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Michael Graeter ist Münchens schillerndster Kandidat für den Stadtrat

Kommunalwahl 2026

Dieser gut gelaunte Mann ist Münchens schillerndster Kandidat für den Stadtrat

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    Michael Graeter, 85, vor seinem Wahlplakat in der Münchner Maxvorstadt. Er selbst bezeichnet sich als „alter weißer Mann“.
    Michael Graeter, 85, vor seinem Wahlplakat in der Münchner Maxvorstadt. Er selbst bezeichnet sich als „alter weißer Mann“. Foto: Marcus Merk

    Die Tür des Cafés in der Münchner Maxvorstadt schwingt auf, Michael Graeter kommt im schwarzen Sakko und mit Marilyn-Monroe-Krawatte herein und wirft ein paar falsche Fünfziger auf den Tisch. „Mein Wahlprogramm“, sagt der 85-Jährige und zeigt die Rückseite der Scheine. „Bargeld ist gedruckte Freiheit“, steht da, es ist Graeters wichtigster Punkt im Wahlkampf.

    Zwar dürfte es auf absehbare Zeit nicht in der Macht des Münchner Stadtrats liegen, über die Zukunft des Zahlungsverkehrs in Deutschland zu entscheiden. Aber Graeter will, dass man in der Landeshauptstadt weiter die Rechnung in bar bezahlen kann und auch die Filialen der Stadtsparkasse erhalten bleiben. Deshalb kandidiert er bei der Kommunalwahl auf der unabhängigen München-Liste. „Wenn alles nur noch über die Karte geht“, sagt Graeter, „dann weiß jeder, dass ich schon zum dritten Mal ein Schlafzimmer kaufe.“ Das sei „der Anfang der Beschneidung der Freiheit“.

    Im Gespräch bezeichnet sich Michael Graeter selbst als „alter weißer Mann“

    Michael Graeter ist in München so bekannt wie seine Krawatte bunt. Zumindest bei denen, die wie er die wilden 80er-Jahre live und intensiv miterlebt haben. Er schrieb für die Abendzeitung, die Bild und die Bunte, war 1986 das Vorbild für den legendären Klatschkolumnisten „Baby Schimmerlos“ in der Fernsehserie „Kir Royal“. Das gleichnamige Getränk wird in den Münchner Bars immer noch ausgeschenkt.

    Michael Graeter mit Monroe-Krawatte und US-Flagge am Sakko in einem Café gleich bei ihm um die Ecke.
    Michael Graeter mit Monroe-Krawatte und US-Flagge am Sakko in einem Café gleich bei ihm um die Ecke. Foto: Marcus Merk

    An diesem Nachmittag kurz vor der Wahl trinkt er nur Cappuccino. Sonst ist der Spezialist fürs „Wer mit wem?“ immer noch der Alte. Sex und Geld, das sei auch in der Politik die Grundlage von allem, sagt Graeter, der sich im Gespräch mehrfach selbst als „alter weißer Mann“ bezeichnet und damit erstaunliche Selbsterkenntnis beweist. Seine journalistischen Fähigkeiten sieht er immer noch als Trumpf. Er will etwa intensiv recherchieren, wer denn der Mann sei, der „diese Radweg-Autobahnen“ erfunden hat, von denen es in München viel zu viele gebe: „Links und rechts, drei Meter breit, und in der Mitte kommt kaum ein Auto durch!“

    Michael Graeter ist ein Fan von jaulenden Motoren. Das Elektroauto hält er für eine Bevormundung. „Wenn da oben einer auf den Kopf drückt, stehen die alle, und ich mit meinem Benziner fahre unabhängig weiter“, sagt er und lacht nicht. „Und ich möchte noch was ganz anderes. Ich möchte Formel-1-Rennen nach München holen. Monaco zwei wäre das hier. Start an der Feldherrenhalle, runter zur Leopoldstraße, Maximilianstraße. Und das Fahrerlager ist der Hofgarten. Das würde Milliarden in die Stadt spülen. Wenn ich meinen Fuß in den Stadtrat bringe, dann werde ich das durchziehen“, sagt Graeter. „Egal, ob die Grünen sich auf den Kopf stellen.“

    Ja, a bisserl was geht immer. Aber es dürfte trotzdem eng werden mit dem Einzug ins Rathaus. Die München-Liste ist aktuell mit einem Mann im Stadtrat vertreten, Graeter steht auf Listenplatz zwölf. Mehr Klatsch-und-Tratsch-Potenzial würde dem Gremium aber nicht schaden, sagt der Mann, der einst Brigitte Bardot und Gunter Sachs quasi in flagranti erwischte. „Jetzt sind da ja lauter Unbekannte drin. Die Köpfe auf den Plakaten kennt auch keine Sau.“ Graeter selbst wohnt hier ganz in der Nähe, sein eigenes Wahlplakat hängt gefühlt an jeder Ecke. Er posiert darauf mit Piloten-Sonnenbrille und Lederjacke, auf den ersten Blick sieht er aus wie Ex-US-Präsident Joe Biden.

    Graeter trägt eine US-Flagge am Revers und sagt, er sei im „Team Trump“

    Das will Graeter, der eine kleine US-Flagge am Revers trägt, natürlich nicht hören. Er ist im „Team Trump“ und sagt das offen. In den 80ern sei er in New York bei der Eröffnung des Trump Towers gewesen, erzählt Graeter, der mal ein Café in Santa Monica betrieb und unter anderem wegen Insolvenzverschleppung 239 Tage im Gefängnis saß. Trump Senior habe ihn und seine Frau sogar nach Florida eingeladen. „So ein großzügiger Mann!“ Und dessen Sohn? „Ich fänd gut, wenn wir hier so einen hätten. Der Strauß war ja so einer.“ FJS trauert Graeter auch fast 38 Jahre nach dessen Tod noch hinterher.

    Eigentlich sympathisiert er mit der CSU und sagt: „Im Grunde meines Herzens bin ich ein verkleideter Spießer.“ Sei er immer schon gewesen. Von der Söder-Partei ist er heute trotzdem enttäuscht. „Wenn sie die drei Buchstaben in ihrem Namen ernst nehmen würde, dann gäbe es die AfD nicht.“

    Auf der München-Liste tritt der Klatsch-Veteran an, weil er da komplett unabhängig sein könne. Und sollte das Wunder eintreten und er tatsächlich an allen vorbei in den Stadtrat marschieren, dann hat er einen Plan: „Ich würde da schon Glamour hineinbringen.“ Dom, Dirndl, Dackel, das sei das echte München. „Und Diridari, in bar natürlich.“

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