewerber oder eine Bewerberin selbst Kinder haben, könnten wir sogar einen Kitaplatz garantieren“, sagt Pfanzelt am Telefon. Und trotzdem: Niemand will die geschenkte Praxis. „In den vergangenen Monaten hatten wir zwar fünf Interessentinnen und Interessenten“, sagt Pfanzelt. Bei einer Ärztin sah es vielversprechend aus, doch sie sei schwanger geworden. Eine andere wollte nur aushelfen. Bei wieder anderen scheiterte es an der Sprachbarriere.

    Dass Moosburg selbst das Problem ist, kann sich Nicole Pfanzelt nicht vorstellen. „Wir haben als Stadt viel zu bieten, sind nah an den Bergen, nah an München, haben alle Schularten, mehr als 150 Vereine.“ Sie könnte noch ewig die Vorteile aufzählen. Trotzdem müssen die jungen Patientinnen und Patienten des pensionierten bisherigen Arztes mit ihren Eltern in die nächstgrößeren Städte, wenn ihnen etwas fehlt oder sie einfach nur eine Routine-Untersuchung brauchen. Pfanzelt glaubt, „dass wir als Stadt einen Spiegel für das vorgehalten bekommen, was in ganz Deutschland passiert: Wir haben einen Mangel an Ärzten, dazu kommt der demografische Wandel, die Bürokratie, mit der man als selbstständiger Arzt beschäftigt ist.“

    Der neue Arzt in Moosburg könnte sofort loslegen

    Der Landkreis Freising steht zwar laut den neuesten Zahlen der Kassenärztlichen Versorgung Bayerns auf dem Papier mit 97 Prozent der notwendigen Kinderarztversorgung noch sehr gut da - anders als etwa die Landkreise Kronach mit knapp 61 und Dingolfing-Landau mit knapp 66 Prozent. Doch wie nahezu überall im Freistaat arbeiten auch hier die Kinderärzte am Limit oder verhängen Aufnahmestopps - nicht zuletzt, weil der Versorgungsaufwand für das einzelne Kind in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen ist.

    „Ich bin selbst Mama“, sagt Nicole Pfanzelt. „Deshalb finde ich es auch so traurig, dass sich niemand findet.“ Sie weiß: Für eine Routineuntersuchung könne man weite Wege schon mal auf sich nehmen. „Aber mit einem Kind mit 40 Grad Fieber eine Dreiviertelstunde nach München fahren? Das geht doch nicht.“ Aber: „Wir haben keinen Trumpf mehr im Ärmel. Wir als Stadt haben alles getan. Ein neuer Kinderarzt müsste nur den Schlüssel in die Praxistür stecken und könnte loslegen.“

    Bewerbung

    Die Stadt Moosburg stellt auf ihrer Internetseite weitere Informationen zur Verfügung. Interessierte Ärztinnen oder Ärzte können sich hier melden.

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