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Lauingen: Expertin aus Lauingen: So verschwindet der Lockdown-Frust bei Familien

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Expertin aus Lauingen: So verschwindet der Lockdown-Frust bei Familien

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    Die Nerven liegen bei vielen Familien im Lockdown inzwischen blank. Mit welchen Tipps sie einfach durch den Alltag kommen und was dem Familienleben in dieser Zeit helfen kann, hat eine Lauinger Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin verraten.
    Die Nerven liegen bei vielen Familien im Lockdown inzwischen blank. Mit welchen Tipps sie einfach durch den Alltag kommen und was dem Familienleben in dieser Zeit helfen kann, hat eine Lauinger Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin verraten. Foto: Julian Stratenschulte, dpa (Symbol)

    Einfach Mama und Papa sein war gestern. Eltern müssen in diesen Tagen in die verschiedensten Rollen schlüpfen: Sie sind Arbeitnehmer, Erzieher, Lehrer und Spielgefährte für den Nachwuchs zu Hause. Alles auf einmal. Die Corona-Pandemie macht es den Familien im Landkreis nicht leicht. Das beobachtet auch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Ulrike Rösch, die in Lauingen eine Praxis betreibt. Sie erklärt: „All diesen Rollen gerecht zu werden ist nicht einfach und bedeutet viel Stress für Eltern.“ Immer wieder stellt sie fest, dass dabei auch Versagensängste eine große Rolle spielen. „Viele sorgen sich, dass ihr Kind den Anschluss verlieren könnte, weil sie der Rolle des Lehrers oder Erziehers nicht gerecht werden“, sagt Rösch.

    Nicht jeder, weiß die Psychotherapeutin, ist zu Hause und kann dem Kind bei seinen Schulaufgaben helfen. Auch die Notbetreuung kommt nicht für alle Eltern in Frage. Statt anfallende Aufgaben am Vormittag zu erledigen, verschiebt sich der Schulalltag bei vielen Familien immer stärker in den Nachmittag hinein. „Ist dann am Abend ein Abgabetermin für eine Hausaufgabe oder für einen Wochenplan, bedeutet das großen Druck“, erläutert Rösch. Dadurch würden sich auch die Zeitstrukturen immer stärker vermischen. Dieser Umstand gebe Eltern wiederum oft das Gefühl ohne Unterbrechung im Einsatz sein zu müssen. Den ganzen Tag lang ständig auf Abruf bereitzustehen, bis das Kind schließlich schlafe. Viele vermutet sie, kommen nur noch dann zum Durchatmen, wenn das Kind einmal alleine beschäftigt ist. Zusätzliche Zeit vor Fernseher und Computer, sieht die Expertin jedoch kritisch. Wenn ein Kind nicht raus könne, den Kontakt zu Gleichaltrigen vermisse und dann als Alternative einen Film anschauen oder ein Videospiel spielen dürfe, sei das problematisch: „Auf Dauer sind Medien keine Lösung für Einsamkeit, Niedergeschlagenheit und vor allem kein Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen.“

    Fehlende Kontakte schlagen den Jugendlichen auf die Seele

    Gerade die fehlenden Außenkontakte erschweren den Familien zusätzlich den Alltag im Lockdown. „Es gibt quasi kaum Neues mehr, das man sich am Küchentisch noch erzählen könnte.“ Dieser Umstand mache ein stückweit unzufrieden und unausgeglichen. Um den Kindern Halt zu geben, rät sie Familien zu mehr Struktur im Alltag. Die Psychotherapeutin erläutert: „Kinder brauchen auch in normalen Zeiten feste Rituale.“ Gibt es feste Schulzeiten, Zeit zum Spielen und Malen, zum Schlafen – könne das eine große Erleichterung sein. Es gebe jedoch etliche junge Kinder, die keine festen Schlafenszeiten mehr hätten, zu spät ins Bett gingen, morgens zu spät aufwachten und beispielsweise die Videokonferenz mit der Klasse verpassten. „Am Wochenende oder an einem besonderen Wintertag kann man sicherlich eine Ausnahme machen“, sagt sie. Generell sei die Struktur aber sehr wichtig.

    Auch Bewegung dürfe in diesen Tagen nicht fehlen, weiß Rösch. Familien sollten viel raus gehen in die Natur, da das noch möglich sei. „Man könnte dazu vielleich auch einen Freund des Kindes mitnehmen und sich mit dessen Familie abwechseln“, schlägt sie vor. Ähnliches kann sich die Psychotherapeutin auch für die Hausaufgaben vorstellen. Wenn ein Kind aus einer anderen Familie zu Besuch komme, bringe das Abwechslung. Anschließend könne getauscht werden, um die jeweilige Familie zu entlasten.

    Kontakte weiterhin zu erlauben, wo es möglich ist, hält die Expertin für wichtig. Sie sagt: „Ob zu Gleichaltrigen oder zu Oma und Opa, Eltern sollten aktiv Zeit für ein Telefonat oder einen Videoanruf schaffen.“ Wenn beispielsweise das Kind ein neues Bild gemalt habe, könne man es Oma im Video zeigen.

    Die Unbeschwertheit fehlt oft im Alltag

    Für Kinder sei es wichtig, dass sie auch in der Pandemie noch ein Stückchen Freude und Unbeschwertheit erleben könnten. Auch wenn Eltern einen strammen Alltag hätten, sich oftmals überlastet fühlten, rät Rösch, sollten sie sich ganz bewusst Zeit für ihre Familie nehmen. „Jeder Ausgleich ist wichtig – ob ein gemeinsamer Spaziergang, ein Brettspiel mit der Familie oder eine Geschichte vorlesen“, betont sie.

    Streitereien im Alltag lassen sich dennoch nicht komplett verhindern. Doch die Expertin hat Tipps, wie Familien damit umgehen können. Gerade im Bezug auf den Distanzunterricht sollten Eltern die Anforderungen an sich selbst und ihre Kinder herunterschrauben. Man müsse den Druck herausnehmen. Aus ihrer Erfahrung weiß die Psychotherapeutin, dass Lehrer Verständnis dafür haben, wenn eine Aufgabe einmal nicht rechtzeitig geschafft wird. Mama und Papa sollte es nicht peinlich sein, sich Rat bei den Lehrern einzuholen, wenn sie nicht weiterwüssten. „Niemand braucht sich dafür schämen, wenn beispielsweise die Englischkenntnisse nicht ausreichen, um seinem Kind bei den Hausaufgaben zu helfen.“

    Ärger kann es aber auch abseits der Hausaufgaben geben, etwa im Haushalt. Aufgaben, so Rösch, sollten klar verteilt werden. Eltern könnten nicht von ihren Kindern erwarten, dass sie selbstständig aktiv werden. Wenn sich eine Mutter darüber aufregt, dass ihr jugendlicher Sohn nicht automatisch das dreckige Geschirr in der Küche in die Spülmaschine einräume, dann tue er das vielleicht deshalb, weil er es nicht wahrnehme. „Ein konkreter Plan hilft, Missverständnissen und Streit vorzubeugen“, sagt sie. Statt zu mahnen, sollten Eltern die Aufgaben lieber in einem Wochenplan visualisieren.

    Ruhephasen sind für Kinder besonders wichtig

    Neben der gemeinsamen Zeit sind Rückzugsmöglichkeiten und Ruhephasen für Kinder ebenso wichtig: „Sie müssen auch einmal die Möglichkeit haben sich alleine zu beschäftigen, ohne ihre Geschwister.“ Wenn Familien beengt wohnen, stelle das oft ein Problem dar, da der Platz dafür fehle. Trotzdem gibt es Lösungen: So könnte man beispielsweise einem Kind auch im Schlafzimmer der Eltern eine Ecke einrichten, wo es mit seinen Playmobil-Figuren ungestört spielen kann.

    Den letzten Rat, den Rösch für Eltern hat, lässt sich womöglich am schwersten umsetzen. Sie erklärt: „Es ist wichtig, dass sie sich nicht zu sehr sorgen.“ Mama und Papa seien ein Vorbild für ihre Kinder. Wie sie mit der Krise umgingen, habe einen Einfluss auf ihren Nachwuchs. „Auch wenn es schwerfällt, Eltern sollten die Situation annehmen und versuchen gelassen zu bleiben.“

    Für Kinder sei es anstrengend mit den Einschränkungen in der Pandemie umzugehen. Habe es dann zuvor schon Probleme gegeben, würden diese sich noch verstärken. „Corona wirkt in diesem Fall wie ein Katalysator“, erklärt sie. Eltern könnten aber vorbeugen. Sie sollten keinen Druck hinsichtlich der Corona-Maßnahmen machen und mit den Kindern weiterhin im Gespräch bleiben und ihnen die Situation ruhig erklären. Am wichtigsten, so die Psychotherapeutin, sei es, die Hoffnung nicht zu verlieren: „Es wird auch ein Leben nach der Pandemie geben.“

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