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Landkreis Dillingen: Für Astronauten hätte sich ein Trip nach Dillingen gelohnt

Landkreis Dillingen

Für Astronauten hätte sich ein Trip nach Dillingen gelohnt

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    In den Weiten des Weltalls ergibt sich ein faszinierender Blick auf unseren Planeten: Vor einem halben Jahrhundert verließen US-Astronauten die Erde und landeten erstmals auf dem Mond.
    In den Weiten des Weltalls ergibt sich ein faszinierender Blick auf unseren Planeten: Vor einem halben Jahrhundert verließen US-Astronauten die Erde und landeten erstmals auf dem Mond. Foto: Mihail, adobe.stock.com

    Am 21. Juli ist es 50 Jahre her, dass die ersten Menschen auf dem Mond landeten. Mehr als eine halbe Milliarde Zuschauer verfolgten den Ausstieg aus der Mondlandefähre „Eagle“ (Adler) live im Schwarzweiß-Fernsehen mit. Die Bilanz aller Einsätze: Zwölf Astronauten betreten den Erdtrabanten und bringen fast 400 Kilogramm Gesteinsproben mit. Kostenpunkt: 120 Milliarden Dollar.

    Am Samstagabend haben wir Vollmond. Der nur ein Viertel der Erdgröße erreichende Trabant umkreist seinen Mutterplaneten in einer Entfernung von knapp 400.000 Kilometern. Nicht ganz so weit fällt ein Fußmarsch von Dillingens einzig erhaltenem Stadttor zur naturhistorischen Sammlung in der ehemaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule aus. Im heutigen Gebäude der bundesweit bedeutenden Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung schlummert seit Langem fast wie im Verborgenen ein musealer Schatz, den Hans-Joachim Gregor als „das Beste, was es in Bayern davon gibt“, bezeichnet. Der mit einem sympathischen Lächeln ausgestattete Mann aus Olching bei München, darf sich als Kenner der Museumsszene und studierter Geologe wie Paläontologe solch ein Urteil wohl erlauben. Arbeitet der 75-Jährige doch etwa als Betreuer des renommierten Augsburger Naturmuseums und bringt so manche angestaubte Ansammlung von Exponaten wieder in Schuss.

    „Geschichtswissenschaftliches Juwel“ in Dillingen

    So auch die in der Fachbranche als „geschichtswissenschaftliches Juwel“ bezeichnete Artefakte-Kollektion an der Donau mit sogar mittelalterlichen Wurzeln. Dabei lernte Gregor mit Gerhard Moosburger auch einen erfahrenen Lehrer und Wissenschaftler vom Fach kennen. Das Akademie-Gründungsmitglied blieb dem Haus, in dem er als stellvertretender Leiter Verantwortung übernahm, von 1972 bis 2004 treu. Der heutige 77 Jahre alte Oberstudiendirektor im Ruhestand weiß nur zu gut Bescheid über den Beitrag, den insbesondere Paul Zenetti vor über 100 Jahren zum Aufbau und Erhalt der Sammlung in drei Räumen und den Fluren leistete. Ein kluger Mann, der als engagierter Naturwissenschaftler auf den Erhalt seiner Erkenntnisse und Mitbringsel von Exkursionen großen Wert legte. Der spätere Rektor brachte prächtige geologische und paläontologisches Funde mit, ordnete und sortierte mit großem Eifer. Überhaupt besticht die Schau in dem altehrwürdigen Gebäude an der Kardinal-von-Waldburg-Straße durch Wertvolles wie Ausgefallenes und Kurioses. „Da stehen und liegen bis zu 100.000 Sachen“, schätzt Gregor und verweist auf die zahllosen Exponate in Vitrinen, Schubladen, Regalen und Schränken: Tiere, Skelette und Schädel, Meereswesen, Fossilien und Insekten kommen da zum Vorschein.

    Am prächtigen Akademie-Eingangsportal in der Kardinal-von-Waldburg-Straße: Geologe Hans-Joachim Gregor (links) mit seinem Bekannten, dem Lehrer und Wissenschaftler Gerhard Moosburger. Sie begutachten das dortige Suevit-Gestein, das Ähnlichkeiten mit dem Mondmaterial aufweist.
    Am prächtigen Akademie-Eingangsportal in der Kardinal-von-Waldburg-Straße: Geologe Hans-Joachim Gregor (links) mit seinem Bekannten, dem Lehrer und Wissenschaftler Gerhard Moosburger. Sie begutachten das dortige Suevit-Gestein, das Ähnlichkeiten mit dem Mondmaterial aufweist. Foto: Günter Stauch

    Voller Lob für die wissenschaftlichen Sammler aus Kirche und Welt der vergangenen Jahrhunderte und ziemlichem Stolz über zum Beispiel den neuseeländischen Eulenpapagei namens Kakapo berichtet der Ausstellungsfachmann vom Besuch eines Vogelexperten, der „bei dessen Anblick einen wahren Freudenschrei ausgestoßen“ habe. Nicht weit davon entfernt zieht ein riesiger Mondfisch die Blicke der Besucher in seinen Bann, der bis zu vier Meter groß werden kann. Apropos: Dass man im heurigen Gedenkjahr der ersten Landung eines Menschen auf dem Erdbegleiter an der Sammlung in Dillingen kaum vorbeikommt, ist ebenfalls dem wissensdurstigen und aus Lauingen stammenden Paul Zenetti und dessen intensiver Erforschung schwäbischen Bodens zu verdanken. Davon zeugen allein 15 Sammlungsschubladen voll mit sehenswerten Gesteinsproben aus dem Nördlinger Ries. Die nur aus der Vogelperspektive als Krater erkennbare, 25 Kilometer breite Landschaft entstand vor rund 15 Millionen Jahren durch den Einschlag eines knapp einen Kilometer großen Meteoriten, der – drei Milliarden Tonnen schwer und unglaubliche 110.000 Kilometer pro Stunde schnell – im heutigen Nachbarlandkreis einschlug.

    Das in vielen Farben schillernde Suevit-Gestein – der Schwabenstein – wurde früher gern verbaut, ist aber auch aus kosmischer Sicht ein interessantes Material. Auch in der naturhistorischen Sammlung der Akademie finden sich viele dieser Gesteinsbrocken.
    Das in vielen Farben schillernde Suevit-Gestein – der Schwabenstein – wurde früher gern verbaut, ist aber auch aus kosmischer Sicht ein interessantes Material. Auch in der naturhistorischen Sammlung der Akademie finden sich viele dieser Gesteinsbrocken. Foto: Günter Stauch

    Eine Wucht von 250.000 Atombomben

    „Auch hier flogen damals Gesteinsbrocken nur so herum“, erklärt der erfahrene Geologe Hans-Joachim Gregor die gewaltigen Auswirkungen des kosmischen Besuchers bis in die jetzige Region Augsburg. Noch als jungem Studenten war ihm der Graben von den Lehrern als Folge vulkanischer Aktivitäten „verkauft“ worden – bis intensive Studien etwa aus den USA in den Sechzigerjahren die wahre Herkunft belegten. Vom Inferno mit einer Wucht von 250.000 Atombomben des Typs Hiroshima zeugen noch heute die sogenannten Suevit-Steine, passend übersetzt Schwabenstein. Schon die Römer verbauten das leicht zu bearbeitende Baumaterial, ganze Bauwerke in Nördlingen wurden mit dem Suevit aufgestellt. Sogar das prächtige Eingangsportal zur Akademie trägt seine Spuren. „Aber es taugt wenig, weil es sehr verwitterungsanfällig ist“, urteilt Gesteinskenner Gregor über den grün bis braunen Stoff.

    Ähnlichkeiten zwischen dem Ries und dem Mond

    Unbezahlbar dagegen sind die Erkenntnisse über den Ursprung, zumal es Ähnlichkeiten zwischen dem Ries-„Loch“ und den Einschlagsöffnungen auf dem Mond gibt. Schon der schwäbische Gelehrte Zenetti hatte zu seiner Zeit vom „Ries als einer der größten geologischen Merkwürdigkeiten Deutschlands“ gesprochen und beim seinerzeitigen Streit um die Entstehungshypothesen kräftig mitgemischt. Von Apollo-Astronauten später mitgebrachte Gesteinsproben brachten den Beweis der Einschlagstheorie mit. Ihre Kenntnisse konnten ein paar der Raumfahrer in den Siebzigerjahren bei einem Besuch in Nördlingen und Umgebung vertiefen. Bei einem kleinen Abstecher ins nahe Dillingen und dessen naturhistorische Sammlung hätten die Weltall-Pioniere ihre wahre Freude gehabt. Wenn’s mit den Mondmännern nicht klappte, dann eventuell mit der ersten Frau im Mond: Die USA planen die nächste Reise dorthin ab dem Jahr 2024. Dann soll eine Astronautin ihren Fuß als erstes in den kohlefarbenen Mondstaub setzen. Schöne Vorstellung in der heutigen Mondscheinnacht.

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