22 Schafe in Bachhagel gestorben: Schimmliges Brot gefüttert?
Bachhagel
Rätselhafter Tod von 22 Schafen: „Haben sie mit der Flasche aufgezogen. Jetzt sind sie tot“
Eigentlich hielt Uwe Rinker in Bachhagel 39 Schafe. Jetzt sind es noch 17. Erst am Montagmorgen findet er wieder ein totes Tier. Hat ihnen jemand schlechtes Brot gefüttert?
Uwe Rinker und Ilona Lehmann hatten einmal 39 Schafe. Jetzt sind es noch 17. Foto: Jonathan Mayer
Als Uwe Rinker und Ilona Lehmann am Montagvormittag nach ihren Schafen auf der Weide schauen, liegt dort schon wieder eines. Unter den Anhänger, in dem die Schafe vor Wind und Wetter Zuflucht suchen können, hat sich das junge Tier verkrochen, um zu sterben. Rinker steigt über den Weidezaun, packt den Kadaver an den Beinen und zieht ihn übers feuchte Gras zum Auto. „Wieder eins. Wahnsinn“, sagt er knapp. 21 weitere Tiere hat das Paar verloren. Innerhalb von drei Wochen. Und noch sind nicht alle übern Berg.
Rinker und Lehmann sind fassungslos. Vor rund drei Wochen haben sie zum ersten Mal ein totes Tier auf ihrer Weide an der Staatsstraße 1082 gefunden. Dann kamen immer wieder neue dazu. Der Landwirt, der im Schwarzwald früher eine Herde von 3500 Tieren hütete, fand auch relativ bald danach Hinweise auf das, was den Tieren so zugesetzt haben könnte. Auf der Weide lag altes Brot, teilweise verschimmelt. Und das immer wieder. Die Tiere haben es offenbar gefressen und sind daran verendet. Das hat laut Rinker auch eine tierärztliche Untersuchung bestätigt.
Dieses Brot hat Uwe Rinker erst in den vergangenen Tagen auf der Weide gefunden.Foto: Jonathan Mayer
Der Bachhagler hat mehr als die Hälfte seiner Schafe verloren
Brot ist für Schafe kein geeignetes Futter. „Der Pansen ist nicht auf leicht verdauliches Essen ausgelegt“, erklärt Dr. Ursula Domes vom Tiergesundheitsdienst Bayern. Gerade, wenn Schimmel auf dem Brot zu finden sei. Der sammle sich in der Leber und könne zum Tod führen. Aus ihrem Arbeitsalltag als Fachtierärztin für kleine Wiederkäuer bestätigt sie aber: „Viele Schäfer haben das Problem, dass die Leute die Schafe füttern, weil sie es gut meinen. Das ist aber gar nicht nötig.“
Wochenlang fand Rinker immer wieder tote Schafe auf der Weide – und Brot. Zwischenzeitlich hatte sich die Lage verbessert. „Ich dachte, jetzt ist Ruhe. Dann lagen da wieder welche“, erzählt er. Auch auf dem Hof in der Ortsmitte von Bachhagel liegt am Montag noch ein Kadaver in einer Schubkarre. Der Abdecker arbeitet am Wochenende nicht, das Tier wurde noch nicht abgeholt.
Schafen sollte man kein Brot füttern, da sie es nicht vertragen.Foto: Jonathan Mayer
Die Schafe waren dem Paar heilig. Einige von ihnen hatten sie selbst von Hand und mit der Flasche aufgezogen, erzählen sie. „Als die zu uns kamen, hat man gesagt, die kriegen wir niemals durch.“ Doch Lehmann und Rinker haben sie durchgekriegt. Die beiden nahmen die Lämmer auf, richteten sogar im Badezimmer eine Ecke für sie ein, wo sie es warm hatten. „Ich hab’ mir eine Arbeit gemacht, das war nicht mehr normal“, sagt Rinker. Und Lehmann ergänzt: „Wir haben sie mit dem Fläschchen aufgezogen. Und jetzt sind sie tot.“
Die Polizei Dillingen ermittelt wegen der toten Schafe weiter
Rinker hat am Wochenende die Polizei eingeschaltet. Ihm reicht es. „Das ist für uns ja auch ein wirtschaftlicher Schaden“, sagt er. Die Dillinger Beamten ermitteln wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung (Tiere sind rechtlich gesehen Dinge) gegen Unbekannt. Stand Montagmittag laufen die Ermittlungen noch, heißt es dort. Pressesprecher Gunther Hetz zufolge habe die tierärztliche Untersuchung ergeben, dass die Fütterung mit Brot zum Tod der Tiere geführt hat. Der Zeugenaufruf der Polizei schaffte es auch in die überregionale Presse. Und auch Bachhagels Bürgermeister Ingo Hellstern erkundigt sich am Montagmorgen bei dem Schafhalter über die Lage. Er sagt, im Ort habe es historisch betrachtet lange Schafzucht gegeben. Dass hier jemand in böser Absicht handelte, kann er sich nicht vorstellen. Rinker wiederum ist sich da nicht so sicher.
Mit diesem Schild warnt Rinker in Bachhagel, dass man die Schafe nicht füttern sollte. Foto: Jonathan Mayer
Ihm geht es aber auch um etwas anderes: „Meine Schafe sind schon tot. Es geht auch um andere.“ Die Leute müssten verstehen, dass man fremde Tiere nicht füttern soll. „Die haben auf der Weide alles, was sie brauchen.“ Im Zweifelsfall füttere der Landwirt Cobs, eine Art Graspellets, zu. Auch Dr. Domes sieht das so: „Viele glauben, das ist ein Streichelzoo, wenn sie Tiere auf der Weide sehen. Aber es sind Nutztiere.“ Rinker hat ein entsprechendes Hinweisschild an seiner Weide schon angebracht.
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