Ostern ist das Fest der kleinen Rituale – und der großen Erinnerungen. In vielen Familien entstehen eigene Traditionen, die oft schon in der Kindheit beginnen und über Jahre hinweg weitergegeben werden. Doch während diese Traditionen für einige fest zum Jahr dazugehören, sind die Ostertage für andere Menschen vor allem eines: ein langes, freies Wochenende. Fünf Geschichten und Meinungen aus der Region.
Hannelore Eierle, 75 Jahre, Augsburg:
Unsere Enkelkinder besuchen uns an Ostern leider nicht. Trotzdem gibt es eine Ostereiersuche am Ostersonntag: Für meinen Mann verstecke ich im Haus seit Jahrzehnten Hasen, Eier und ein Osternest. Jedes Jahr schicke ich ihn direkt nach dem Aufstehen auf die Suche. Also krabbelt er dann im Schlafanzug durch das Haus, leise vor sich hin maulend und mit den Worten: „Warum muss ich das immer machen?“ Das ist bei uns Tradition, am meisten zu meinem Vergnügen. Danach genießen wir gemeinsam einen Osterbrunch mit vielen Leckereien. Und auch ein Osterspaziergang gehört für mich einfach dazu. Ich finde, es ist eines der schönsten Feste im Jahr – alles blüht, der Frühling liegt in der Luft. Jetzt hoffe ich nur noch auf gutes Wetter.
Willem Glas, 20 Jahre, Marktoberdorf:
Über Ostern nutze ich die freie Zeit, um mit zwei Freunden nach Hamburg zu fahren. Wir wollen dort einfach gemeinsam ein paar entspannte Tage verbringen und die Stadt genießen. Besondere österliche Traditionen haben wir also nicht geplant, und auch ein Kirchenbesuch steht für mich nicht auf dem Programm, da ich nicht besonders gläubig bin. Anders sieht es bei meiner Familie zuhause im Allgäu aus: Meine jüngeren Geschwister freuen sich schon darauf, Ostereier zu suchen und ihre Osternester zu bekommen. In diesen sind neben Süßigkeiten auch immer nützliche Dinge wie eine Powerbank oder Socken. Auch ich bekomme ein solches Nest, obwohl ich es wegen meiner Reise nicht selbst suchen kann.
Barbara Schweiger, 77 Jahre, Landsberg am Lech:
Ich erinnere mich besonders an Ostern 1954: Ich war fünf Jahre alt, und Süßigkeiten waren knapp. Trotzdem versteckte meine Mama ab Palmsonntag jeden Tag eine kleine Nascherei in der Wohnung – mit dem Hinweis, der Osterhase habe sie auf der Suche nach dem besten Platz für sein Nest verloren. An einem Tag war nur mein Vater zu Hause, und ich fand ein riesengroßes, in Silberpapier gewickeltes Teil. Voller Freude wickelte ich es auf und hielt zu meiner Enttäuschung nur eine große rohe Kartoffel in den Händen. Mein Vater hatte sich einen Spaß erlaubt und die Kartoffel eingepackt. Das habe ich ihm lange Zeit nicht verziehen. Die Tradition mit den versteckten Kleinigkeiten habe ich später gern bei meinen Kindern fortgeführt, solange sie noch an den Osterhasen geglaubt haben. Dieses Jahr verbringe ich Ostern im Wellnesshotel und genieße ein paar ruhige Tage.
Christine Räder, 56 Jahre, Ziemetshausen:
Bei uns gibt es seit vielen Jahren kein Osterfest ohne den Osterkorb. Diesen bringen wir als Familie in der Osternacht zur Speisenweihe in die Kirche. Darin sind neben selbst gefärbten Eiern, Schinken und verschiedenem Gebäck auch ein Lamm aus Butter. Ich forme es jedes Jahr am Karfreitag in der Früh mit einer speziellen Siebtechnik, wenn die Küche noch kühl ist. Gelernt habe ich das von meiner Schwiegermutter. Mit viel Geduld entsteht so ein Lamm mit Augen aus Samen und einem Mund aus rotem Faden. Auch verschiedene Kirchgänge gehören bei uns in der Osterzeit dazu, denn mir ist wichtig, den christlichen Charakter des Festes nicht zu vergessen. Geschenke sind meistens nur Kleinigkeiten oder Gutscheine für gemeinsame Erlebnisse. Diese sind am wichtigsten und doch zu selten.
Alexia Lauterbach, 20 Jahre, Augsburg:
Für mich hat Ostern eine sehr religiöse Bedeutung. Die Karwoche haben wir bereits mit gesegneten Palmzweigen begonnen. Am Ostersonntag besuchen wir dann die Osternacht, in der ein Korb mit unter anderem Osterbrot, Wein und Zwiebeln geweiht wird. Dieses Ritual gehört für mich fest dazu. Danach frühstücken wir als Familie gemeinsam. Auch schon in der Zeit vor Ostern habe ich bewusst bestimmte Bräuche gepflegt. In der Fastenzeit habe ich auf Süßigkeiten und Alkohol verzichtet. Außerdem habe ich die Bildschirmzeit von meinem Handy die meiste Zeit auf eine Stunde am Tag heruntergeschraubt. Das fiel mir während meiner Semesterferien aber nicht immer leicht, und ich habe sie gelegentlich ausgedehnt.
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