Auf dem Königsplatz in Augsburg herrschte am Freitag in drei Punkten Einigkeit. Erstens: Die junge Generation fühlt sich von der Regierung in der Wehrdienst-Debatte ausgeschlossen, obwohl sie diese direkt betrifft. Zweitens: Statt in Aufrüstung solle das Geld lieber in Bildung investiert werden. Und drittens: Wo bleibt bei der geplanten Musterung von jungen Männern die Gleichberechtigung?
Während der Bundestag am Vormittag den Weg für den neuen Wehrdienst freigemacht hat, demonstrierten in Augsburg rund 200 Schülerinnen und Schüler dagegen. Sie schlossen sich der bundesweiten Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ an, die in rund 90 deutschen Städten Kundgebungen und Versammlungen organisiert hatte. Ähnlich große Proteste fanden in Bayern zum selben Zeitpunkt etwa in München, Kempten, Nürnberg oder Erlangen statt.
In Augsburg zog sich der Protestzug ab 10 Uhr vom Königsplatz über die Maximilianstraße bis zum Kriegerdenkmal An der Blauen Kappe. Unter den Anwesenden waren auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler, die dafür dem Unterricht fernblieben. Laut Kultusministerium rechtfertigt der Protest jedoch kein Fehlen in der Schule. Ob den Teilnehmenden etwa ein Verweis drohe, wenn sie unentschuldigt im Unterricht fehlen, liege im Ermessen der Schulleitungen. Dennoch zeigten viele Schülerinnen und Schüler am Freitag Gesicht. Sie erklärten, warum sie demonstrieren.
David Schwarzburg, 19: „Signal des Widerstands setzen“
„Dieser Beschluss ist ein massiver Eingriff in das Leben von uns Jugendlichen. Ich bin hier, um ein Signal des Widerstands zu setzen. In meiner Schule habe ich das im Politikunterricht angesprochen. Erst, als wir Schülerinnen und Schüler intensiv bei der Schulleitung und den Lehrern nachfragten, wurde die Wehrpflichtdebatte zum Thema. Die Verfassungsviertelstunde wurde hierfür nicht genutzt.“
Luna Wolff, 18: „Warum nur die Männer?“
„In dieser Debatte wird viel über Gleichberechtigung gesprochen. Uns stellt sich die Frage: Warum sollen nur Männer gemustert werden? Ich denke, der Hauptgrund dafür ist, dass Frauen zu Hause bleiben und Kinder bekommen sollen. Als junger Mensch in solchen Zeiten aufzuwachsen, ist beängstigend. Durch den neuen Wehrdienst und die vielleicht kommende Wehrpflicht rückt der Krieg auf einmal immer näher.“
Johannes Funck, 23: „Krieg zerstört die Erde“
„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Diesen Satz habe ich aufgeschnappt und mir gemerkt. Wenn wir Fridays For Future anschauen, geht es um die Erhaltung der Erde. Krieg zerstört die Erde. Und da darf man auf einmal nicht mehr die Schule schwänzen? Ich finde das absolut verhältnismäßig – wenn nicht sogar noch wichtiger.“
Ellen Crouch, 18: „Lieber einen Verweis, als eingezogen werden“
„Wenn wir für unsere Teilnahme einen Verweis bekommen, dann ist das so. Das nehmen wir in Kauf. Lieber kriege ich einen Verweis, als dass ich am Schluss eingezogen werde und für etwas kämpfen muss, für das ich nicht kämpfen will. Wir haben uns schon an unserer Schule beschwert, weshalb im Politikunterricht nie über die Wehrpflicht geredet wird. Stattdessen lernen wir etwas über die attische Demokratie im alten Athen. Dabei wäre es viel wichtiger, sich mit aktuellen Themen zu befassen, die uns junge Leute angehen. Wir sind sehr unzufrieden. Wir wären viel glücklicher, wenn die Regierung das Geld in Bildung anstatt in Aufrüstung investieren würde.“
Xaver Well, 18: „Krieg ist eine sinnlose Sache“
„Politiker, die die Wehrpflicht in ihrem Alter überhaupt nicht mehr betrifft, entscheiden darüber, dass ich zur Bundeswehr gehen soll. Dagegen wehre ich mich. Krieg ist grundsätzlich eine sinnlose Sache. Mit Gewalt erreicht man keinen Frieden, sondern das Gegenteil davon. Ich bin nicht bereit, mich für die Politiker in den Krieg ziehen zu lassen.“
David Pfäffel, 20: „Wie Spielfiguren umhergeschoben“
„Wir senden ein Zeichen, dass wir nicht alles mitmachen. Wir werden von der Politik wie Spielfiguren umhergeschoben. Und im schlimmsten Fall sollen wir andere Menschen töten. Das geht komplett gegen alles, wofür wir stehen. Die Politiker sagen, sie müssten aufrüsten für den Krieg. Und wir Jungen sollen das einfach mitmachen. Das ist für mich ein schwieriger Punkt.“
Sally Haala, 22: „Staat an seine Pflichten erinnern“
„Es ist die Aufgabe des Staates, uns zu beschützen. Wir wollen den Staat an seine Pflichten erinnern. Deswegen sind wir heute hier. Jetzt ist der Wehrdienst zwar noch freiwillig. Aber wenn sich nicht genügend Leute finden, könnte es zum Losverfahren kommen. Das finden wir wahnsinnig unfair.“
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