Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Stephan Zinner erklärt Rolle als Pfarrer und Erfahrungen am Nockherberg

Interview

„Es schadet nichts, ein guter Mensch zu sein“: Stephan Zinner kann Pfarrer und Fastenprediger

  • |
  • |
  • |
  • |
    Stephan Zinner als Pfarrer Hans Reiser in der BR-Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament".
    Stephan Zinner als Pfarrer Hans Reiser in der BR-Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament". Foto: Barbara Bauriedl/maze pictures GmbH/BR

    Herr Zinner, hätten Sie sich eigentlich zumindest einmal im Leben vorstellen können, in den Dienst der Kirche zu treten oder gar Pfarrer zu werden?

    STEPHAN ZINNER: Nein! Wobei… Ich habe als Gitarrist in der Schulband der Realschule Trostberg regelmäßig ökumenische Gottesdienste begleitet. Darum war ich in gewisser Weise ja auch schon mal für die Kirche tätig. Aber meine Rolle als Pfarrer ist da schon noch mal ein deutliches Upgrade.

    Sie haben einmal gesagt, Sie seien inzwischen nicht mehr Mitglied in der Kirche. Hat sich Ihre persönliche Sicht auf die Kirche durch die Rolle wieder verändert?

    ZINNER: Also ich war ja evangelisch. Und mein Blick auf die Kirche hat sich nicht groß verändert – auch die Gespräche mit einem so engagierten Geistlichen wie Rainer Maria Schießler haben daran nichts geändert. Die Grundprinzipien des christlichen Glaubens finde ich nach wie vor absolut richtig. Aber wie das Ganze umgesetzt wird, das überzeugt mich nicht hundertprozentig. Darum bin ich ausgetreten. In gewisser Weise lebe ich ja trotzdem christlich – nur halt nicht im Verein.

    Woran glauben Sie?

    ZINNER: Uoah! Ganz schwierige Frage! Ich denke, es schadet nichts, ein guter Mensch zu sein. Wenn alle nach den christlichen Grundprinzipien leben würden, dann wären wir schon ein gutes Stück weiter. Ich glaube, wenn man irgendwo positive Energie reinsteckt, dann kommt oft auch was zurück. Nach dem Prinzip versuche ich zu leben. Klappt natürlich nicht immer (lacht). Ich bin auch mal grantig und trete – bildlich gesprochen – gegen die Tür.

    Pfarrer Reiser (Stephan Zinner) wird von der Polizei befragt.
    Pfarrer Reiser (Stephan Zinner) wird von der Polizei befragt. Foto: Barbara Bauriedl, maze pictures GmbH/BR

    Andererseits wird das Wort Gutmensch ja oft als Schimpfwort benutzt…

    ZINNER: Ja, das verstehe ich nicht so ganz. Weil – was ist denn die Alternative? Es schadet ja niemandem, ein guter Mensch zu sein.

    Die Alternative wäre der Schlechtmensch.

    ZINNER: Genau. Und ganz ehrlich: Ich unterhalte mich lieber mit einem sogenannten Gutmenschen als mit einem – mit Verlaub – Arschloch.

    Die zweite Staffel der Erfolgsserie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ steht an. Sie spielen wieder auf der Basis eines Buchs des Münchner Kultpfarrers Rainer Marie Schießler einen anarchischen, unkonventionellen Geistlichen. Was bedeutet Ihnen diese Rolle?

    ZINNER: Unser Autor Franz Xaver Bogner gibt mir da sehr viel Futter. Als Schauspieler kann man in dieser Rolle ein schönes Spektrum seiner Fähigkeiten zeigen. Das ist schon außergewöhnlich.

    Thematisiert wird auch ein spezieller Konflikt: Der Kardinal fordert vom Pfarrer eine Entscheidung, aber dieser will weder Priesteramt noch Liebesbeziehung aufgeben. Ist es Ihnen schwergefallen, diesen inneren Zerriss darzustellen, ohne in Klischees abzugleiten?

    ZINNER: Das war tatsächlich nicht leicht. Aber mit dem Franz Xaver Bogner hatte ich einen perfekten Spiegel. Als Schauspieler könnte man da ohne Unterstützung tatsächlich schon danebengreifen, aber mit dem Franz im Rücken habe ich das Gefühl, dass uns die Darstellung dieses Pfarrers und seiner inneren Konflikte ganz gut gelungen ist.

    Was unterscheidet diesen Pfarrer in Ihrem Verständnis sonst noch von einem Standart-Vertreter der Amtskirche?

    ZINNER: Ich glaube, dass er die Kirche nicht als abgeschlossenen Raum sieht. Er holt auch Menschen in die Kirche, deren Seelen nicht bis zu Sternen leuchten. Er arbeitet mit ihnen, um sie auf einen vielleicht besseren Weg zu leiten. Und wenn jemand Hilfe braucht, dann kriegt er sie – egal, wer, egal wann, egal wo. Da ist der Schießler sehr konsequent, wahrscheinlich spürbar konsequenter als ein normaler Geistlicher.

    Die Serie will eine ‚nahbare Kirche‘ zeigen. Welchen Rat würden Sie als ‚Serien-Pfarrer‘ der realen katholischen Kirche in Bayern für die Zukunft geben?

    ZINNER: Die sollen sich nicht nur um ihre Immobilien kümmern, sondern mehr um ihre Schäfchen. Da gäbe es genug zu tun.

    Vor wenigen Wochen hatten Sie am Nockherberg Premiere als Fastenprediger. Mit ein bisserl Abstand – wie war’s?

    ZINNER: Aufregend und etwas Neues. Ich hatte, obwohl ich beim Singspiel ja schon öfter dabei war, nichts Vergleichbares im Köcher. Man weiß ja, dass das ein besonderer Ort ist. Und wenn man dieses Derblecken so alleine macht, ist das schon eine ganz eigene Sportart. Ich habe natürlich gemerkt, wie die Aufregung hochgekommen ist und versucht, mich erst einmal so durchzuarbeiten. Hintenraus hat es dann auch Spaß gemacht.

    Machen Sie es noch einmal?

    ZINNER: Wir haben vereinbart, dass wir uns im Juni im Biergarten treffen, eine Maß trinken und das dann entscheiden. Von Paulaner hat mir keiner einen Maßkrug an den Kopf geworfen, mir hat es im Grunde auch getaugt – also schauen wir mal.

    Manchen war er zu sanft: Kabarettist Stephan Zinner bei seiner Fastenrede am Nockherberg.
    Manchen war er zu sanft: Kabarettist Stephan Zinner bei seiner Fastenrede am Nockherberg. Foto: Peter Kneffel/dpa

    Es gab auch Kritik, dass Sie zu den Großkopferten zu mild und nicht bissig genug gewesen seien. Wie ordnen Sie das ein?

    ZINNER: Ich glaube, man darf bissig nicht mit ,batzad‘ verwechseln. Dass man die Herrschaften noch etwas härter anfassen könnte, kann schon sein. Aber ich muss es so machen, wie ich das Gefühl habe, dass es richtig ist. Das muss mir gestattet sein! Falls ich es noch einmal machen sollte, wird man ja sehen, wohin sich der Zinner entwickelt.

    Ihrem Vorgänger, Maxi Schaffroth, hat man vorgeworfen, er wäre zu bissig. Wie sind Sie das angegangen, die richtige Balance – irgendwo zwischen zahnlos und Wadlbeißer – zu finden?

    ZINNER: Das ist reine Gefühlssache. Da gibt es kein Rezept. Darum ist es auch so, dass andere dazu ein anderes Gefühl haben, und das muss ich aushalten. Mir war von Anfang an klar, dass ich auch kritisiert werde, wenn ich als Fastenprediger austeile. Und natürlich bin ich mit mir selber auch kritisch. Da geht immer noch mehr. Aber insgesamt war ich mit dem Text zufrieden.

    Am Ende noch zur politischen Entwicklung in München bei den Kommunalwahlen? Was bedeutet es für die Stadt und Bayern, dass nun ein junger, grüner schwuler Oberbürgermeister Münchens wird?

    ZINNER: Ich glaube schon, dass das etwas Besonderes ist. Ich schulde dem Dominik Krause auch noch einen Kasten Bier, weil ich mit meiner Einschätzung ziemlich danebenlag und am Nockherberg einen Gag auf seine Kosten gemacht habe. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass er gewinnt. Aber jetzt ist er Oberbürgermeister. Und ich finde, alleine das Alter bringt schon frischen Wind rein – und vielleicht auch einen anderen Blick auf die Stadt. Die Aufgabe ist natürlich riesig. Jetzt muss er zeigen, dass er das, was er vorher kritisiert hat, auch selbst umsetzen kann. Ich wünsche ihm viel Glück und viel Kraft für diese Bärenaufgabe.

    München ist ja in den vergangenen 50 Jahren in vielen Bereichen etwas langweiliger geworden. Könnte es sein, dass der Stadt ein junger Mann mit einem frischeren Gedankengut guttut?

    ZINNER: Klar, jetzt kommen ja wieder neue Tech-Konzerne, da ist die Umwelt, die Verkehrspolitik, das Thema Wohnen sowieso. München war in den letzten Jahrzehnten ja nicht wirklich innovativ. Der Dominik Krause soll darum versuchen, das, was er im Kopf hat, umzusetzen. Ich hoffe, das bringt die Stadt nach vorne.

    Zur Person:

    Stephan Zinner, 51, ist Kabarettist, Musiker und Schauspieler und lebt in München. Ab 10. April ist er wieder als Pfarrer in der BR-Serie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ (20.15 Uhr) zu sehen. Die sechs Folgen sind ab 2. April in der Mediathek abrufbar.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren