Solides Geschäft, solide Kassenlage, solide ins Jahr gestartet – gleich dreimal hat die BayWa in ihrem neuesten Finanzbericht diese Woche betont, wie solide man dastehe. Doch der krisengebeutelte Agrarhandelskonzern ist noch einmal auf kostspielige Hilfen angewiesen. Nach Informationen unserer Redaktion sollen die Banken und weitere Geldgeber auf die Rückzahlung von Krediten in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro verzichten. Und die beiden großen Aktionärsgruppen, darunter die bayerischen Raiffeisen- und Volksbanken, sollen insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag an zusätzlichem Kapital bereitstellen.
Eine Insolvenz der „Bayerischen Warenvermittlung“, so der volle Name, könnte Tausende Arbeitsplätze kosten. Die BayWa beliefert seit ihrer Gründung im Jahr 1923 viele Bauern mit Maschinen, Saatgut und Dünger und ist gleichzeitig ein Großabnehmer für deren Erzeugnisse. In vielen Gemeinden und Städten gehören die Lagerhäuser der BayWa zum Ortsbild. In den vergangenen Jahrzehnten kamen viele Baumärkte und weitere Geschäftsfelder hinzu.
Die internationale Expansion wurde zum Fiasko für die BayWa
Auch international expandierte der Konzern kräftig, übernahm sich aber dabei und geriet 2024 in Schieflage. Bereits damals ließ sich die Pleite nur mit einer teuren Hilfsaktion der Hausbanken und beider Hauptaktionäre abwenden. Seitdem hangelt sich die BayWa bei den großen Banken von einem Stillhalteabkommen zum nächsten.
Über die neue Rettungsaktion wird in diesen Tagen intensiv verhandelt. Kenner der Gespräche beschreiben den Stand wie folgt: Mit und unter den fünf großen Hausbanken werde seit Mitte Mai hart gerungen. Das seien die Deutsche Bank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die Unicredit (Muttergesellschaft der Hypovereinsbank), die Commerzbank und die DZ Bank. Letztere ist das führende Geldinstitut im Raiffeisen-Genossenschaftswesen in Deutschland, das mit der BayWa eng verwoben ist.
Die Hausbanken seien nur dann bereit, die BayWa weiter zu unterstützen, wenn zugleich ein starkes Signal von den beiden großen Aktionärsgruppen komme, heißt es. Also von den bayerischen Raiffeisen- und Volksbanken und einer österreichischen Raiffeisengesellschaft, die zusammen Mehrheitseigner der BayWa sind. Diese beiden wiederum pochen demnach auf umfassende Hilfen der Banken. Es werde heftig gefeilscht und gepokert.
Der BayWa läuft die Zeit davon
Der BayWa läuft die Zeit davon. Bis zum 30. Juni soll eine grundsätzliche Einigung erzielt werden, erfuhr unsere Redaktion. Dann hätte das Unternehmen Zeit, um bis zum Herbst alle weiteren rund 300 Gläubiger einzubinden, bevor das neueste Stillhalteabkommen mit den Banken ausläuft. Die BayWa erklärte auf Anfrage, man könne „die laufenden Verhandlungen leider nicht kommentieren“, sei aber „weiterhin zuversichtlich, dass es gelingen wird, die BayWa AG erfolgreich zu sanieren.“
Das neue Finanzloch geht auf die Energietochter BayWa r.e. zurück, die in der Solar- und Windkraftbranche agiert und deren Geschäfte schlechter laufen als geplant. Der Verkauf der BayWa r.e. sollte ursprünglich 1, 7 Milliarden Euro bringen. Das hätte entscheidend zum Schuldenabbau beigetragen. Nunmehr wird in Konzernkreisen und bei den großen Hausbanken jedoch damit gerechnet, dass der Verkaufserlös im schlechtesten Fall eine Milliarde Euro niedriger ausfällt. Dieses Loch kann die BayWa nicht aus eigener Kraft stopfen. Andererseits wäre der Konzern über eine Trennung von der Energietochter sehr froh, sagen Insider. Dann könne man sich wieder auf das profitable Kerngeschäft konzentrieren: den Agrarhandel.
Viele BayWa-Immobilien gehören eigentlich den Banken
Die wichtigsten Banken haben sich nach und nach den Zugriff auf zahlreiche BayWa-Immobilien gesichert. Bei Liegenschaften in Bayern sind Grundschulden in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro zugunsten der DZ Bank eingetragen, sie soll hier für alle großen Hausbanken agiert haben. Mit den Grundschulden sind quer durch Bayern viele BayWa-Standorte gewissermaßen verpfändet. Grundbuchauszügen zufolge gilt das für Schwabmünchen genauso wie für Lauingen, für Dasing ebenso wie für Kitzingen und viele, viele weitere Standorte.
Im Falle einer Insolvenz der BayWa müssten die Banken diese Immobilien veräußern, um ihre Kreditverluste zu verringern. Ob das rasch in großem Stil gelänge, ist fraglich. Ein Insolvenzverwalter könnte versuchen, den Geschäftsbetrieb frei von Altschulden fortzusetzen. Doch Lieferanten könnten sich angesichts der unsicheren Lage zurückziehen. Das gilt auch für die Kundschaft. Das Geld der Gläubiger wäre erst einmal weg. Am schlimmsten träfe es aber die Beschäftigten, die mit einem teilweisen Verzicht auf das Weihnachtsgeld und auf Lohn- und Gehaltserhöhungen bereits 40 Millionen Euro zur Sanierung beigesteuert hatten.
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