Gabriel war ein absolutes Wunschkind. Lange haben Stefanie und Dominic Gmachmeir gehofft, dass es mit dem gemeinsamen Kind klappt. Der Weg war lang und steinig. Umso größer die Freude über die Schwangerschaft. Doch der erste Schock folgte bald. Schon recht früh hat sich herausgestellt, dass etwas mit dem Herzen des Babys nicht stimmt. Am 21. Juni 2018 ist ihr Sohn im Zentralklinikum in Augsburg auf die Welt gekommen. Rund eineinhalb Jahre später wurde ihr kleiner Bub das erste Mal am Herzen operiert - nicht in Augsburg, in einer anderen Kinderklinik. „Wir hatten keine Wahl“, schildern die Eltern. Die zuständigen Ärzte hätten ihnen damals deutlich gemacht, dass Gabriel ohne Operation keine Überlebenschancen hat. Doch nach dem Eingriff änderte sich alles. Gabriel ist ein Pflegefall. Was ist passiert?
Diese Frage beschäftigt die Familie aus Fronhofen bei Bissingen im Landkreis Dillingen tagtäglich. Um eine Antwort zu bekommen, braucht sie Geld und wagt nun den Schritt an die Öffentlichkeit. „Es fällt uns so schwer, ich schäme mich. Aber wir müssen es tun. Für Gabriel“, sagt Mama Stefanie. Auf der Spendenplattform GoFundMe teilen sie ihr Schicksal mit der Öffentlichkeit und hoffen auf Spenden. Nur so könnten sie den Anwalt und die anstehenden Gerichtskosten bewältigen, schreiben sie. Denn: Die Gmachmeirs wagen den „David gegen Goliath“-Kampf, wie sie es beschreiben. Sie gegen die Kinderklinik, in der ihr Gabriel zweimal am Herzen operiert worden ist. „Wir wollen das eigentlich überhaupt nicht. Wir wollen einfach nur wissen, was mit unserem Sohn passiert ist und wie wir ihm jetzt endlich richtig helfen können“, sagt Papa Dominic.
Die erste Diagnose lautete Autismus
Rückblick: Ein halbes Jahr vor der ersten OP, es war im Jahr 2019, haben die Eltern aufgrund des angeborenen Herzfehlers eine Genetikuntersuchung machen lassen. „Alles normal entwickelt“, hieß es damals. Nach der OP war es alles andere normal. Gabriel ist apathisch, er hat motorisch massive Probleme. Alles, was bis dahin Spaß war, war plötzlich für ihn Stress, zu anstrengend. Einen Zusammenhang mit der OP gab es damals nicht.
Im Dezember 2021 hat die Familie eine Diagnose erhalten: frühkindlicher Autismus, auch Kanner-Syndrom genannt. Den Spruch: „Er lebt in seiner eigenen Welt“ hat Mama Stefanie aber schon damals so nicht unterschrieben. „Er kriegt viel mehr mit, als wir glauben“, sagte sie im Interview 2022 gegenüber unserer Redaktion. Vor vier Jahren lernten wir die Familie aus Fronhofen erstmals kennen - weil sie um wichtige Hilfsmittel für Gabriels beschwerlichen Alltag bei der Krankenkasse kämpfte. Was damals noch keiner ahnte: Gabriel ist kein Autist.
„Ich habe immer gespürt, dass es was anderes sein muss. Ich hatte so ein Gefühl“, sagt Mama Stefanie, die rund um die Uhr für ihren Sohn da ist und immer recherchiert hat, wie sie ihm helfen kann. Ein normaler Alltag ist nicht möglich, die Familie kann mit Gabriel kaum bis gar nicht an gesellschaftlichen Terminen teilnehmen. Alles ist zu viel für den „kleinen Krieger“, wie ihn seine Eltern liebevoll nennen. Trotz Therapien und der aufopferungsvollen Liebe seiner Familie, zu der noch zwei ältere Schwestern zählen. Vielleicht, so schildern es die Gmachmeirs, auch deshalb, weil sie jahrelang nicht die richtigen Therapien für ihren Sohn in Anspruch genommen haben. Denn: Unabhängige Ärzte haben ein MRT von Gabriels Gehirn gemacht. Sie fanden einen schweren Hirnschaden und sie nannten als mögliche Ursache eine Hypoxie, sprich Sauerstoffmangel, während der Herzoperation. Ein Schlag ins Gesicht. „Das glaubt man im ersten Moment einfach nicht. Wir waren damit überfordert“, sagt Stefanie Gmachmeir.
15.000 Euro braucht die Familie aus Fronhofen im ersten Schritt
Seit zwei Jahren verweigert die behandelnde Klinik trotz Aufforderung durch ihren Anwalt und die zuständige Krankenkasse die Herausgabe aller notwendigen Daten, um ein Gutachten von Gabriels Zustand machen zu können. Um dann endlich zu wissen, wie er bestmöglich gefördert werden kann. So schildern es die Eltern. Das größte Problem: Ende dieses Jahres verjähren die Ansprüche. „Uns bleiben nur noch wenige Monate, um die Klinik gerichtlich zur Herausgabe der Unterlagen zu zwingen. Die enormen Kosten für diesen Gerichtsprozess können wir als Familie jedoch nicht allein aufbringen. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir die Klinik derzeit nicht öffentlich namentlich benennen“, erläutern die Fronhofener.
Alles, was sie bislang an Unterlagen erhalten haben, sei lückenhaft und teils widersprüchlich. Einmal sei von einem komplikationslosen Eingriff die Rede, an anderer Stelle wieder von einer Hochrisiko-Operation. Zudem sei erst im Nachgang herausgekommen, dass ihr Gabriel schwere Komplikationen nach Abgang von der Herz-Lungen-Maschine hatte - nur ein Beispiel, so die Eltern. „Es gibt verschiedene Versionen, es gibt keine Übergabeprotokolle oder vollständige OP-Berichte. Wir wollen einfach nur wissen, was mit unserem Sohn passiert ist“, sagen Dominic und Stefanie Gmachmeir. Anwalt und Krankenkasse würden den Weg mit ihnen gehen. Und dafür brauchen sie finanzielle Unterstützung.
Nur ein laufendes Gerichtsverfahren könne das Krankenhaus zur vollständigen Herausgabe aller Unterlagen zwingen und gleichzeitig die gesetzliche Frist stoppen, die Ende 2026 unwiderruflich ablaufe. Für diesen ersten Schritt, so Dominic Gmachmeir, braucht die Familie circa 15.000 Euro - im Voraus. Rund 5000 Euro sind auf der Spendenplattform bereits zusammengekommen. „Wir sind allen so dankbar und gleichzeitig ist es so unangenehm“, sagt Mama Stefanie. Aber für Gabriel, ihr Wunschkind, gehen die Eltern jeden Weg.
Spenden: Wer Gabriels Eltern unterstützen will und noch mehr über das ganze Schicksal erfahren will, der findet weitere Informationen unter: gofund.me/32e4dde60
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