Servus Bene, Grundsatzfrage für bairische Sprachpuristen. Wie heißt du eigentlich – Beni oder Bene?
BENI HAFNER: Eigentlich heiße ich Beni, manche sagen auch Bene. Aber Hauptsache nicht Benny.
Du startest jetzt in die Sommersaison mit neuen Konzerten quer durch Deutschland. Eigentlich aber gehört ein Oimara, also ein Almhirte, zu dieser Zeit auf die Alm oder die Alpe, oder?
HAFNER: (lacht) Das stimmt, wenn er sich um etwas auf der Oim kümmern müsste. Aber ich muss mich um die Entertainment-Branche kümmern und meine Oim ist jetzt erst einmal die Bühne.
In den letzten Monaten ist es ein bisserl ruhiger gewesen um dich. War der ganze Trubel nach dem Charterfolg zu viel? Und: Wie hast du deinen grandiosen Erfolg mit dem Song des Jahres verkraftet?
HAFNER: Den Erfolg habe ich gut verkraftet, denn so ein Hit ist ja mit das Schönste, was einem als Musiker passieren kann. Klar habe ich es etwas ruhiger angehen lassen, aber jetzt geht es ja wieder richtig los. Das ganze Jahr wird gespielt. Ein besonderes Konzert ist sicher im Juni das Tollwood in München. „Oimara & Freind“ heißt es, und da werden ganz viele Special Guests vorbeischauen. Das wird sicher richtig geil. In Altusried spiele ich beispielsweise am 11. Juli, auf der Insel Mainau am 5. September und in Augsburg am 10. Dezember. Wird ganz viele schöne Konzerte und neue Projekte geben, auch mit anderen Musikern. Nächstes Jahr folgt am Tegernsee wieder mein „Bierle-in-da-Sun-Festival“.
Erzähle ein bisschen. Was hast du in der Zeit von November bis jetzt so getrieben?
HAFNER: Es war ja nicht nix los, und ich habe auch ein paar Auftritte gehabt. Aber die letzten Monate habe ich mich wieder mehr dem Songwriting gewidmet, mir auch mal ein paar Tage Ruhe gegönnt. Und was man nicht vergessen darf, man steht ja nicht nur auf der Bühne, sondern muss sich auch um Organisatorisches kümmern, Dinge, die kein Mensch mitkriegt. Auch Sport will ich wieder treiben. Ich habe nämlich Tennis für mich entdeckt.
Ui, das ist ja gar kein Trendsport, sondern eher ein Klassiker.
HAFNER: Das mit dem Tennis verwandte Paddle ist natürlich bei den meisten im Kommen, aber bei mir persönlich liegt Tennis voll im Trend.
Du bist ja gelernter Koch. Kommst du eigentlich ab und zu dazu, hinterm Herd zu stehen?
HAFNER: Das ist privat nach wie vor mein größtes Hobby. Die Gastro- und Küchenwelt lässt mich nicht los. Da bin ich auch noch hier und da unterwegs. Ich habe immer noch viele Freunde in der Gastronomie.
Was ist dein Lieblingsgericht?
HAFNER: Das ist überhaupt nichts Ausgefallenes. Mein Lieblingsgericht ist, schon seit ich ein kleines Kind bin und wir damals im Italienurlaub waren: Spaghetti aglio e olio.
Zurück zur Musik. Ende 2025 standest du zusammen mit Taylor Swift plötzlich an der Spitze der deutschen Jahrescharts. Wie fühlt sich dieser surreal wirkende Vergleich für einen bayerischen Liedermacher an?
HAFNER: Also, das ist nach wie vor unbegreiflich. Aber ich werde mich trotz der Tatsache, dass ich in Deutschland einmal mit ihr an der Spitze der Charts stand, nicht mit ihr vergleichen. Das ist eine andere Welt. Aber alleine der Fakt, dass man das sagen kann, fühlt sich gut an.
Sagst du dir: Schuster, bleib bei deinen Leisten und bleibst bei der bayerischen Musik oder träumst du auch mal von einer Weltkarriere?
HAFNER: Ich bin experimentierfreudig. Ich könnte mir schon vorstellen, die eine oder andere englische Nummer zu machen – allerdings nicht mit dem Ziel einer internationalen Karriere, sondern einfach nur aus Spaß an der Freude.
Dein Name „Oimara“ kommt von deiner Herkunft. Wie sehr hilft dir das Leben daheim am Tegernsee, wo du nicht mehr bei deinen Eltern auf der Hafner-Alm, sondern im Tal wohnst, geerdet zu bleiben, wenn gerade alle im Showgeschäft an dir zerren?
HAFNER: (lacht) Ich weiß nicht, ob der Tegernsee als teuerster Wohnort Deutschlands der beste Ort ist, um geerdet zu bleiben. Aber irgendwie krieg‘ ich es trotzdem hin. Vielleicht liegt es an meiner Person und daran, dass ich viel gearbeitet habe in meinem Leben. Zehn Jahre in der Küche erden einen schon.
Ist das so hart in der Küche, wie man oft hört?
HAFNER: Ja, schon. Es ist körperlich anstrengend und man arbeitet etwa doppelt so viele Stunden pro Tag wie in einem normalen Bürojob. Früher war es auch psychisch hart, weil es gerade in den Highclass-Küchen ziemlich militant zugegangen ist. Das hat sich allerdings gewandelt. Inzwischen geht man freundlicher miteinander um, weil sich die Leute diesen Kasernenton nicht mehr gefallen lassen. Aber der Job gehört immer noch zu den härteren.
Musikalisch hast du mit AC/DC und Led Zeppelin angefangen. Wie hast du den Weg von hartem Rock zu deinem jetzigen modernen, bairischen Mundart-Pop gefunden?
HAFNER: Ich habe musikalisch schon immer meine Fühler in viele Richtungen ausgestreckt. Ich war nie nur Rock oder Metal. Es war auch immer so, dass die Musik, die ich selbst gemacht habe, anders war als die, die ich gehört habe. Dieser Fredl-Fesl-Style gemischt mit Led Zeppelin und Jimi Hendrix, das ist einfach so aus mir rausgerutscht. Ich habe das aber nie analysiert. Mich inspirieren viele Genres.
Hast du eigentlich schon beim Schreiben des „Wackelkontakt“ damit gerechnet, dass der Song ein Hit werden könnte?
HAFNER: Damit rechnet man nicht, wenn man einen Song schreibt. Aber er hat sich schon sehr gut angefühlt.
Und wie kam es bei den ersten Live-Konzerten an?
HAFNER: Ich habe tatsächlich schnell gespürt, dass er gut ankommt.
Du hast dich kritisch über bayerische Radiosender geäußert. Was genau muss sich in der bayerischen Musiklandschaft ändern?
HAFNER: Ich habe nicht nur die bayerische Musiklandschaft kritisiert, sondern grundsätzlich, dass regionale Songs mehr in der jeweiligen Heimat gespielt werden sollten. Das beginnt bei deutscher Musik in Deutschland oder in Bayern mit bayerischer, aber auch in Norddeutschland mit Liedern auf Plattdeutsch. In Frankreich ist das beispielsweise anders, die haben eine Quote für französische Stücke. Es ist schon irgendwie traurig, dass man als bayerischer Musiker erst einen Nummer-1-Hit schreiben muss, um in den Sendern vorzukommen.
Hast du nach „Bierle in da Sun“ oder „Wackelkontakt“ Angst, dass die Leute nur noch Party-Hits von dir erwarten?
HAFNER: Wenn man meine Diskografie anschaut, sieht man, dass nach „Wackelkontakt“ einige andere Lieder kamen, die gar nichts mit Partymusik zu tun haben. „Bierle in da Sun“ war sowieso keine Partymusik, sondern ein ganz anderer Sound. Ich werde generell immer das machen, wonach mir ist.
Was war dein schönster Moment im letzten Jahr? Was wünschst du dir für heuer?
HAFNER: Die Frage bekomme ich oft gestellt. Aber ich kann sie gar nicht richtig beantworten, denn im letzten Jahr gab es zu viele besondere Momente, als dass ich mich auf einen festlegen könnte. Das ganze Jahr war das krasseste meines Lebens. Und dieses Jahr will ich einfach nur Spaß daran haben, an dem, was ich so mache.
Zum Schluss noch eine Geschmacksfrage: Wenn du ein bayerisches Gericht wärst, welches wärst du lieber, ein Schweinsbraten, Rahmschwammerl mit Semmelknödel oder ein Obatzda – und warum?
HAFNER: (lacht) Ich wäre tatsächlich ein Obatzda. Den habe ich schon als Kind im Bräustüberl in Tegernsee gegessen. Und weil a Obatzda immer mit einen Schluck Bier verträgt, wäre ich in jedem Fall ein Obatzda.
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