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Gegen Betrug mit KI in der Schule: Lehrkräfte stellen neue Art von Hausaufgaben

Bildung

Gegen Betrug mit KI in der Schule: Lehrkräfte stellen neue Art von Hausaufgaben

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    Schülerinnen und Schüler nutzen Künstliche Intelligenz längst als Hilfe bei den Hausaufgaben.
    Schülerinnen und Schüler nutzen Künstliche Intelligenz längst als Hilfe bei den Hausaufgaben. Foto: Soeren Stache, dpa (Symbolbild)

    Künstliche Intelligenz (KI) gehört zum Schulalltag. Schülerinnen und Schüler nutzen sie für Hausaufgaben, Lehrkräfte als Hilfe für die Vorbereitung des Unterrichts. Doch alles, was außerhalb des Klassenzimmers entsteht, lässt sich kaum noch eindeutig zuordnen. Stammt es vom Schüler oder vom Computerhirn? Der Deutsche Lehrerverband warnt, dass klassische Hausaufgaben an Aussagekraft verlieren. Weiß die Schule noch, was ihre Schülerinnen und Schüler selbst können?

    Das Kultusministerium setzt auf klare Strukturen: Eigene KI-Anwendungen wie die BayernCloud Schule und der Schul-Chatbot „telli“ sowie Fortbildungen sollen den Einsatz in den Schulen steuern. Die Nutzung bleibe nachvollziehbar, heißt es. In der Praxis gilt das jedoch nur eingeschränkt: Viele Schülerinnen und Schüler verwenden nach Einschätzung von Lehrkräften frei zugängliche KI-Tools außerhalb der schulischen Systeme. Das macht die Sache schwieriger.

    KI-Texte erkennen: Warum Tools oft versagen

    Sebastian Schmidt, Lehrer in Neu-Ulm und Berater für digitale Bildung an Realschulen in Schwaben, sagt: „Viele Lehrkräfte merken, dass KI genutzt wird – aber sie können es nicht zuverlässig nachweisen.“ Zwar gibt es Programme, die KI-generierte Texte erkennen sollen – verlässlich sind sie aber nicht. Michael Sailer, Professor für Learning Analytics an der Universität Augsburg: „Diese Tools sind fehleranfällig und nicht neutral. Bestimmte Schreibstile werden eher als KI-generiert eingestuft, auch wenn sie es nicht sind.“

    Sofern sich nicht eindeutig nachvollziehen lässt, wer eine Aufgabe selbst gelöst hat, steht auch das Prinzip Hausaufgabe selbst in Zweifel. Für Lehrkräfte ist klar, dass sich etwas ändern muss: „Komplexe Aufgaben verlagern wir zunehmend in den Unterricht“, sagt Sebastian Schmidt. Die Frage nach Hausaufgaben ist damit Teil einer größeren Entwicklung. „Wir müssen uns überlegen, wie wir das System anpassen – nicht nur einzelne Aufgaben“, sagt Lernanalytiker Sailer.

    KI zwingt Schulen, Unterricht neu zu denken. Doch nicht alle Schülerinnen und Schüler profitieren gleichermaßen. Wer weiß, wie man KI gezielt nutzt, kann sich pädagogisch sinnvoll Unterstützung holen, andere lassen sich Aufgaben eher abnehmen oder hinterfragen die Ergebnisse nicht. Hinzu kommt: Manche Familien können sich kostenpflichtige Angebote leisten, andere nicht. „Bildungserfolg hängt schon lange vom sozialen Hintergrund ab, durch KI wird sich das eher verstärken“, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV).

    Unterricht im Umbruch: Lehrkräfte suchen neue Wege

    Viele Lehrkräfte experimentieren mit neuen Formaten, oft aber ohne klare Leitlinien. Wie stark KI dabei zum Einsatz kommt, hängt auch vom Fach und der Lehrkraft ab. Es gebe es pädagogischen Spielraum, um Aufgabenformate anzupassen und Lernen anders zu begleiten, so Schmidt. Gleichzeitig räumt er ein, dass nicht alles glattläuft. Neue Ansätze werden ausprobiert, angepasst und verworfen. „Das erfordert aber auch Mut.“

    Sebastian Schmidt ist Lehrer in Neu-Ulm und berät Realschulen in Schwaben zu digitaler Bildung.
    Sebastian Schmidt ist Lehrer in Neu-Ulm und berät Realschulen in Schwaben zu digitaler Bildung. Foto: Ulrich Wagner

    Neue Lernmodelle mit KI: vom Ergebnis zum Lernprozess

    Erste Ansätze, wie das aussehen kann, gibt es bereits. Wer KI nutzt, muss nachvollziehen, wie Ergebnisse entstehen und sie einordnen können. Auch KI aktiv in den Unterricht zu integrieren, gilt als möglicher Weg. „Man könnte bewusst mit KI arbeiten und den Entstehungsprozess transparent machen, etwa über die Offenlegung von Prompts“, so Sailer. Gemeint sind damit die Eingaben oder Arbeitsanweisungen an die KI. Entscheidend wäre dann nicht mehr, ob KI genutzt wird, sondern wie reflektiert.

    Auch Hausaufgaben könnten sich verändern. Statt fertige Ergebnisse abzugeben, würden Schülerinnen und Schüler stärker ihren Lösungsweg und die Rolle von KI dokumentieren – ein Ansatz, den einzelne Lehrkräfte wie Sebastian Schmidt bereits erproben. Denkbar sind kurze Präsentationen, mündliche Verteidigungen oder Aufgaben, die im Unterricht weitergeführt werden. Hausaufgaben dienten dann eher der Vorbereitung oder Reflexion – etwa, indem sie Inhalte mit KI erarbeiten und im Unterricht zeigen, was sie verstanden haben. So könnten sie etwa ein Thema zu Hause mithilfe von KI vorbereiten und am nächsten Tag kurz vor der Klasse vorstellen und erklären.

    Konzepte wie das sogenannte „Flipped Classroom“-Modell gewinnen an Bedeutung: Inhalte werden etwa anhand von Videos zu Hause erarbeitet, die Übungsphase liegt im Unterricht. Lehrkräfte können so besser begleiten und Lernprozesse nachvollziehen. Auch die Bewertung könnte sich verschieben – weg von fertigen Ergebnissen, hin zu klaren Kriterien und individuellem Lernfortschritt.

    Am Ende steht eine grundsätzliche Frage: Welche Rolle Hausaufgaben künftig noch spielen sollen. Für Simone Fleischmann vom BLLV ist die Antwort klar: „Die moderne Schule sollte eigentlich ohne klassische Hausaufgaben auskommen.“

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