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Ist der Freistaat noch Familienland? Warum sich Bayern den kostenlosen Kindergarten spart

Kita-Gebühren

Ist der Freistaat noch Familienland? Warum sich Bayern den kostenlosen Kindergarten spart

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    Wie viel muss Kinderbetreuung wert sein? In Bayern zahlen Eltern zum Teil hohe Gebühren, in anderen Bundesländern ist der Kindergarten kostenfrei.
    Wie viel muss Kinderbetreuung wert sein? In Bayern zahlen Eltern zum Teil hohe Gebühren, in anderen Bundesländern ist der Kindergarten kostenfrei. Foto: dpa

    In München ist das Leben bekanntlich so teuer wie nirgendwo sonst. Die Landeshauptstadt gilt nach wie vor als Deutschlands teuerste Stadt. Einen Vorteil aber haben Eltern in München bislang: Zumindest in städtischen Kitas ist die Betreuung für alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren gebührenfrei. Nun aber streicht die Stadt das kostenlose Angebot. Und während andere Bundesländer die Kinderbetreuung seit Jahren kostenfrei halten, entfernt sich Bayern mehr denn ja davon.

    In welchen Teilen Deutschlands ist die Kita kostenlos?

    In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zahlen Eltern keine Gebühren für die Betreuung ihrer Kinder. In Hamburg sind fünf Stunden am Tag kostenfrei. Hessen, Bremen, Niedersachsen oder Brandenburg erlassen die Gebühren ab dem dritten Lebensjahr, Rheinland-Pfalz ab dem zweiten Lebensjahr. In Nordrhein-Westfalen und Thüringen sind die letzten beiden Kindergartenjahre beitragsfrei. In Baden-Württemberg, wo viele Eltern wie in Bayern über steigende Kita-Gebühren klagen, will die neue Landesregierung das letzte Kita-Jahr verpflichtend machen und zugleich kostenfrei. Im Saarland sollen die Elternbeiträge für die Kita bis 2027 abgeschafft werden.

    Warum kostet der Kindergarten in Bayern im Gegensatz zu anderen Bundesländern?

    In Bayern, wo man sich gern als Familienland rühmt, geht man einen anderen Weg. Die Staatsregierung hat vor sieben Jahren einen Zuschuss zum Kindergarten eingeführt – 100 Euro pro Monat und Kind ab drei Jahren. Im Koalitionsvertrag hieß es 2018 dazu: „Wir stellen künftig alle drei Kindergartenjahre beitragsfrei, indem wir (...) monatlich 100 Euro pro Kind gewähren.“ Anfangs kam das bei einer Vier-Stunden-Buchung in günstigen Einrichtungen tatsächlich einer nahezu kostenlosen Betreuung gleich. Doch vielerorts sind die Gebühren in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Und: Weil der Freistaat die marode Kita-Finanzierung reformieren muss, ist strittig, wie es mit diesem Zuschuss weitergeht. Bisher wurden die 100 Euro direkt von den Kindergartengebühren abgezogen, künftig fließt das Geld an die Träger. Etliche Träger sehen schon jetzt ein Finanzloch. Für Eltern könnte es also deutlich teurer werden. In München hat Oberbürgermeister Dominik Krause das Ende des kostenlosen Kindergartens mit dem Wegfall des 100-Euro-Zuschusses begründet.

    Für Eltern könnten die Kosten für den Kindergarten deutlich teurer werden.
    Für Eltern könnten die Kosten für den Kindergarten deutlich teurer werden. Foto: Matthias Becker

    Gibt es Pläne, die Kindergarten-Gebühren auch in Bayern zu erlassen?

    Im Gegensatz zum bundesweiten Trend plant Bayern keine Abschaffung der Kita-Gebühren. Sozialministerin Ulrike Scharf hatte im Interview mit unserer Redaktion betont: „Natürlich wäre eine komplett kostenlose Kita auch mein Wunsch.“ Doch das sei nicht finanzierbar. „Allein ein kostenloses letztes Kita-Jahr würde Bayern mindestens eine Milliarde Euro zusätzlich kosten.“ Die Grünen fordern dagegen, dass der Freistaat vier Stunden Kinderbetreuung am Tag komplett finanziert, die Buchungsstunden darüber hinaus sollten zu 90 Prozent übernommen werden. Die SPD scheiterte zuletzt mit dem Antrag, den Kindergartenbesuch in Bayern kostenfrei zu machen – und perspektivisch auch die Betreuung in der Krippe ab dem ersten Lebensjahr.

    Wie viel teuerer ist die Kinderbetreuung in Bayern?

    Im bundesweiten Vergleich zahlen Bayerns Eltern recht hohe Beiträge, wie eine Auswertung des Deutschen Jugendinstituts zeigt – schon, weil andere Bundesländer die Gebühren erlassen. Doch die Beiträge variieren „von null Euro bis zu teilweise vierstelligen Summen“, teilt eine Sprecherin des bayerischen Sozialministeriums mit. Abhängig sind die Kosten vor allem vom Wohnort, als auch von der Zahl und dem Alter der Kinder, dem Betreuungsumfang sowie dem Einkommen. Und: Für die Betreuung in der Kinderkrippe wird deutlich mehr fällig als für den Kindergarten ab drei Jahren.

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