Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Fazit zum Nockherberg 2026: Wenn alle lachen, ist es kein Derblecken mehr

Nockherberg

Fazit nach dem Nockherberg: Wenn alle lachen, ist es kein Derblecken mehr

  • |
  • |
  • |
  • |
    Auf Zusammenhalt bedacht: der neue Fastenprediger Stephan Zinner.
    Auf Zusammenhalt bedacht: der neue Fastenprediger Stephan Zinner. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Diese eisige, erstarrte Stille im Saal – sie hat diesmal ganz gefehlt. Während bei Maxi Schafroths Fastenpredigt im Jahr 2025 vielen das Lachen so oft in der Kehle steckenblieb und Markus Söders Miene ebenso steinern war wie die Krüge für den Salvatorbock, war heuer schnell klar: Das wird ein Wohlfühlabend. Stephan Zinner, der neue Fastenprediger auf dem Nockherberg, wählte im Vergleich zu seinem Vorgänger Schafroth einen völlig anderen Ton.

    Seine erste Rede war eher eine Art Generalkritik am politischen Betrieb, ein Appell an die verloren gegangene Moral. Aber bei einem Schwur auf die Gemeinsamkeit sind scharfer Humor und Sarkasmus selten die prägendsten Stilmittel, sei es auf der Kirchenkanzel oder auf dem Nockherberg. Anders gesagt: Wenn alle übereinstimmend zufrieden sind und lächeln, ist es kein Derblecken mehr.

    Die Regierung lobt Zinner in den höchsten Tönen

    Der beste Beweis: Bei der Staatsregierung kam Zinners Premierenauftritt deutlich besser an als Schafroths unfreiwillig letzte Rede vergangenes Jahr. „Guter Start, war insgesamt viel Gutes dabei“, sagte später Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er werde die Hinweise Zinners nun auf sich wirken lassen. „Bravo, so geht Fastenpredigt“, schwärmte Ulrike Scharf (ebenfalls CSU). Sie konnte es nicht lassen, Schafroth im Nachhinein noch eins mitzugeben.

    „Im Vergleich zu den letzten Jahren haben wir was erlebt, was der Fastenpredigt auch würdig ist.“ Der Allgäuer Kabarettist hatte der Sozialministerin zuletzt Untätigkeit und Unfähigkeit attestiert, diesmal kam sie in der Rede gar nicht vor – was ihr offensichtlich lieber war. Auch CSU-Bundesinnenminister Alexander Dobrindt lobte Zinner: „Humor, Kritik, hintersinnig, die Mischung passt.“ Derblecken müsse nicht beleidigend sein. „Das ist sehr gut gelungen.“

    Gute Laune herrschte bei Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Ministerpräsident Markus Söder (beide CSU).
    Gute Laune herrschte bei Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Ministerpräsident Markus Söder (beide CSU). Foto: Peter Kneffel, dpa

    Stephan Zinner ist ein Profi, natürlich war seine Rede lustig. Zum Beispiel, wenn er darauf hinwies, dass Söder ja öfter mal vorgeworfen werde, dass er eher selten im Landtag auftauche. Der Kabarettist und Schauspieler hat dafür Verständnis.

    „Ich mein, als bayerischer Ministerpräsident hat man schließlich zu tun. Da muss man sich unter Umständen auch mal ein benachbartes Bundesland anschauen, das man annektieren möchte.“ Bei solchen Pointen lachte der ganze Saal. Es war, zumindest bei den Politikerinnen und Politikern, aber auch bei den meisten der über 500 Gäste, die vergangenes Jahr oft konsterniert die Krüge auf dem Tisch stehen ließen, ein Lachen voll purer Erleichterung. Leichtes Kabarett statt schwer verdaulicher Politverdrossenheit: Darauf hatten offensichtlich viele gehofft.

    Auf dem Nockherberg ist nichts mehr zu befürchten

    Ein großer Teil rund 2,2 Millionen Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer amüsierte sich auch, das lassen erste Reaktionen und eine Einschaltquote von satten 41 Prozent in Bayern erahnen. Amüsant, aber harmlos, diesen Weg hat Zinner gewählt, und vielleicht ist er in diesen Zeiten auch richtig. Der Entertainer hat den Anspruch an sich selbst erfüllt. Dem neuen „American Way“ aus Empörung und Fakten-Verleugnung wolle er einen „bayerischen Weg“ aus Augenmaß und Augenhöhe entgegensetzen: „Er erfordert ein Miteinander und kein Gegeneinander.“ Oder kürzer: „Zammhalten müssten wir.“

    Jetzt ist nur die Frage: Wer liest den so oft eitel um sich selbst kreisenden Politikern – Stichwort „Söder One“ – jetzt die Leviten? Der Fastenprediger wird es wohl so bald nicht mehr sein. Dabei sollten die Betroffenen das zumindest einmal im Jahr schon aushalten können – und es wäre oft auch nötig.

    „Dem Singspiel hat ein klarer roter Faden etwas gefehlt, das wird wohl kein Stück sein, über das in ein paar Jahren noch alle reden.“

    Klaus Holetschek, CSU-Fraktionschef

    Deutlich kritischer als die Predigt übrigens sahen viele Spitzenkräfte aus der Regierung das anschließende Singspiel, in dem Bundeskanzler Friedrich Merz als glückloser Tor in Geschirr-Ritterrüstung einen Drachen zu besiegen versuchte. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek bemängelte gegenüber unserer Redaktion, dass dem Stück ein klarer roter Faden gefehlt habe und beschränkte sein Lob auf die Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler. Söder, der diesmal im Singspiel mit einer Wurstsemmel im Mund weitgehend ruhig gestellt war, bemängelte in der SZ, dass aus seiner Sicht „Merz zu sehr als Depp dargestellt wurde – was er echt nicht ist“. Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) meinte danach mit Blick auf die Absetzung des unliebsamen Schafroth beim letzten Mal: „Ich hoffe, dass diesmal nicht statt des Fastenpredigers der Dramaturg getauscht werden muss.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren