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Pfarrer Rainer-Maria Schießler bei „Jetzt red i“ in Friedberg: Fallen wir vom Glauben ab?

Friedberg

Pfarrer Schießler: „Kirche wäre jetzt die ganz große Chance gegen Radikalisierung“

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    Pfarrer Rainer Maria Schießler und Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, diskutierten in der BR-Sendung „Jetzt red i“ darüber, wie die Kirche wieder attraktiver werden kann.
    Pfarrer Rainer Maria Schießler und Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, diskutierten in der BR-Sendung „Jetzt red i“ darüber, wie die Kirche wieder attraktiver werden kann. Foto: Anja Volkwein

    Am Wochenende ist Ostern – einer der wenigen Anlässe, zu denen Kirchen gut gefüllt sind. Ein Blick über die Oster- und Weihnachtsfeiertage hinaus zeigt: Immer weniger Menschen besuchen regelmäßig einen Gottesdienst. In Bayern sind im vergangenen Jahr über 80.000 Menschen aus der Kirche ausgetreten. In der BR-Sendung „Jetzt red i“ traten am Mittwoch in Friedberg zwei Menschen auf, die sich seit Jahren mit der Zukunft der Kirche beschäftigen: der bekannte Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler und Anna-Nicole Heinrich, die Präsidentin der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage: „Fallen wir vom Glauben ab?“

    Schießler und Heinrich stellten sich in der Debatte den Fragen der Moderatoren und des Publikums und gingen in direkten Austausch. Beide vermittelten Hoffnung und Zuversicht für die Kirche, benannten aber auch unmissverständlich, was sich ändern muss, damit die Institution Menschen wieder stärker erreichen kann.

    Rainer Maria Schießler plädiert für ein Miteinander: „Diese Zeit der Abwertung ist vorbei“

    Eine Chance, die Kirche wieder attraktiver zu machen, sei es, als Christen zusammenzuwirken, betonte Rainer Maria Schießler. Er komme noch aus einer Zeit, in der evangelische Christen abgewertet wurden. „Da hieß es, die glauben falsch“, berichtete Schießler. Das sei mittlerweile vorbei. Vielmehr müssten sich die Christen gemeinsam an einen Tisch setzen und sich auf Kernfelder konzentrieren. Er verwies dabei immer wieder auf die Aussage des neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer: „Wir müssen hingehen, suchen, zuhören und dann gemeinsam weitergehen.“ Die Kirche müsse nicht für alles eine Erklärung haben und nicht alles wissen, aber Wege finden, Menschen für Gott zu interessieren. Diese Wege könnten ganz unterschiedlich sein, sagte der für seine unkonventionelle Art bekannte Pfarrer, der regelmäßig Tiergottesdienste abhält und neben Autos, Fahrrädern und Rollern auch schon mal Bobbycars segnet.

    Pfarrer Rainer Maria Schießler (rechts) im Gespräch mit den Besuchern und Besucherinnen in Friedberg nach der Sendung.
    Pfarrer Rainer Maria Schießler (rechts) im Gespräch mit den Besuchern und Besucherinnen in Friedberg nach der Sendung. Foto: Anja Volkwein

    Anna-Nicole Heinrich: Die Kirche muss junge Menschen über das Internet erreichen

    Auch Anna-Nicole Heinrich plädiert dafür, Gemeinschaft und gelebten Glauben breiter zu denken. „Es geht nicht nur um die Gottesdienstbesuche“, sagte sie. Dazu gehöre auch, Zeit miteinander zu verbringen, junge Menschen in Umbruchsituationen zu begleiten und Räume zu öffnen, in denen Konsum keine Rolle spielt. Eine Schlüsselrolle spiele dabei das Internet, so Heinrich. „Unser gesamtes Leben beginnt im digitalen Raum.“ Wenn die Kirche dort nicht präsent sei, erreiche sie junge Menschen kaum.

    Rainer Maria Schießler ruft zur Veränderung auf: „Die Kirche muss ihren Reformstau ablegen“

    Während die Gesellschaft zunehmend auseinanderdriftet, sieht Rainer Maria Schießler für die Kirche die Möglichkeit, verbindend zu wirken: „Kirche wäre jetzt die ganz große Chance gegen Radikalisierung in der Gesellschaft, gegen Vereinzelung, gegen Mobbing.“ Das funktioniere aber nur, wenn der Reformstau innerhalb der Institution gebrochen würde. Als zentrale Punkte nannte er die Rolle der Frauen, den Zwangszölibat und die Mahlgemeinschaft, also das gemeinsame Feiern der Eucharistie.

    Die Kritik aus dem Publikum und aus den Zuschriften, die Kirche sei zu politisch und verliere ihren Kern, wies Schießler jedoch zurück: „Kirche macht nicht Politik, aber sie ist politisch – genauso wie Jesus.“ Dennoch betonte er: Wer in die Kirche komme, werde nicht nach dem Ausweis gefragt und auch nicht nach der Parteizugehörigkeit.

    Gleichzeitig sei die Kirche nie „fertig“, sondern unterliege einem stetigen Prozess. So sei es zum Glück mittlerweile Konsens, dass der Glaube des Einzelnen nicht mit dem Kirchgang zusammenhänge. „Wir würden nie jemanden verurteilen, der die Kirche verlässt, und sagen, der glaubt nichts mehr.“ Der Pfarrer warnte davor, einen Kirchenaustritt mit Glaubensverlust gleichzusetzen. Deshalb sei es wichtig, sich auf Augenhöhe mit den Menschen zu begeben.

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