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Gundelfingen: Aus Mama wird Oma: Leiterin des Kinderheims hört nach 25 Jahren auf

Gundelfingen

Aus Mama wird Oma: Leiterin des Kinderheims hört nach 25 Jahren auf

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    Die "Mama" inmitten ihrer Kinder: Schwester Maria Elisabeth leitete 25 Jahre lang der Kinderheim St. Clara in Gundelfingen.
    Die "Mama" inmitten ihrer Kinder: Schwester Maria Elisabeth leitete 25 Jahre lang der Kinderheim St. Clara in Gundelfingen. Foto: Susanne Klöpfer

    Eine Traube von Kindern umringt Schwester Maria Elisabeth Marschalek. Sie reden durcheinander, ein Bub erzählt stolz von seinem Tag, andere laufen etwas eingeschüchtert in der Gruppe mit. Die Leiterin des Kinderheims St. Clara in Gundelfingen hört zu, antwortet, lacht mit ihnen. In dem Trubel strahlt sie Ruhe aus. Ein Mädchen sagt: "Du darfst nicht gehen." Einige stimmen ihr etwas traurig zu.

    Schwester Maria Elisabeth war für viele Kinder wie eine Mutter

    Die Ära von Schwester Maria Elisabeth als Leiterin des Kinderheims endet. Nach 25 Jahren übergibt sie Anfang Oktober an ihre Nachfolgerin Stephanie Punzmann. Doch Marschalek wird eine Rolle in der Gundelfinger Stiftung behalten.

    Die Schwester treibt all die Jahre als Heimleiterin an, dass sie einen Platz für Kinder aus schwierigen Verhältnissen und mit traumatischen Erlebnissen in der Gesellschaft finden möchte. Denn: "Ihr Leben ist nicht verloren, sondern die Kinder wurden schlecht behandelt. Sie brauchen eine neue Heimat als Chance", sagt sie.

    Leiterin im Kinderheim St. Clara hat über 1800 Kinder aufgenommen

    Ein solches Zuhause hat die Schwester über 1800 Kindern in Gundelfingen gegeben. Darunter Babys, die nur wenige Monate alt waren bis Jugendliche, die fast schon erwachsen waren. Die Besonderheit ist, dass das Heim auch Kleinst- und Geschwisterkinder aufnimmt. "Ich könnte immer sagen, dass wir keinen Platz haben. In Notfällen schaffen wir diesen. Es setzt mir zu, dass es kaum Plätze für Kleinkinder gibt", sagt Marschalek, die für viele Kinder eine Mutterrolle eingenommen hat.

    Die 65-Jährige kennt jedes ihrer Kinder. Ihre Schicksale, ihre Schwierigkeiten, ihre Entwicklung. Zu sehen, mit welchen Erfahrungen die Kinder zu ihr kommen, hat die starke Frau manchmal an ihre Grenzen gebracht. Überwogen hat für sie die Freude, Kindern zu helfen, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Daraus zieht die Franziskanerin ihre Energie.

    Eine Reise bringt Marschalek zu den Franziskanerinnen

    Ursprünglich stammt Marschalek aus dem Kreis Eichstätt. Auf dem Land wächst sie mit sechs Geschwistern auf. Sie liest viel, diskutiert in ihrer Familie über Politik. Nach ihrem Abschluss entscheidet sie sich für die Berufsfachschule für Kinderpflege in München. Es folgt eine Erzieherausbildung sowie ein Studium der sozialen Arbeit. Danach ist ihr unklar, wie es weitergeht. Sie reist nach Südamerika, findet dort ihre Lebensaufgabe: Sie möchte Kinder nicht ihrem Schicksal überlassen, sondern ihnen in Not helfen. Dabei verspürte sie eine starke innere Führung, wofür sie Gott bis heute dankbar ist.

    Die Lebensform der Franziskanerinnen in Dillingen beeindruckt sie. Beim Orden lebt sie in verschiedenen Konventen, in Maria Medingen, auch in Rom. 1984 wechselt Schwester Maria Elisabeth an die Berufsfachschule für Kinderpflege Baschenegg in Ustersbach. 1997 wird sie nach Gundelfingen als Einrichtungsleiterin versetzt. Damals sei die Jugendhilfe an einem tiefen Punkt gewesen, erinnert sie sich. Es habe einen starken Trend zur Pflegefamilie gegeben, wenige Kinder seien in Heime gekommen.

    Gundelfinger Kinderheim St. Clara ist seit Jahren überbelegt

    In der Zwischenzeit hat sich viel verändert, betont Marschalek, die dafür bekannt ist, ihre Meinung zu vertreten, damit auch anzuecken. Seit vielen Jahren sei die Einrichtung immer überbelegt, bayernweit mehr als ein Dutzend Jugendämter arbeiten mit dem Heim zusammen. Dazu beigetragen haben ihre Visionen. Ihretwegen gibt es einen Lern- und Erlebnishof mit Gemüse- und Apothekergarten, in dem die Kinder den Umgang mit der Natur lernen. 2010 wird das Heim um einen Anbau erweitert. Ermöglicht haben das Spenden, darunter auch von der Kartei der Not.

    Für ihre Arbeit hat sie schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten: das Bundesverdienstkreuz, die Bayerische Verfassungsmedaille, die Verdienstmedaille des Landkreises und die Gundelfinger Ehrennadel in Gold. "Jeder andere hat das ebenso verdient", wehrt sie ab. Aber das freue sie auch, es zeige, wie wichtig das Engagement für Kinder sei.

    "Wir lösen schwere Themen über Lachen auf“

    Doch wie geht man mit der anstrengenden Arbeit in einem Kinderheim um? "Wir lösen schwere Themen über Lachen auf", sagt Marschalek. Oder wenn es der Oberin schlecht geht, helfe ihr der jüdische Witz, der Sachen "auf die Schippe nimmt", wie sie sagt. So könne sie negativen Situationen die Energie nehmen.

    Andere Erlebnisse kann sie nicht mit einem Lachen oder einem Witz lösen. Dazu zählt der tödliche Unfall eines Einjährigen, der auf dem Parkplatz des Gundelfinger Heims von einer Mitarbeiterin übersehen und überfahren wurde. Wenn Marschalek daran denkt, treten ihr Tränen in die Augen. Die wortgewandte Frau findet keine Worte. Drei Jahre nach dem Tod des Jungen sei es noch schwierig für sie. "Da wäre die Frage: Warum trifft es ein Kind so? Die Antwort darauf überlasse ich Gott." Eine Erfahrung, die sie vielleicht verarbeiten kann, wenn sie etwas zur Ruhe kommt.

    Im Oktober hört Maria Elisabeth Marschalek als Heimleiterin auf

    Anfang Oktober übergibt Schwester Maria Elisabeth ihren Posten an Stephanie Punzmann, die seit 20 Jahren im Heim arbeitet. Die zwei Frauen bereiten zusammen alles vor, sprechen mit den Kindern offen darüber. Marschalek wird dann einige Büros weiter im Stiftungsrat arbeiten. "Aber ich halte mich aus der Heimleitung komplett raus", stellt sie klar.

    Ihre Türe steht Kindern weiterhin offen. Emotional sei sie an viele gebunden, begleite sie weiter. Sie sagt: "Nun bin ich eben die Oma." Sie möchte nicht, dass ehemalige Heimkinder ihre Heimat verlieren, sondern da sein, wenn sie vorbeikommen.

    Ein Leben für die Kinder: Kann die Heimleiterin aufhören?

    Kann man so einen Job überhaupt aufhören? "Viele glauben, dass ich das nicht kann. Aber ich habe schon vor zehn Jahren damit angefangen", sagt sie triumphierend. Sie habe sich frühzeitig Gedanken gemacht, gebe Aufgaben ab und habe eine Nachfolgerin gesucht. Für die finanzielle Sicherheit hat sie gesorgt. Der Orden hat die Flächen in der Gärtnerstadt und von zwei weiteren Heimen an die Stiftung abgegeben. Das Abschiedsfest fällt auf den 7. Oktober. Ein besonderer Tag, denn am 7. Oktober 1997 fing Marschalek als Heimleiterin in Gundelfingen an - genau 25 Jahre später hört sie auf. Mit einem Lächeln sagt sie: "So viel zum geführt werden."

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