Trotz deutlich mehr Neueinstellungen von Lehrkräften zum neuen Schuljahr könnte sich der Lehrermangel an Bayerns Schulen erneut zuspitzen. Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) räumt ein: „Der Lehrkräftemangel ist und bleibt an den meisten Schulen eine große Herausforderung“. Auch wenn sie beteuert, dass der Pflichtunterricht in den bayerischen Klassenzimmern im neuen Schuljahr „insgesamt sichergestellt“ sei.
Insgesamt 4.200 Lehrkräfte hat der Freistaat diesen Sommer neu eingestellt – rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Neben dem Ersatz von pensionierten Pädagogen wurden damit 1.300 Vollzeitstellen zusätzlich geschaffen – vor allem um den deutlichen Anstieg an Schülerinnen und Schülern um gut 46.000 auf rund 1,76 Millionen aufzufangen. Hauptgrund hier ist die zusätzliche 13. Jahrgangsstufe in den Gymnasien, die in diesem Schuljahr erstmals eingeführt wird. Allein an den 439 Gymnasien in Bayern steigt damit die Schülerzahl um knapp 30.000 Jungen und Mädchen. Aber auch an Grund- und Mittelschulen wächst die Schülerzahl im Vergleich zum Vorjahr deutlich.
Nur die Hälfte der versprochenen 6000 neuen Lehrer-Stellen sind bereits geschaffen
Verschärfen könnte sich der Lehrkräftemangel bereits im kommenden Schuljahr, sollte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an dem für 2026 verkündeten Stellen-Stopp im öffentlichen Dienst auch an den Schulen festhalten. Denn von den von Söders Staatsregierung bis 2028 versprochenen 6.000 zusätzlichen Lehrerstellen sind dem Vernehmen nach seit 2023 nur rund die Hälfte bereits geschaffen worden.
Ein Stellen-Stopp an den Schulen im kommenden Jahr sei „unter den aktuell schwierigen Bedingungen der Unterrichtsversorgung absolut kontraproduktiv“, warnt hingegen die Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Lehrerverbände (abl): „Die Abdeckung des Grundbedarfs an Lehrkräften muss weiterhin für alle Schularten zuverlässig gesichert bleiben“, fordert die abl.
Ob es ab 2026 weitere neue Lehrerstellen geben wird, hänge von den anstehenden Haushaltsverhandlungen ab, sagte Ministerin Stolz auf einer Pressekonferenz in München: „Und da werde ich mich natürlich mit aller Kraft auch weiterhin für unsere Schulen einsetzen.“ Insgesamt sei man bei der Lehrkräfteversorgung in Bayern jedoch „auf einem guten Weg“, beteuert die Ministerin.
Söder hatte zuletzt wiederholt bekräftigt, die explodierenden Personalkosten in Bayern eindämmen zu wollen. Gleichzeitig will der Ministerpräsident die hohe Teilzeitquote im öffentlichen Dienst senken – eventuell auch mit einer Einschränkung der beamtenrechtlichen Teilzeit-Möglichkeiten.
Kultusministerin Stolz will keinen Zwang zur Mehrarbeit für Teilzeit-Lehrer
Kultusministerin Stolz will jedoch auf Zwang zur Mehrarbeit von Teilzeit-Lehrkräften möglichst verzichten – trotz einer hohen Teilzeitquote von aktuell über 53 Prozent in allen Schularten: „Ich setze auf Freiwilligkeit, ich möchte zum Aufstocken motivieren“, beteuert sie. Helfen soll dabei auch eine verstärkte Entlastung der Lehrkräfte von Bürokratie oder Dokumentationspflichten.
Eine im Frühjahr gestartete Kampagne zur freiwilligen Teilzeit-Aufstockung an Gymnasien sei jedenfalls erfolgreich gewesen, berichtet Stolz: Anhand der bisher vorliegenden Zahlen sei das angestrebte Ziel, den sprunghaften Schülerzuwachs durch das nun neunstufige Gymnasium aufzufangen, erreicht worden.
Dass sie auch in den kommenden Jahren auf dienstrechtliche Maßnahmen mit Blick auf die Teilzeit verzichten kann, will Stolz nicht zusichern: Hauptziel der Personalpolitik an den Schulen müsse die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung in ganz Bayern sein, bekräftigte sie: „Wir müssen deshalb immer wieder neu entscheiden, welche Maßnahmen dafür nötig sind.“
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