Der Volksmund sagt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Soll heißen: Um klarzukommen mit dem, was man ist oder was das Leben einem vor die Füße wirft, hilft Lachen. Damit man allem Traurig-Tragischen etwas entgegenhalten kann. Auf ProSieben ist am Montagabend eine Quizshow angelaufen, die dem „trotzdem“ im Sprichwort nachgeht. Ob man lachen kann, auch wenn die eigene Dummheit verhandelt wird; obwohl die eigene Intelligenz zur Debatte steht. In „Deutschlands dümmster Promi“ buhlen acht mehr oder weniger Prominente aus TV und Internet darum, für nicht dumm befunden zu werden. Spoiler: klappt zum Auftakt nur mittel.
Mit dabei sind Ex-Pornodarstellerin Dolly Buster, Reality-TV-Sternchen Calvin Kleinen, Ex-Fußballer Mario Basler, Moderatorin Gülcan Kamps, Ex-Nachrichtensprecher Marc Bator – und zwei Politiker-Sprösslinge: Joe Laschet, Sohn des einstigen CDU-Chefs und Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet. Und die Tochter des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Gloria-Sophie Burkandt. Das klassische Quiz wird in dem Format umgedreht – Wissen wird bestraft und wer am meisten weiß, fliegt raus. Folglich darf sich, wer übrig bleibt, als Deutschlands dümmster Promi bezeichnen. Und wenn man Helmut Kohl nicht erkennt (Burkandt), Beethoven für einen Maler hält (Basler) oder Probleme beim Buchstabieren hat, dürften die Chancen nicht schlecht stehen.
Deutschlands dümmster Promi: Wer scheitert, gewinnt dieses Quiz
Solche Fragen müssen die Promis nämlich in der ersten Folge bewältigen: Logik-, Buchstabier- und allgemeine Wissensaufgaben. Etwa, wie man eine Kerze mithilfe einer Schachtel Streichhölzer und einer Reißzwecke an einer Pinnwand anbringt. Wie man einfache Komposita buchstabiert. Wie der Bundespräsident von Deutschland heißt – und wie ein männliches Schwein.
Natürlich scheitern die Promis an den Aufgaben, am eindrücklichsten der ehemalige Fußballspieler Mario Basler. In der Eile kann er Schiedsrichter nicht buchstabieren und hält Alice Schwarzer für eine Grünenpolitikerin („die zerstören unser Land!“). Die Pointe der Quizshow: Der oder die Dümmste dürfte wohl als die lustigste Person rüberkommen. Umso wichtiger, dass diese bis zur letzten Folge bleibt und das Publikum mit geistigen Ausfällen unterhält.
Das bedient Dödel-Humor, bekannt aus deutschen Reality-Formaten. Wir lachen, weil jemand etwas erwartbar Dummes tut. Aber ist das lustig? In einer Zeit, in der populistische Politiker auf Faktenfreiheit pochen und in den sozialen Medien nicht das überzeugendste Argument gewinnt, sondern das lauteste? Warum macht man bei sowas mit?
Buchstabieren? Kann die Söder-Tochter – „Papa ist stolz“
Sie liebe Spiele, hat Gloria-Sophie Burkandt im Vorfeld erklärt. Joe Laschet wurde von der Lust auf Neues angelockt. Beide, Burkandt und Laschet, profitieren in ihren Leben auch von der Berühmtheit ihrer Väter. Burkandt arbeitet als Model und schreibt in New York an ihrer Doktorarbeit. Laschet verdient sein Geld als Fashion-Influencer, der in den Sozialen Medien teure Herrenanzüge ausführt. Dass sie Kinder berühmter Väter sind und Erwartungen an sie gestellt werden, lassen Burkandt und Laschet ihr Publikum in der Quizshow immerzu wissen.
„Bei jeder falsch beantworteten Frage werde ich mir daheim was anhören müssen“, sagt Joe Laschet etwa. Sie sei sich sicher, dass auch ihr Papa nicht wisse, wie viele Mägen eine Kuh habe, kontert Gloria-Sophie Burkandt bei ebendieser Frage. Und auch das Moderatorenpaar, bestehend aus Christian Düren und Amira Aly, setzt auf die Bekanntheit der beiden Väter: „Papa Armin ist proud“ heißt es bei dem einen, „Papa ist stolz“ bei der anderen, als sie das Wort Koalitionsvertrag langsam, aber richtig buchstabiert.
Gloria-Sophie Burkandt spricht von Papst Domenico und verschätzt sich bei Kohl
Ob Papa Söder immer noch stolz ist, als Gloria-Sophie den Mann nicht erkennt, der 16 Jahre lang als Unions-Kanzler die Bundesrepublik Deutschland regierte? Die 26-Jährige starrt auf das Bild von Helmut Kohl – „ein SPDler?“ Bei der Frage nach dem Namen des neuen Papstes geht es Burkandt nicht besser. Domenico schlägt sie vor, da dürfte Papst Leo XIV. nur den Kopf schütteln. „Ich hatte eine Blockade, das ist peinlich“, sagt Burkandt, wirklich kopfschüttelnd. Joe Laschet hingegen glaubt fälschlicherweise, dass der Februar in einem Schaltjahr 28 Tage dauert.
Vor dem Fernseher kommen die Fragen eher harmlos daher, da hat man es aber auch leicht. Dass die strapazierten Promi-Nerven unter Zeitdruck mal beim Buchstabieren versagen, eh klar. Dass Mario Basler auf das Gesicht von Frank-Walter Steinmeier guckt und „Unser Bundespräsident! Toller Mann, Herr Seehofer!“ ruft, klingt nach aufrichtiger Unwissenheit. Aber ob die Sendung wirklich lustig ist? Obwohl ProSieben eine Stimme aus dem Off kommentieren lässt, die Kandidatinnen und Kandidaten zu verschiedenen Spielen antreten müssen und sie sich „hinter den Kulissen“ selbst bewerten dürfen: wirklich lachen muss man trotzdem (!) nicht.
Am Ende gelingt es beiden Politiker-Sprösslingen nicht, die eigene Ehre zu retten und aus der Show auszuscheiden – nur Nachrichtensprecher Marc Bator ist erlöst von der Bedrohung durch die Dummheit. Dabei hat Papa Armin vor der Show zu Joe Laschet doch gesagt: „Sieh zu, dass du schnell rausfliegst“, wie er erzählt. Diese Hoffnung hat er schon mal enttäuscht.
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