Als Wackelkontakt hat man bis zum vergangenen Jahr noch ausnahmslos eine Stelle bezeichnet, deretwegen ein elektrischer Stromkreis unbeabsichtigt zeitweise unterbrochen wird. Inzwischen ist diese Definition zwar nicht hinfällig, aber muss deutlich erweitert werden. Denn ein ganz spezieller „Wackelkontakt“ hat 2025 seinen Siegeszug durch die Hitparaden angetreten – und ist jetzt auf dem Gipfel angekommen. Der gleichnamige Song des Tegernseer Liedermachers Beni Hafner (33), der seit Jahren unter dem Künstlernamen Oimara auf deutschsprachigen Bühnen unterwegs ist, ist der Ohrwurm des Jahres.
Egal, auf welcher Feier – überall in Mitsingdeutschland hat „Wackelkontakt“ die etablierte Konkurrenz aus dem Weg geräumt. Und nicht nur das: Es ist das erste Mal seit 44 Jahren (damals war es „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang), dass ein Lied in bayerischer Mundart die Spitze der deutschen Charts erreichte, was übrigens auch als großer Erfolg für die bayerische Musikszene gilt, die so lebendig ist wie nie. „Wackelkontakt“ wurde sogar Hit des Jahres – der erste aus Bayern seit 1999 (Lou Bega mit „Mambo No. 5“).
Inzwischen gilt der Oimara als Künstler der Stunde
Noch erstaunlicher wird dieser Erfolg, wenn man sieht, wen der Oimara alles hinter sich gelassen hat: Auf Platz zwei folgt nämlich erst „Apt.“ von Rose & Bruno Mars. Platz drei geht an den wunderbaren Song „Tau mich auf“ von Zartmann.
Seinen ersten größeren Erfolg hatte Hafner – seine Eltern bewirtschaften die Hafner-Alm oberhalb des Tegernsees – schon vor Jahren mit dem Handyvideo zu Bierle in da Sun, das 1,4 Millionen Mal aufgerufen wurde und das Lebensgefühl der Landjugend widerspiegelte. 2018 erschien das Album mit dem gleichnamigen Titel. Der Liedermacher galt bis dahin als einer von vielen talentierten Nachwuchskünstlern, aber eben nicht als Überflieger.
Inzwischen ist er der Künstler der Stunde: moderner Gstanzlsinger, Improvisationstalent und vielleicht auch ein wenig Rockstar. Mehr als 180 Millionen Mal wurde „Wackelkontakt“ bisher gestreamt. In dem extrem mitsingtauglichen Stück spielt Hafner humorvoll und selbstironisch mit Metaphern aus der Elektrik, um das Auf und Ab in Beziehungen oder das eigene Lebensgefühl zu beschreiben.
Dass der Oimara alias Beni Hafner überhaupt auf die Idee kam, seine Musik einem Publikum vorzustellen, hat er auch der Hartnäckigkeit seines Vaters zu verdanken
Es geht darin um „Spannungsüberschreitungen“ und es wird sogar auf Herausforderungen des Lebens wie die Wehrdienst-Debatte angespielt. Am Ende betont Hafner auch die Wichtigkeit von Kommunikation und gegenseitigem Verständnis. Das Ganze ist also nicht nur gaga – wie viele andere Partysongs.
Und so singen selbst in den Niederlanden, in Dänemark und Luxemburg die Menschen entrückt: „Wär ich ein Möbelstück, dann wär ich eine Lampe aus den Siebzigern. I glüh gern vor, i geh gern aus, mir hauts die Sicherungen raus.“
Dass Beni Hafner überhaupt auf die Idee kam, seine Musik einem Publikum vorzustellen, hat er auch der Hartnäckigkeit seines Vaters zu verdanken. „Früher habe ich mich nicht getraut, vor anderen zu spielen, habe immer nur in meinem Zimmer gespielt. Aber als ich so Mitte zwanzig war, hat mein Vater immer wieder gesagt: Jetzt komm halt mal runter, da ist jemand, der gar nicht so unwichtig ist, spiel halt mal was!“, erzählte er einmal der Münchner Abendzeitung.
Allerdings hat der überwältigende Erfolg des Oimara offenbar auch seine Schattenseiten
Zuvor war er mit 17 Jahren kurzzeitig nach Mallorca ausgewandert, um dort als Koch zu arbeiten. Auch Hotelmanagement studierte er. Aber sein Weg ist inzwischen ein anderer. Denn musikalisch hat er die elterliche Wirtsstube natürlich längst verlassen und kontinuierlich weiter an der Karriere gebastelt. Der Oimara entwickelte sich vom Geheimtipp zum Trendsetter. Im Herbst spielte er bereits im ausverkauften Münchner Circus Krone. Kurz darauf begann der Wahnsinn. DJs entdeckten das Happy-Potenzial des Stücks, plötzlich waren die Tanzflächen in den Après-Skihütten überfüllt, und in den riesigen Bierburgen auf der Wiesn rasteten die Massen aus.
Allerdings hat der überwältigende Erfolg offenbar auch seine Schattenseiten. Hafner selbst hat es in einem seiner neueren Stücke „Kunst“ selbstironisch thematisiert. Denn inzwischen ist der Rummel um den Oimara sehr groß geworden. Sogar schon auf der berüchtigten Vergnügungsmeile Ballermann auf Mallorca musste oder durfte er mit dem „Wackelkontakt“ ran.
Aktuell ist der Künstler nach Angaben seines Managements so stark beschäftigt, dass er keine Zeit für ein Gespräch hat. Vielleicht lag es auch nur an einem technischen Wackelkontakt.
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