Fünfeinhalb Wochen nach dem Brand des Edeka in Höchstädt haben die Aufräumarbeiten in der Ruine noch immer nicht begonnen. Zuletzt beschwerten sich Bürger wegen „Verwesungsgerüchen“ bei Bürgermeister Gerrit Maneth. Und auch ein Anwohner teilte unserer Zeitung mit, dass es „wie auf einer Mülldeponie stinkt“.
Die Gerüche stammen offensichtlich von verfaulenden Lebensmitteln. Der Grund für den Stillstand: Die Versicherungen haben den Supermarkt noch nicht zum Abbruch freigegeben. Es muss nach Informationen unserer Zeitung noch geklärt werden, wie hoch der Schaden der zerstörten Waren ist. Die Polizei hatte ihn in einer ersten Schätzung mit 1,5 Millionen Euro angegeben, der Wert des Gebäudes wurde auf vier Millionen Euro beziffert.
Edeka Höchstädt: Polizei geht weiterhin von vorsätzlicher Brandstiftung aus
Die Ermittler haben die Brandstelle längst freigegeben, informiert der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Dillingen, Michael Lechner. „Wir gehen immer noch von vorsätzlicher Brandstiftung aus“, sagt Lechner. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Ob es einen Verdächtigen gibt, der für die Brandstiftung infrage kommt, dazu äußerte sich die Polizei nicht. Brände seien grundsätzlich schwer aufzuklären, erläuterte Lechner. Hoffnungslos sei die Sache aber nicht. Der Kripo-Chef nannte als Beispiel den Brand in der Tiefgarage in Dillingen vom 13. März 2017, der noch ungeklärt sei. Den Fall habe die Kripo immer noch „auf der Platte“. Sprecher Christian Strauß von Edeka Südbayern in Gaimersheim bestätigte auf Anfrage erneut, dass Edeka in Höchstädt „so schnell wie möglich wieder zurückkommen will“. Geklärt ist auch, dass Eigentümer Rudy Kimmerle den Supermarkt an diesem Standort wieder aufbauen wird. „Wir errichten auf dem bestehenden Grundstück einen neuen Markt“, versicherte der Unternehmer. In Höchstädt hatte es zuletzt Spekulationen darüber gegeben, ob der Markt an anderer Stelle gebaut werden soll. Kimmerle erklärte, dass die Planungs- und Genehmigungsphase länger als die reine Bauzeit dauern werde. Denn die liege nur bei etwa sechs bis neun Monaten. Rudy Kimmerle rechnet damit, dass es etwa eineinhalb bis zwei Jahre dauern wird, bis der Edeka neu am Standort in der Lutzinger Straße eröffnet. Wohnungen auf dem Markt, wie jüngst bei Supermarkt-Ketten zu sehen, werden auf dem Edeka nicht gebaut, ebenso wenig eine Tiefgarage. Die würde an diesem Standort wenig genutzt, glaubt Kimmerle.
Die Aufräumarbeiten beim Edeka in Höchstädt beginnen demnächst
Der Abriss und die Aufräumarbeiten werden vermutlich vier bis sechs Wochen dauern, informiert der Unternehmer. „Wir haben bisher auf die Freigabe gewartet“, sagt der Höchstädter. Er rechne damit, dass die Arbeiten in diesen Tagen beginnen. In der Zwischenzeit soll der Einkaufsmarkt mit seiner Postagentur in einem Provisorium unterkommen. Edeka prüfe verschiedenste Optionen, ob eine Zwischenlösung eingerichtet werden kann, hatte Sprecher Strauß unserer Zeitung mitgeteilt. Und Bürgermeister Maneth sagte: „Es gibt eine gute Chance für eine Interimslösung.“
Der Edeka an der Lutzinger Straße ist in der Nacht zum Sonntag, 24. Mai, abgebrannt. Als die Feuerwehren gegen 4.20 Uhr alarmiert wurden, stand der Markt bereits in hellen Flammen. Etwa 100 Einsatzkräfte kämpften gegen die Feuersbrunst, sie konnten aber ein Abbrennen des Supermarkts nicht verhindern.
Lesen Sie auch:
- Höchstädter Stadtrat: Viele Informationen – eine offene Frage
- Edeka-Brand in Höchstädt: Die Kripo bittet um Hinweise
- Höchstädter müssen kein Trinkwasser mehr abkochen
- Edeka-Großbrand: Zum Glück nur Sachschaden
- Großbrand: Ein Polizeihund durchsucht den zerstörten Edeka