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Kommentar: Frauen sollen mehr Kinder bekommen? Hört auf, sie zu benachteiligen!

Kommentar

Wer will, dass Frauen mehr Kinder bekommen, muss aufhören, sie systematisch zu benachteiligen

Sonja Dürr
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    In Deutschland bekommen Frauen immer weniger Kinder. Zuletzt lag die Quote bei 1,35 Kinder je Frau.
    In Deutschland bekommen Frauen immer weniger Kinder. Zuletzt lag die Quote bei 1,35 Kinder je Frau. Foto: Patrick Pleul, dpa

    Es ist der Tag der selbst gemalten Bilder, der aufgesagten Gedichte und der Blumensträuße. Auch, wenn man all den Kommerz kritisieren kann: Der Muttertag ist wichtig. Ein Mal im Jahr innezuhalten und der Mama bewusst Danke zu sagen für ihre Anstrengungen und ihre Geduld, für ihre Liebe und ihre Zeit, das ist kein Festhalten an veralteten Bräuchen. Was (vor allem) Mütter jeden Tag leisten, im Großen wie im Kleinen, muss honoriert werden. Und Mütter selbst wissen: Es gibt wohl nichts Schöneres auf der Welt, als Kinder zu haben – und zugleich nichts Anstrengenderes.

    Tatsächlich entscheiden sich Frauen immer seltener dafür, Kinder zu bekommen. 654.300 Babys kamen 2025 in Deutschland zur Welt. Damit ist die Geburtenzahl so niedrig wie nie im Nachkriegsdeutschland. Auch in Bayern ist vom kurz anhaltenden Babyboom der Coronajahre 2020/21 nichts mehr übrig. Im vergangenen Jahr wurden im Freistaat so wenig Kinder geboren wie zuletzt vor 13 Jahren.

    Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, ist eine höchst persönliche

    Die historisch niedrigen Geburtenzahlen müssen alarmieren, schon allein mit Blick auf die deutschen Renten- und Sozialsysteme. Sie abzutun mit dem Verweis, dass dies auch in anderen Ländern Europas der Fall ist, greift zu kurz. Ebenso wie das Argument, dass ein Grund für die wenigen Geburten nun einmal darin liegt, dass die zahlenmäßigen kleinen Jahrgänge, die jetzt in das klassische Alter der Familiengründung kommen, eben zwangsläufig weniger Kinder bekommen.

    Natürlich taugen auch die sich aneinanderreihenden Krisen, Kriege und anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit sowie die allgemeine Zukunftsangst als Erklärungsversuche. Ebenso wie die höhere Bildung und bessere Karrierechancen von Frauen oder die Tatsache, dass Ehen immer später geschlossen werden. Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, ist eine höchst persönliche. Tatsächlich aber zeigen Studien, dass der Kinderwunsch bei jungen Menschen unverändert groß ist, aber seltener verwirklicht wird.

    Mütter leisten weiterhin den Großteil der Sorgearbeit

    Das liegt auch am gesellschaftlichen Klima, das es Familien – und damit vor allem Frauen – nach wie vor schwer macht. Die schwarz-rote Bundesregierung mag sich zwar Familienfreundlichkeit in den Koalitionsvertrag geschrieben haben, will aber gerade in diesem Bereich kürzen, etwa bei der beitragsfreien Familienversicherung für Ehepartner oder beim Elterngeld, das seit 19 Jahren nicht erhöht wurde. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz offen gegen die Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance wettert, verkennt er die Realität vieler Eltern, die sich zwischen Job, Kinderbetreuung und Haushalt zerreiben.

    Wer erreichen will, dass sich mehr Paare für Nachwuchs entscheiden, muss die strukturellen Ursachen angehen. Die Tatsache etwa, dass die Entscheidung für Kinder noch immer mit Nachteilen für Frauen einhergeht. Mütter übernehmen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, sie arbeiten und verdienen dadurch weniger, können zwangsläufig weniger fürs Alter vorsorgen und sind wirtschaftlich abhängiger. Es braucht eine Familienpolitik, die Paaren verlässliche Rahmenbedingungen schafft.

    Familien brauchen bezahlbare Kita- und Hortplätze

    Natürlich geht es um bezahlbare Kita- und Hortplätze, um verlässliche Betreuungszeiten, um die viel beschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ebenso geht es um Arbeitszeiten, die zum Leben von Familien passen, und Wohnraum, den man sich auch mit zwei Kindern leisten kann. Vor allem aber sind die Männer gefordert, sich nicht nur in Erziehung und Haushalt einzubringen, sondern echte Gleichberechtigung zu leben. Das wäre ein wirklich wertvolles Geschenk zum Muttertag.

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