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Hackertreffen: Chaos Communication Congress gegen Überwachungsprogramme

Hackertreffen

Chaos Communication Congress gegen Überwachungsprogramme

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    Teilnehmer des 30C3 sitzen mit ihren Laptops in einem Becken mit Verpackungsmaterial. Beim CCC versammelt sich die Hackerszene - und sucht nach Antworten auf die Überwachung der Geheimdienste.
    Teilnehmer des 30C3 sitzen mit ihren Laptops in einem Becken mit Verpackungsmaterial. Beim CCC versammelt sich die Hackerszene - und sucht nach Antworten auf die Überwachung der Geheimdienste. Foto: Bodo Marks (dpa)

    Chaospatinnen wollen Erstbesuchern des Chaos Communication Congress helfen, Berührungsängste zu überwinden. "Wir wollen den Kongress öffnen und Leute ermutigen herzukommen", sagt Fiona Krakenbürger, die das Projekt mitorganisiert hat. Sie empfiehlt Neulingen, sich das Löten zeigen zu lassen - denn wer zu Hause selbst an seinem Computer herumbasteln will, muss an der Hardware löten können.

    Bis zu 8000 Teilnehmer beim Chaos Communication Congress

    Der Chaos Communication Congress ist gewachsen in den vergangenen Jahren, diesmal rechnen die Veranstalter mit bis zu 8000 Teilnehmern. Doch die Hemmschwelle für diejenigen, die niemanden in der Szene kennen, sei immer noch hoch, sagt Fiona. Die 30 Paten beantworten Fragen und weisen den Weg. Ihre Tipps zeigen auch, wie vielfältig die Hackerszene ist, die sich hier versammelt hat: Hardware-Bastler, die eigene Geräte zusammenbauen, Politik-Aktivisten und Verschlüsselungs-Experten, sie alle sind hier. Neben den gefeierten Hauptreden, die die Enthüllungen von Edward Snowden zum Thema haben, gibt es unzählige Vorträge zu breiten und Nischenthemen.

    CCC: Eine Halle zum Basteln

    Eine ganze Halle im Hamburger Kongresszentrum ist für Basteleien aller Art reserviert. Vom Bällebad aus hat man einen guten Ausblick auf das Gewusel. An einem Tisch stehen Dutzende kleine Plastikplatten mit Leuchtdioden, die in bunten Mustern aufblinken. Interessierte können sich die Sets vor Ort kaufen und unter Anleitung selber bauen. Lötkolben dafür stehen bereit. "Da ist schon den ganzen Vormittag die Hölle los", sagt Simon, der an dem Stand mithilft. Über 100 Sets hätten sie bereits verkauft.

    Alles ist zum Ausprobieren und Nachbauen gedacht. "Meine "Patenkinder" sitzen alle gerade hinter der Wand und löten", sagt "Chaospate" Arne.

    Greenwald setzt Hoffnung in Hacker

    Der Fall Snowden - Eine Chronologie

    Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist seit Wochen auf der Flucht. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen der Affäre:

    5. Juni: Die britische Zeitung «The Guardian» berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

    6. Juni: Berichten der «Washington Post» und des «Guardian» zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

    7. Juni: US-Präsident Barack Obama spricht von einem notwendigen Kompromiss zwischen Privatsphäre und Sicherheit.

    9. Juni: Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit «hunderttausende Computer» zu überwachen.

    21. Juni: Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

    23. Juni: Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

    25. Juni: Russlands Präsident Wladimir Putin bestätigt, dass sich der Ex-Geheimdienstmitarbeiter weiterhin im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält.

    30. Juni: Auch die EU ist laut Berichten des Magazins «Der Spiegel» Opfer der NSA-Spionage geworden. Der Geheimdienst habe unter anderem die EU-Vertretung in Washington und New York abgehört. Frankreich und Deutschland verlangen Aufklärung von der US-Regierung. Obama verspricht, alle Informationen vorzulegen.

    1. Juli: Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform «Wikileaks» hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

    2. Juli: Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

    3. Juli: Der Fall Snowden führt zu weiteren diplomatischen Verwicklungen. Der bolivianische Präsident Evo Morales muss während eines Flugs von Moskau in seine Heimat einen 13-stündigen Zwangsstopp in Wien einlegen, nachdem ihm mehrere EU-Länder den Überflug verwehrt hatten. Hintergrund sind offenbar Gerüchte, dass sich Snowden an Bord der Maschine befand.

    5. Juli: Nicaragua, Venezuela und Bolivien erklären sich bereit, Snowden aufzunehmen.

    7. Juli: Snowden beschuldigt den Bundesnachrichtendienst in einem «Spiegel»-Interview, schon seit langem mit der NSA zusammenzuarbeiten.

    12. Juli: Snowden beantragt vorübergehendes Asyl in Russland, um anschließend nach Lateinamerika ausreisen zu können. Der russische Parlamentspräsident Sergej Naryschkin, ein Vertrauter Putins, spricht sich dafür aus, Snowden zumindest zeitlich begrenzt politisches Asyl zu gewähren.

    20. August: Die englische Regierung zwingt Redakteure des "Guardian", Material zur NSA-Affäre zu vernichten. Es seien mehrere Festplatten im Keller der Redaktion zerstört worden, berichtet "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger.

    27. Oktober 2013: Durch die Informationen von Edward Snowden kommt ans Licht, dass die USA das Handy der Bundeskanzlerin abgehört haben. Angeblich hat die NSA 35 Staatsführer weltweit belauscht.

    31. Oktober 2013: Der Berliner Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele reist unter größter Geheimhaltung nach Moskau und trifft Edward Snowden.

    Ströbele bringt einen Brief Snowdens mit nach Deutschland: Darin bietet er an, in Deutschland auszusagen - erbittet im Gegenzug aber Asyl in der Bundesrepublik.

    Diese Mitmach-Einstellung zieht sich auch durch den politischen Teil des Kongresses. Es sei an den Hackern selbst, das Internet neu zu erfinden, ruft der Eröffnungsredner Tim Pritlove den Teilnehmern am Freitagabend zu. Der Journalist Glenn Greenwald, der auf Basis der Snowden-Dokumente über die Überwachungsprogramme der Geheimdienste berichtet, wird noch pathetischer. "Ich denke letztendlich, dass die größte Hoffnung auf den Menschen in diesem Raum ruht", sagt er per Videoschalte aus Rio de Janeiro. Die Hacker hätten die Kenntnisse, um Technologie sicherer zu machen.

    Greenwald wettert gegen die US-Regierung, die mit drakonischen Strafen potenzielle Informanten abschrecken und Snowden für den Rest seines Lebens ins Gefängnis stecken wolle. Er erntet viel Applaus.

    Machtinteressen müssten bei Datensammlungen infrage gestellt werden

    Später schlägt die US-Journalistin Quinn Norton ruhigere Töne an. "Staaten wollen wissen, was die Menschen machen, aus guten und schlechten Gründen", sagt sie. So sei es unter Umständen sinnvoll, Gesundheitsdaten zu sammeln, um ansteckende Krankheiten einzudämmen. Es komme darauf an, die Machtinteressen dahinter infrage zu stellen.

    Solche Kämpfe führen in den USA die Aktivisten der Electronic Frontier Foundation (EFF). Sie ziehen gegen Überwachungsprogramme vor Gericht und dringen auf Gesetzesänderungen. Auch sie haben in den vergangenen Monaten den "Snowden-Effekt" gespürt, sagt Aaron Jue, der bei der EFF für die Mitgliederbetreuung zuständig ist. Mit 26 000 Mitgliedern habe man inzwischen ein Allzeithoch erreicht. "Die Menschen sind aufmerksamer geworden und wollen mehr wissen."

    Jue hat Sticker, T-Shirts und Baseballcaps der EFF dabei. Einige zeigen einen Adler, der dicke Kabelstränge in den Krallen hält. Es ist ein Protestsymbol gegen die Überwachungsprogramme. Angeblich besitzt auch Edward Snowden einen Kapuzenpulli mit dem EFF-Aufdruck. dpa/AZ

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