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„Scheibenwischer“ von Söder: Wer ist der Grüne, der den CSU-Chef so in Rage brachte?

Porträt

Dieser Mann versuchte, Markus Söder mit einer Leberkässemmel in den Landtag zu locken

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    „Er hört den Leuten nicht zu. Er sendet selbst, aber er empfängt nicht“: Der Grünen-Abgeordnete Toni Schuberl hält nicht viel von Markus Söder.
    „Er hört den Leuten nicht zu. Er sendet selbst, aber er empfängt nicht“: Der Grünen-Abgeordnete Toni Schuberl hält nicht viel von Markus Söder. Foto: Wolfgang Maria Weber, dpa

    Angebissen hat er nicht. Also Bayerns Ministerpräsident, auf dessen Platz im Landtag diese Leberkässemmel drapiert worden war. Als Lockmittel offiziell, aber schon auch als kleine Boshaftigkeit. Dazu muss man wissen, dass Markus Söder damals auf dem Zenit seines Schaffens als Food-Influencer stand und zugleich immer wieder ermahnt wurde, er möge sich doch öfter mal im Parlament sehen lassen. „Der Eindruck bei vielen Abgeordneten hatte sich verfestigt: Der ist ja nie da. Und wenn er mal da ist, dann isst er die ganze Zeit. Ich fand das unverschämt“, sagt Toni Schuberl. Der Grünen-Politiker, der den Köder für Söder auslegte, sägt quasi hauptberuflich an den Nerven des CSU-Vorsitzenden – und manchmal auch an denen der eigenen Parteifreunde.

    Toni Schuberls Großvater hat die CSU mit gegründet

    Ein Café in München, morgens um 8 Uhr. Toni Schuberl bestellt einen Milchkaffee und ein Spinat-Käse-Blätterteig-Ding – und beginnt zu erzählen. Dass sein Großvater daheim im Bayerischen Wald die CSU mitgegründet hat. Über den 300 Jahre alten Bauernhof, den er umgebaut hat und auf dem er nun mit seiner Familie lebt. Über die Anfangszeit im Landtag. Als er noch „relativ oft“ applaudiert habe, wenn Söder sprach – zur Irritation der eigenen Fraktion. Der 43-Jährige wirkt in diesem Moment gar nicht wie der Provokateur, als der er so oft im Parlament oder in Sozialen Netzwerken auftritt.

    Schuberl spielt eine Rolle, die in anderen Parteien der Generalsekretär übernimmt. Die Abteilung Attacke. Manche finden das gut, weil er eine Lücke füllt und versucht, Söder auf dessen eigenen Spielfeld zu schlagen. Der Niederbayer hat sich das Mandat dafür quasi selbst gegeben. „Man braucht Leute, die Brücken bauen und man braucht Leute, die Klartext sprechen“, sagt er. Schwierig nur, wenn der eine immer wieder Brücken einreißt, an denen andere gerade herumwerkeln. Mindestens einmal musste sich die Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze schon im Gespräch mit ihrem CSU-Kollegen Klaus Holetschek um Schadensbegrenzung bemühen. Eine Situation, in der Schuberl über sich selbst erschrak.

    Einmal bezeichnete Schuberl Markus Söder als „Volldepp“

    Wütend über Söders aggressive Kampagne gegen die Grünen und die Anfeindungen, denen er und seine Parteifreunde sich ausgesetzt sahen, hatte er diesen auf Social Media als „Volldeppen“ bezeichnet. Er entschuldigte sich, doch für viele Schwarze ist der Grüne seitdem ein rotes Tuch. „Das war der Moment, in dem ich für mich eine klare Grenze zwischen sachlicher Kritik und Beleidigung gezogen habe“, sagt er heute. In der CSU allerdings attestieren sie ihm eine regelrechte Besessenheit im Umgang mit Söder. Wissenschaftsminister Markus Blume diagnostizierte gar eine Art „Zwangsstörung“.

    Schuberl hat seinen Milchkaffee fast ausgetrunken und schüttelt den Kopf. „Offenbar ist es für die CSU ein derartiger Affront, wenn jemand ihren eigenen Chef kritisiert, dass die dahinter gleich einen medizinischen Befund vermuten.“ Erst neulich hat es wieder gekracht. Söder machte im Landtag genervt den „Scheibenwischer“, während Schuberl ihn – mal wieder – persönlich attackierte. Was hinter dieser Fehde steckt? Tatsächlich gibt es einen Schlüsselmoment.

    Markus Söder ist nicht gut auf Toni Schuberl zu sprechen. In der CSU unterstellt man dem Grünen eine „Zwangsstörung“.
    Markus Söder ist nicht gut auf Toni Schuberl zu sprechen. In der CSU unterstellt man dem Grünen eine „Zwangsstörung“. Foto: Malin Wunderlich, dpa

    Schuberl fängt im Landtag an, wenige Monate, nachdem Söder das Amt des Ministerpräsidenten angetreten hat. Dann kommt Corona und der CSU-Chef wird gefühlt zum obersten Krisenmanager der Republik. Nie war er populärer als jetzt. Grundsätzlich spielt auch Schuberl im „Team Vorsicht“, und doch ist er irritiert. „Sie müssen sich das mal vorstellen: Da tobt in der Welt eine Pandemie und dieser Mann denkt vor allem an die eigene Kanzlerkandidatur.“ Der Grüne glaubt, darin ein Muster zu erkennen: „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es Markus Söder wirklich nur um Markus Söder geht.“ Zwar sei der Ministerpräsident viel unterwegs und gebe sich volksnah. „Das Problem ist nur: Er hört den Leuten nicht zu. Er sendet selbst, aber er empfängt nicht.“

    Hat Schwarz-Grün eine Chance mit Söder?

    Schwer vorstellbar, dass die beiden je zusammenfinden, nur: Perspektivisch ist eine Koalition mit der CSU die einzige Machtoption für die Grünen. „Wir sind ja angetreten, um etwas zu verbessern. Also muss diese Option natürlich offen sein“, sagt Schuberl und fügt hinzu: „Ich denke aber, es wird nur ohne Markus Söder gehen.“ Oder ist es genau umgekehrt? Zwar wächst in der CSU der Druck, sich nicht mehr auf Gedeih und Verderb an die Freien Wähler zu ketten, was nichts anderes bedeutet, als die eigene Grünen-Intoleranz zu überwinden. Aber wenn man fragt, woran das scheitert, heißt es nicht selten: „an Leuten wie diesem Schuberl“.

    Liefert also ausgerechnet er seinem Intimfeind Söder ein Alibi, um die Grünen auch in Zukunft zu ignorieren? Apropos: Die ignorierte Leberkässemmel hat damals ein Mitarbeiter von Toni Schuberl gegessen. Er selbst ist Vegetarier.

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