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Kongress am 28. Januar in Augsburg: Safety Camp will Medizin noch sicherer werden

Interview

Wie das „Safety Camp“ die Medizin sicherer machen soll – auch in Augsburg 

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    Kabel, Schläuche und viele Daten: Bei jeder Behandlung können Mediziner viele Informationen gewinnen, künstliche Intelligenz hilft, Schlüsse daraus zu ziehen.
    Kabel, Schläuche und viele Daten: Bei jeder Behandlung können Mediziner viele Informationen gewinnen, künstliche Intelligenz hilft, Schlüsse daraus zu ziehen. Foto: Jörg Carstensen, dpa (Symbolbild)

    Herr Professor Markstaller, Sie sind der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Augsburg und Mitveranstalter des „Safety Camp“ am 28. Januar in Augsburg. Was versprechen Sie sich für die Uniklinik von dem großen Kongress rund um das Thema Sicherheit?
    PROFESSOR KLAUS MARKSTALLER: Die Veranstaltung ist für uns grundsätzlich ein neuer Ansatz, da wir bei diesem Kongress die Medizin, die Industrie und die Politik zu gleichen Teilen zusammenführen. Es geht um Patienten- und Mitarbeitersicherheit, Cybersicherheit, aber auch die Resilienz unseres Gesundheitssystems in einem etwaigen Bündnisfall. Deshalb ist das „Safety Camp“ auch kein klassischer Ärztekongress, sondern eine Veranstaltung, bei der gemeinsame Lösungswege erarbeitet werden. Sicherheit in der Medizin betrifft alle, sie ist ein Grundbedürfnis der Menschen.

    Wo konkret sind die Risiken in der Medizin?
    MARKSTALLER: Wir erleben in der Medizin eine beeindruckend positive Entwicklung im Bereich der Behandlungsmöglichkeiten, basierend auf einem exponentiell zunehmenden Forschungs- und Erkenntnisgewinn. Gleichzeitig nimmt die Komplexität um ein Vielfaches zu und dies wiederum birgt auch Risiken.

    Könnten Sie konkreter werden?
    MARKSTALLER: Nehmen wir an, jemand erkrankt an einem bestimmten Tumor. Früher gab es dann ein paar in Studien belegte Therapiewege und, im besten Falle, wirkten sie. Heute haben wir völlig andere Behandlungsmöglichkeiten, die personalisiert auf die einzelnen Tumorvarianten zugeschnitten sind. Menschen haben heute zwar eine gleichlautende Diagnose, erhalten aber völlig verschiedene Therapien. Praktisch jeder Tumor wird heute interdisziplinär behandelt, das heißt, Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen arbeiten intensiv zusammen. Die Heilungschancen sind damit wesentlich höher. Allerdings steigt mit der Komplexität des Therapieverfahrens auch die Anfälligkeit für Fehler auf den verschiedenen Stufen. Das gilt im Übrigen nicht nur bei der Tumorbehandlung, sondern für nahezu alle Bereiche in der Medizin, wie zum Beispiel auch bei Herzerkrankungen.

    Am 28. Januar findet ein großer Kongress in Augsburg rund um das Thema Sicherheit statt. Der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Augsburg, Professor Klaus Markstaller, erwartet sich konkrete Handlungsfelder von dem Austausch mit Vertretern der Wirtschaft und der Politik.
    Am 28. Januar findet ein großer Kongress in Augsburg rund um das Thema Sicherheit statt. Der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Augsburg, Professor Klaus Markstaller, erwartet sich konkrete Handlungsfelder von dem Austausch mit Vertretern der Wirtschaft und der Politik. Foto: Uniklinikum Augsburg

    Manchen Patienten treibt allein schon die Angst um, das falsche Medikament zu erhalten. Wie wird mehr Sicherheit erreicht?
    MARKSTALLER: Bei der Medikamentengabe, indem beispielsweise mit Barcodes exakt nachgeprüft werden kann, wann und wo das individuell in der Apotheke für den jeweiligen Patienten hergestellte Arzneimittel verabreicht wurde. Längst ist aber auch die KI, also die Künstliche Intelligenz, ein Instrument, das in der Medizin für mehr Patientensicherheit sorgt. Gerade bei uns am Uniklinikum Augsburg bildet die datenbasierte Forschung und Entwicklung von IT-Tools einen Schwerpunkt.

    Wo macht die KI etwas sicherer?
    MARKSTALLER: Zukünftig in sehr vielen Bereichen. Ein gutes Beispiel ist die Intensivmedizin, in der besonders viele Daten gesammelt werden. Hier sind KI-gestützte Programme in Erprobung, die auch datenbasierte Therapievorschläge den Intensivmedizinern machen können. Diese muss man nicht annehmen, aber man kann – schlussendlich entscheidet immer der behandelnde Arzt beziehungsweise die behandelnde Ärztin.

    Was erhoffen Sie sich von Experten und Expertinnen aus der Wirtschaft und der Politik zum Thema Sicherheit?
    MARKSTALLER: Es wird beispielsweise Joe Kiani aus Kalifornien vor Ort in Augsburg sein. Ein Industrieller, der sich seit Langem mit dem Thema Patientensicherheit beschäftigt und der vor allem die Zusammenarbeit der Medizin mit der Wirtschaft vorangetrieben hat und mit diesem Ansatz in den USA große Erfolge erzielt hat. Es hat sich gezeigt, dass der Austausch die Sicherheit deutlich erhöhen kann. Man denke etwa an das Beispiel Cybersicherheit. Das Thema ist für Kliniken elementar, die Bedrohungen nehmen deutlich zu. Die Medizin muss sich hier mit anderen Bereichen vernetzen und austauschen, um besser geschützt zu sein. Und wir sehen den Medizinstandort Augsburg prädestiniert dazu, beim Thema Sicherheit eine Vorreiterrolle einzunehmen.

    Was zeichnet den Standort aus?
    MARKSTALLER: Zum einen, wie gesagt, dass hier an der Universitätsmedizin Augsburg die datenbasierte Forschung und IT-Entwicklung ein Schwerpunkt ist. Zum anderen haben wir hier Unternehmen, mit denen ein Austausch für die Medizin besonders förderlich ist, etwa mit Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt, bei denen Sicherheit ebenfalls oberste Priorität genießt. Wir erwarten uns durch den Kongress konkrete Handlungsfelder für die Medizin.

    Können Sie ein Beispiel nennen?
    MARKSTALLER: Wir wissen beispielsweise, dass in Unternehmen der Luft- und Raumfahrt mit standardisierten Kommunikationswegen die wichtigsten Informationen immer an die entscheidende Stelle kommen. Wir in der Medizin haben auch standardisierte Besprechungen, die Informationsketten könnte man aber noch verbessern.

    Mit Blick auf Krisen und Kriege stellt sich, wie Sie bereits gesagt haben, auch die Frage, wie sicher die Patientenversorgung im so genannten Bündnisfall ist?
    MARKSTALLER: Das ist ein wichtiges Thema. Denn während wir von der Corona-Pandemie, bei der wir ja zeitweilig sehr viel mehr Patientinnen und Patienten gerade in der Intensivmedizin versorgen mussten, völlig überrascht wurden, wäre ein Bündnisfall angesichts der derzeitigen geopolitischen Lagen keine Überraschung mehr. Doch klar ist: Kein Krankenhaus in Deutschland wäre auf so einen Fall gut vorbereitet. Ich finde aber, wir haben die Pflicht, uns jetzt professionell darauf vorzubereiten. Zum einen, um möglichst viele Betroffene aus Krisengebieten dann behandeln zu können, aber auch, um alle anderen Menschen weiterhin bestmöglich medizinisch versorgen zu können.

    Gleichzeitig soll auch im Gesundheitssystem gespart werden, geschieht dies nicht auf Kosten der Patientensicherheit?
    MARKSTALLER: Das sehe ich nicht so. Wir haben insgesamt ein sehr gut aufgestelltes Gesundheitssystem. Sicher, Patientensicherheit kostet auch Geld, aber die Vermeidung von Komplikationen birgt für das Gesundheitssystem sogar ein sehr hohes Einsparpotenzial.

    Das „Safety Camp“ findet am 28. Januar in Augsburg im Kongress am Park statt. Veranstalter sind die Augsburger Allgemeine und das Universitätsklinikum Augsburg. Weitere Informationen unter www.safety-camp.de

    Zur Person:

    Professor Klaus Markstaller, 56, ist seit 2023 Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Augsburg. Vorher leitete er die Klinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie an der Medizinischen Uni Wien/AKH Wien.

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