Die Botschaften sind klar: „Für neue Rekorde & gewonnenen Wohnraum.“ Oder: „Für Leidenschaft & Wirtschaftskraft.“ So steht es auf Plakaten, die in den nächsten Wochen für Olympische Spiele in München werben. Denn am 26. Oktober wird sich entscheiden, ob sich die Stadt wieder um die Ausrichtung von Olympischen Spielen bewirbt. Bei einem Bürgerentscheid stimmen die Münchnerinnen und Münchner dann darüber ab, ob die Landeshauptstadt ins Rennen gehen soll.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sind klar dafür: „Wir sind überzeugt: Bayern kann Olympia“, sagte Söder am Dienstag bei der gemeinsamen Vorstellung der Pro-Olympia-Kampagne im Olympiastadion: „Wir alle sagen Ja zu Olympia.“
Auch der Eiskanal in Augsburg soll für die Spiele erneut genutzt werden
München könne Großereignisse, lobte Söder. Dies hätten etwa die „European Championships“ 2022 gezeigt. Zudem sei der Aufwand für die Spiele in der Stadt überschaubar: „Wir brauchen gar nicht viel zu investieren.“ Denn neunzig Prozent der notwendigen Sportstätten gebe es schon. Denn viele Wettkampfstätten der Olympischen Spiele von 1972 sollen wieder genutzt werden. Im Olympiastadion sollen die Leichtathletik-Wettbewerbe stattfinden. Auch die Olympiahalle, der Olympiapark, die Regattastrecke in Oberschleißheim oder die Reitanlage in Riem sind eingeplant. Und die Kanuten sollen wie 1972 in Augsburg im Eiskanal starten.
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht deshalb ein „Nachhaltigkeitspfund“, wie es keine andere Stadt habe – und wirbt mit positiven Folgen über die Spiele hinaus: Bis zu 4000 Wohnungen extra könnten durch Olympia entstehen, dazu neue U-Bahn-Linien und ein Schub für Wirtschaft und Tourismus. „Wir werden positiv werben“, verspricht Reiter: „Für Spiele mit Herz und Seele.“
Innenminister Herrmann wirbt zudem dafür, Olympia nicht autokratisch regierten Ländern zu überlassen. „Wir sollten es stattdessen mitgestalten – mit unseren demokratischen Werten und Standards“, findet er.
Viele Münchner sind noch skeptisch – Söder fordert deshalb „positiven Spirit“
Die Gegner der Bewerbung halten die vorgelegten Konzepte zur Nachhaltigkeit nicht für stichhaltig. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sichere sich die Gewinne – noch dazu steuerfrei –, auf möglichen Verlusten bleibe die Allgemeinheit sitzen, argumentierte etwa Landtagsvizepräsident Ludwig Hartmann (Grüne). Die ÖDP klagt, Olympia verschlinge öffentliche Gelder, die an anderer Stelle fehlten. Der Bund Naturschutz warnt vor negativen Folgen für die Stadt, ihre Finanzen und die Natur.
Auch viele Bürger Münchens seien noch skeptisch, räumt Söder ein. Notwendig sei aber ein „positiver Spirit“ nicht nur für die Stadt, sondern für das ganze Land, fordert er: „Nicht nur Dagegen und Bedenken, sondern Mut und Zuversicht.“
Neben München haben in Deutschland Hamburg und Berlin sowie die Region Rhein-Ruhr ihren Hut in den Olympia-Ring geworfen. München hätte aber im internationalen Wettbewerb die besten Chancen auf einen Zuschlag, glaubt man in der Staatsregierung. Wann Olympia nach 1972 wieder hierherkommen könnte, ist aber noch offen – 2036, 2040 oder auch erst 2044.
Voraussetzung für eine Münchner Bewerbung ist jedoch zunächst die Zustimmung der Münchner beim Bürgerentscheid Ende Oktober. Damit wäre aber nur die erste Hürde genommen. Denn wer für Deutschland ins Rennen gehen soll, will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erst im Herbst 2026 entscheiden. Und über die Vergabe der Spiele selbst befindet später das Internationale Olympische Komitee (IOC). (mit dpa)
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