Politisch gab es in Deutschland und weltweit schon ruhigere Zeiten. Das krachende Scheitern der Ampelkoalition, das Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD, der Krieg in der Ukraine, Putin, Trump, Vance – es kann einem schier schwindelig werden. Da ist es freilich ein im Grunde rühmlicher Ansatz, Kindern und Jugendlichen mehr über den Wert der Demokratie beibringen zu wollen. Allerdings sind die läppischen 15 Minuten pro Woche, die sogenannte Verfassungsviertelstunde, ein Witz.
Zumal die Wissenslücken bei jungen Menschen erschreckend groß sind. Eine Umfrage der Jewish Claims Conference, die eben veröffentlicht wurde, zeigt: Mehr als jeder zehnte junge Erwachsene in Deutschland hat den Begriff Holocaust noch nie gehört – obwohl dieses finsterste Kapitel Menschheitsgeschichte in mehreren Jahrgängen auf dem Stundenplan steht. Und obwohl so viel über die Demokratie, die es vor dem wieder aufkeimenden Rechtsextremismus in der Tat zu schützen gilt, gesprochen wird.
Nur eine Stunde Politik und Gesellschaft - das ist zu wenig
Die politische Bildung in der Schule muss deshalb einen größeren Stellenwert bekommen. Gerade jetzt, gerade in diesen Zeiten. Dass in Bayern Zehntklässler an Gymnasien pro Woche nur eine Stunde im Fach Politik und Gesellschaft unterrichtet werden, in den Jahrgängen darunter nur im sozialwissenschaftlichen Zweig, ist deutlich zu wenig – auch angesichts dessen, dass diese jungen Menschen zwei Jahre später wahlberechtigt sein werden.
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