Rund um die alte Weberei in Gundelfingen wird gerade fleißig gearbeitet. Der Kinderspielplatz wird vergrößert, mit Hängebrücke und Matschküche für die Kleinen. Das hatten sich viele Gäste im vergangenen Jahr gewünscht. Auch sind Mitarbeiter der Firma Nägele, der das Gelände gehört, damit beschäftigt, den Braumadlgarten herzurichten, Wände zu streichen, Außentoiletten aufzubauen. Alles soll bis zum Saisonstart am 1. Mai fertig werden. Dass diese Saison überhaupt wieder starten kann, ist nicht selbstverständlich. Denn hinter Braumadl und Gründer Benedikt Deniffel liegen schwierige Monate.
Im Februar musste Deniffel, dessen Bier längst zu einer Instanz in der Region geworden ist, Insolvenz anmelden. Ein schwerer Schritt für den 34-Jährigen. „Man kann natürlich sagen: Das war's, ich geb’ auf. Und anfangen, alles rauszureißen“, sagt er und fügt mit einem Grinsen hinzu: „So hat meine Mutter mich nicht erzogen.“ Er habe Verantwortung. Für seine Mitarbeitenden, für seine Unterstützer, die ihm in all den Jahren geholfen haben. So einfach wollte Deniffel das Handtuch nicht werfen. Es habe nie zur Debatte gestanden, dass „wir dieses Projekt sterben lassen“.
Im Keller der Schwiegereltern nahm alles seinen Anfang
Um zu beschreiben, wie es zur Insolvenz kommen konnte, beginnt Deniffel ganz am Anfang. 2017 ging es für ihn, frisch zum Braumeister ausgebildet, los. Im Keller der Schwiegereltern habe er seinem Schwager beibringen wollen, wie man Bier macht. 2018 gründete er Braumadl mit dem Ausschank in Lauingen. Es folgten immer mehr Verkaufsstellen, inzwischen sind es circa 30 zwischen Ulm und Augsburg, der Großteil im Landkreis Dillingen. Dann kam die Übernahme des Klosterbräu in Unterliezheim und des Neuhofs in Gundelfingen. Von beiden Projekten verabschiedete sich Deniffel vor zwei Jahren.
Die Marke Braumadl kannte in all den Jahren gefühlt nur eine Richtung: nach oben. Die Verkaufsstellen wurden mehr, die Locations liefen. Das Startup umgab eine gewisse Leichtigkeit. Bei den Kunden war das Interesse am Bier aus der Region groß. Auch im Team war die Stimmung geprägt von Aufschwung. Deniffel beschreibt es so: „Wir haben auf der Braumadl-Welle gesurft.“
2024 dann übernahm Deniffel die alte Weberei, zwischenzeitlich Camba, in Gundelfingen. Ein großer Schritt. Er formuliert es so: „Der Schwung war groß, dieses Projekt war größer.“ In nur drei Monaten habe man die Füllerei aufgebaut. Vieles musste gleichzeitig geschehen. Das Unternehmen hatte viele Verpflichtungen, keinen Außendienstler. Dann kam noch die Wirtschaftskrise dazu. „Unsere Anlaufkurve war einfach zu lang“, sagt Deniffel. Ihm und seinem Team sei die Zeit davongelaufen. Dann die Insolvenz.
Benedikt Deniffel will die Leichtigkeit von früher zurückholen
Rückblickend, sagt Deniffel, hätte er zwei Jahre mehr Zeit gebraucht. Die Rettung brachte ein branchenfremder Investor aus der Region, der laut Deniffel nicht namentlich genannt werden möchte. „Ihm geht's nur darum, dass die Arbeit der letzten acht Jahre nicht umsonst war“, sagt der Brauer, der ihn als „rettenden Engel“ bezeichnet. „Wenn er nicht investiert hätte, stünden wir jetzt in einer leeren Halle.“ Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Produktion in der Weberei läuft. Bald macht der Biergarten mit 250 bis 300 Sitzplätzen wieder auf. Es gibt sie also, die Lichtblicke, auch wenn das Insolvenzverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Braumadl ist jetzt eine GmbH, Deniffel bleibt Geschäftsführer, seine Mitarbeiter (zwei Vollzeit-, eine Teilzeitkraft, saisonabhängig bis zu 20) behält er. Der Firmensitz wurde von Lauingen nach Gundelfingen verlagert. Jetzt gehe es darum, die Leichtigkeit, die ihn und seine Marke früher umgeben hat, wieder zurückzubekommen.
Künftig, sagt Deniffel, wolle er sich auf die Brauerei und die Lohnproduktion konzentrieren, also im Auftrag anderer Hersteller brauen. Er wolle in der alten Weberei bleiben, den Braumadlgarten weiterführen. Der Plan: „Das hier zu dem machen, was andere vorher nicht geschafft haben.“ Und es gibt noch weitere Lichtblicke: In diesem Jahr nimmt Braumadl am Kleinbrauermarkt auf dem Münsterplatz in Ulm teil und für weitere große Aufträge sieht es auch nicht schlecht aus. „Jetzt kommen langsam die Sonnenstrahlen durch“, sagt er und grinst.
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