Landkreis Dillingen: Eine Überraschung und eine Stichwahl
Landkreis Dillingen
Eine Überraschung und eine Stichwahl
Thomas Reicherzer wird Bürgermeister in Wittislingen. Syrgenstein wählt noch einmal - ein Überblick über die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl im Landkreis Dillingen.
Von Berthold Veh und Jonathan Mayer|18.04.20 - aktualisiert:
|
|
|
Thomas Reicherzer (mit Lebensgefährtin Bianca Hecker) wurde am Sonntag in Wittislingen zum Bürgermeister gewählt.Foto: Jonathan Mayer
Bei der Kommunalwahl im Landkreis Dillingen hat es eine große Überraschung gegeben – und zwar in Wittislingen. Denn dort machen am Ende 13 Stimmen den Unterschied. In der Egau-Kommune, das steht am Sonntagabend fest, heißt der neue Bürgermeister Thomas Reicherzer (SPD). (Thomas Reicherzer ist in Wittislingen mit 24 Jahren Bürgermeister). Der 24-Jährige dürfte damit einer der jüngsten Rathauschefs in Deutschland sein. Doch das knappe Ergebnis ist noch nicht endgültig:
Reicherzers Konkurrent Paul Seitz, bisher Zweiter Bürgermeister, fordert am Abend gegenüber unserer Redaktion eine Nachzählung der Stimmen ein. „Darauf bestehe ich bei so einem knappen Ergebnis“, sagt der CSU-Politiker.
In Syrgenstein gibt es in 14 Tagen eine Stichwahl zwischen Mirjam Steiner und Ralph Kindelmann. Foto: Andreas Schopf
Spannend bleibt es auch im Bachtal. Denn dort müssen die Bürger in 14 Tagen noch einmal wählen. Die Pole-Position hat dabei Mirjam Steiner (SPD), die Tochter des Rathauschefs Bernd Steiner, der nach 36 Jahren nicht mehr kandidierte. Die 40-Jährige erhielt insgesamt 47 Prozent der Stimmen und ist somit Favoritin für die Stichwahl in zwei Wochen (Steiner vor Kindelmann: In Syrgenstein kommt es zur Stichwahl). Konkurrent wird Ralf Kindelmann (CSU) sein, der knapp 29 Prozent verbuchen konnte. Nicht mehr im Rennen ist dagegen Dieter Kogge (Freie Wählervereinigung Landshausen), für den lediglich 24 Prozent der Wähler in der Bachtalgemeinde ihr Kreuz gemacht haben.
Euphorisch ist der wiedergewählte Oberbürgermeister von Dillingen nicht
In Aislingen, Blindheim, Finningen und Dillingen wurden die Amtsinhaber Jürgen Kopriva, Jürgen Frank, Klaus Friegel und Frank Kunz meist eindrucksvoll in ihren Ämtern bestätigt. Nicht so recht freuen konnte sich Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz, der wegen der Corona-Krise die Wahlparty im Rathaus abgesagt hatte. Das Ergebnis von 84,8 Prozent sei eine richtige Hausnummer. „Das gibt Kraft und Rückenwind für die anstehenden Aufgaben“, sagte der OB. (Frank Kunz bleibt Oberbürgermeister - und jubelt nicht) Und er meinte damit nicht nur die Stadtentwicklung. Euphorisch war Kunz allerdings nicht. Denn die Sorge wegen drohender Coronavirus-Infektionen trübte die Freude des wiedergewählten Amtsinhabers. „Ich bin überzeugt, dass wir diese Krise meistern, wenn wir entschlossen, mutig und solidarisch sind“, sagte der Oberbürgermeister. Um die älteren Mitbürger zu schützen, brauche es jetzt die Zurückhaltung bei den sozialen Kontakten.
Die neuen Bürgermeister im Landkreis Dillingen
In Schwenningen schaffte es Johannes Ebermayer (links) im ersten Anlauf gegen zwei Konkurrenten. Ihm gratulierte Reinhold Schilling. Foto: Simone Bronnhuber
Neue Rathauschefs gibt es in Bachhagel (Ingo Hellstern), Bächingen (Siegmund Meck), Holzheim (Simon Peter), Lutzingen (Christian Weber), Schwenningen (Johannes Ebermayer), Wittislingen (Thomas Reicherzer) und Zusamaltheim (Stephan Lutz). Die anderen amtierenden Rathauschefs im Landkreis, die keinen Gegenkandidaten hatten, erhielten oft überwältigende Ergebnisse. Das beste Resultat erzielte dabei der Medlinger Bürgermeister Stefan Taglang, der 96,6 Prozent erhielt.
Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl lag am Sonntag nach einer ersten Schätzung bei 55 Prozent. Vor sechs Jahren hatten 57,5 Prozent der Stimmberechtigten gewählt. Extrem hoch war der Anteil der Briefwähler. Bereits am Donnerstagabend hatten mehr als 40 Prozent der Stimmberechtigten Briefwahl beantragt.
Am Wahlsonntag herrschten Sonnenschein und Temperaturen von etwa 13 Grad. Die Corona-Krise war jedoch allgegenwärtig. Vor dem Wählen mussten sich die Bürger die Hände waschen oder desinfizieren (Erst Hände waschen, dann wählen). Einige Wähler folgten auch einem Rat und brachten ihre eigenen Kugelschreiber in die Wahlkabinen mit.