Wie sich die Maschinenbau-Firma Scheppach aus Ichenhausen komplett neu erfinden musste
Bayerns Mutmacher
Rasenmäher oder Kreissäge: Dieses Unternehmen aus der Region kennt jeder Hobby-Handwerker
Foto: Scheppach GmbH/Bernhard Weizenegger
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Rasenmäher oder Kreissäge: Dieses Unternehmen aus der Region kennt jeder Hobby-Handwerker
Scheppach aus Ichenhausen versorgt Bau- und Supermärkte mit Rasenmähern, Kleinbaggern und jeder Menge anderen Geräten. Das Unternehmen musste sich aber komplett neu erfinden.
Der Frühling ist die Zeit der Hobby-Gärtner und Heimwerker. Nach jedem Regenguss sprießt der Rasen, Hecken müssen zugeschnitten werden, das neue Brennholz wird eingelagert. Zur Hand gehen dabei heute allerlei elektrische oder motorbetriebene Geräte. Blickt man in das eigene Gartenhäuschen oder in den Keller, ist die Wahrscheinlichkeit groß, auf Produkte eines Familienunternehmens zu stoßen, das in Ichenhausen im Kreis Günzburg seinen Sitz hat. Rund 600 Maschinen hat die Firma Scheppach aktuell im Angebot. Das Unternehmen blickt auf fast 100 Jahre Geschichte zurück. In den letzten zwanzig Jahren hat es einen rasanten Aufschwung erlebt. Und einige Geräte werden noch immer am Stammsitz gefertigt – „Made in Germany“.
Die Geschichte begann im Jahr 1927 in Niederraunau bei Krumbach, als der Schreiner Josef Scheppach – Vater von neun Kindern – begann, Landmaschinen zu reparieren und Brennholzkreissägen und Schrotmühlen herzustellen. Die wirtschaftlichen Bedingungen in der Weimarer Republik waren nicht einfach, noch weniger war aber absehbar, dass aus dem Betrieb eines Tages ein international tätiges Unternehmen entstehen würde, das über 400 Millionen Euro Umsatz macht und heute 430 Mitarbeiter beschäftigt. Einige Produkte werden noch immer in Schwaben hergestellt – zum Beispiel die Brennholzkreissäge. Darauf sind Inhaber Ernst Pfaff und die Geschäftsführer Stephan W. Müller und Serdar Eraslan stolz. Denn selbstverständlich ist eine Produktion in Deutschland heute nicht mehr.
Das Unternehmen musste sich komplett neu erfinden.Foto: Scheppach GmbH
Scheppach stellt seine Kreissägen noch in Ichenhausen her
Ernst Pfaff und Stephan W. Müller begrüßen den Besucher in einer der mächtigen Hallen am Ortseingang. Ein kinderzimmergroßes Gerät setzt sich in Bewegung. Saugnäpfe heben eine große Blechplatte an, legen sie unter die Maschine. Binnen Sekunden stanzt die Maschine Teile aus, dann durchschneidet ein Laserstrahl das Metall wie Butter, weitere Komponenten entstehen. Rund 1,5 Millionen Euro hat das Unternehmen jüngst in die Laserstanze investiert – eine Investition, die sich auszahlen wird, ist Ernst Pfaff überzeugt. „Die Maschine erledigt viele kleine Arbeitsschritte auf einmal“, sagt er. Die Teile aus der Laserstanze werden später abgekantet, Roboterarme schweißen sie zusammen, eine automatische Beschichtungsanlage überzieht sie mit Pulver, das im Ofen zu schützendem Lack schmilzt. An der letzten Station verschraubt das Team das Untergestell mit einer Wippe, ein zackiges Sägeblatt eingebaut, fertig ist die Wippkreissäge, wie sie Waldbesitzer gerne zum Brennholzmachen nutzen. Rund 5000 Kreissägen baut Scheppach pro Jahr. Etwa 30 Mitarbeiter sind in der Produktion beschäftigt. Selbstverständlich ist dies in Deutschland heute längst nicht mehr.
Die Scheppach GmbH in Ichenhausen (Kreis Günzburg) produziert und handelt mit Holzbearbeitungsmaschinen. Die Produktpalette umfasst aber auch zahlreiche andere Geräte für den Hand- und Heimwerkerbedarf.Foto: Bernhard Weizenegger
„In diesem Segment sind wir die Einzigen, die noch in Deutschland produzieren“, sagt Müller. Dass es trotzdem rentabel ist, hat das Unternehmen gut durchgerechnet: „Waldbesitzer legen viel Wert auf Stabilität und Qualität“, sagt er. Dazu kommt, dass Kreissägen recht sperrige Geräte sind. In Schiffscontainern brauchen sie viel Platz, die Frachtkosten aber steigen. „Deshalb rechnet es sich, die Geräte in Deutschland herzustellen.“ Bis zu 300 Menschen waren einst in der Produktion beschäftigt. Im Jahr 1961 war das Unternehmen von Krumbach nach Ichenhausen gezogen, in den 70er-Jahren konzentrierte es sich auf Holzbearbeitungsmaschinen und machte gerade nach der Wiedervereinigung gute Geschäfte. Im Jahr 1997 übernahm Ernst Pfaff – ein gelernter Volkswirt – das Unternehmen. Seiner Familie gehörte einst der Spezialist für Hebezeuge Pfaff Silberblau, der inzwischen an die Columbus McKinnon Corporation verkauft worden ist. „Ich war aber zu jung, um nichts zu tun“, sagt Pfaff heute schmunzelnd. Doch Ende der 90er-Jahre kamen immer mehr günstigere Produkte aus dem Ausland. Die Produktion in Deutschland geriet unter Druck, Scheppach war „sanierungsreif“.
Neubeginn bei Scheppach im Jahr 2001 mit Fokus auf Handel und Service
Pfaff stellt das Unternehmen nach einer Insolvenz im Jahr 2001 komplett neu auf. „Hatten wir bis dahin alles selbst produziert, haben wir erkannt, dass aus uns ein vertriebs- und serviceorientiertes Handelsunternehmen werden muss.“ Der größte Teil der Produkte kommt fortan aus Fernost. „Im Laufe der Zeit haben wir festgestellt, dass ein Produkt, wenn es in China hergestellt wird und nicht in Deutschland, nicht nur wesentlich günstiger wird, man kann auch 100-mal mehr verkaufen“, sagt er. Die Qualität aber darf nicht leiden.
Bei Scheppach in Ichenhausen werden nach wie vor Kreissägen gefertigt.Foto: Bernhard Weizenegger
„Wir haben in China 45 Mitarbeiter, die sich allein mit Qualitätssicherung und Zertifizierung beschäftigen“, sagt Müller. „Kein Produkt geht aus China heraus, ohne dass es kontrolliert wird.“ War die Marke Scheppach früher vor allem im Fachhandel vertreten, erschloss sich das Unternehmen zunächst mit der Marke Woodster die Baumärkte. Mit diesen beiden Schritten legten die Schwaben die Basis für ein rasantes Wachstum.
Firma Scheppach: vom Kleinbagger bis zur batteriebetriebenen Bohrmaschine
Eine eigene Halle in Ichenhausen präsentiert die heutige Scheppach-Produktwelt. Dort finden sich für rund 5000 Euro Kleinbagger für den ambitionierten Eigenheimbesitzer, der seine Terrasse erneuert oder einen Gartenteich aushebt. Es gibt Aufsitzrasenmäher, die in Frankreich beliebt sind, wo die Grundstücke größer sind. Zu den Top-Sellern gehören auch Hochdruckreiniger und Generatoren, die dem Unternehmen in der Energiekrise nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs förmlich aus der Hand gerissen wurden. Es gibt Kompressoren, Häcksler, Motorsägen, Winkelschleifer und mehr. Mehr als 100 Scheppach-Geräte sind inzwischen batteriebetrieben, Scheppach-Chef Müller sieht darin großes Potenzial. „Wir werden unsere 20-Volt-Serie noch wesentlich ausbauen“, sagt er.
Die Scheppach GmbH hat zuletzt in eine große Laserstanze investiert.Foto: Bernhard Weizenegger
Ein großer Teil der Ware wird im Scheppach-Logistikzentrum in Günzburg ausgeliefert. 21.000 Quadratmeter Nutzfläche bieten dort Platz für 20.000 Paletten. Zusammen mit Partnern kommt Scheppach auf aktuell 82.000 Palettenplätze. Zweimal war Scheppach auf der Liste von „Bayerns Best 50“ dabei. „Wir gehören zu den wachstumsstärksten Unternehmen im Freistaat“, sagt Müller stolz. Den Umsatz des Geschäftsjahres 2003/04 von 14 Millionen Euro erwirtschaftet Scheppach heute in einer starken Woche. Im Geschäftsjahr 2024/25 waren es 385 Millionen Euro, dieses Jahr soll die 410-Millionen-Euro-Schwelle überschritten werden. Das Geheimnis des Erfolges: ein starker Vertrieb unter der Leitung des Geschäftsführers Serdar Eraslan und ein umfangreicher Service.
Scheppach hat 26.000 Ersatzteile auf Lager
In Ichenhausen wird gerade ein Rasenmäher auf die Werkbank gehoben. Rund 80 Mitarbeiter sind bei Scheppach im Service tätig, davon 15 in der Reparatur. Springt ein Mäher nicht an oder klemmt der Holzspalter, können Kunden die Geräte einschicken und reparieren lassen. „Dies ist für uns auch eine Frage der Nachhaltigkeit“, sagt Müller. In der Halle auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegen 26.000 Ersatzteile auf Lager. In Europa gibt es 50 Servicepartner. Mit diesem Rezept will Scheppach seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben: „Wir wollen unsere Präsenz auf den europäischen Nachbarmärkten ausbauen und neue Tochtergesellschaften gründen“, ergänzt Eraslan.
Das Unternehmen liegt gleich am Ortseingang von Ichenhausen.Foto: Bernhard Weizenegger
Die derzeitige schwierige wirtschaftliche Lage schreckt Scheppach nicht ab: „Wir haben einen guten Kapitalstock, um durch schwierige Zeiten zu kommen“, so Müller. Seit 2002 habe es kein Verlustjahr mehr gegeben. Mehr als zehn Prozent der Gewinne habe das Unternehmen nie ausgeschüttet, sondern stets reinvestiert. Mitarbeiter sucht „der Scheppach“, wie das Unternehmen hier gerne genannt wird, weiterhin. Häufig haben schon die Eltern der Beschäftigten hier gearbeitet.
Scheppach soll ein Familienunternehmen bleiben
Ein Familienunternehmen soll Scheppach bleiben. Neben Ernst Pfaff, 71, führen Stephan Müller und Serdar Eraslan als angestellte Manager die Geschäfte. Die Familie Pfaff behält die Anteile am Unternehmen. „Wir wollen, dass Scheppach weiter in Familienhand bleibt“, sagt Pfaff. „Es ist alles geregelt.“
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