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Sonderheim : Doula aus Sonderheim: „Ich bin eine Freundin auf Zeit“

Sonderheim

Doula aus Sonderheim: „Ich bin eine Freundin auf Zeit“

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    Lidia Glas aus Sonderheim ist eine ausgebildete Doula und zweifache Mama von Anna und Johannes.
    Lidia Glas aus Sonderheim ist eine ausgebildete Doula und zweifache Mama von Anna und Johannes. Foto: Simone Fritzmeier

    Ist es normal, dass ich so viel zugenommen habe? Warum ist mein Bauch abends hart? Wieso bin ich auch traurig und schon jetzt überfordert? Darf ich dieses Salamibrot eigentlich essen? Und warum versteht mich mein Partner manchmal einfach nicht? Das sind nur wenige von vielen Fragen, die Frauen, die schwanger sind, gleichermaßen beschäftigen. Egal, ob beim ersten, zweiten oder dritten Kind. Jede Schwangerschaft ist anders, jede Frau ist anders. Doch wohin mit all diesen und noch mehr Fragen? Es gibt unzählige Lektüren, das Internet hat scheinbar auf alles eine Antwort und selbstverständlich stehen Ärzte, Hebammen, Freunde und Familie zur Seite. Aber nicht immer reicht das. Anders gesagt: Nicht immer fühlen sich Schwangere verstanden. Genau dieses Gefühl von Verständnis in allen Belangen will Lidia Glas den Frauen vermitteln. Ihnen vor allem emotional zur Seite stehen, Wünsche und Bedürfnisse erfüllen – ohne dabei zu hinterfragen oder zu bewerten. Lidia Glas ist eine Doula.

    Keine Konkurrenz zu Hebammen

    Die Sonderheimerin hat sich dafür extra ausbilden lassen. „Ich ersetze keine Hebamme. Ich bin eine emotionale Ergänzung“, sagt sie und erklärt, dass sie als Doula keine medizinischen Aufgaben übernimmt, sie deshalb unabhängig sei. „Ich bin für die Frauen, aber auch für die Partner da. Eine Hebamme kann man nicht wegen jedem Pups anrufen, mich schon“, sagt die 39-Jährige lachend und fügt hinzu, dass sie sich aber keinesfalls als Konkurrenz zu Hebammen sehe, ganz im Gegenteil. „Wir sind mit Hebammen im Landkreis Dillingen glücklicherweise gut aufgestellt und ich habe so viel Respekt vor deren Arbeit. Ich würde mir nie anmaßen, mich einzumischen. Ich möchte einfach für die Frauen da sein“, sagt Lidia Glas und beginnt, ihren Weg bis zur Doula zu erzählen. Der vor allem eines beinhaltet: „Ich muss immer erst erklären, was eine Doula ist.“

    Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet wortwörtlich übersetzt „Dienerin der Frau“. Als Doula steht man Frauen vor der Schwangerschaft, rund um die Geburt und auch danach – je nach Wunsch – emotional und körperlich zur Seite. Es geht um Sicherheit und Vertrauen, vor allem aber um Stärkung. Lidia Glas erklärt es so: „Der Körper kann viel, man muss sich auf eine Geburt aber vorbereiten. Man muss an sich glauben. Dabei unterstütze ich“, so die Sonderheimerin.

    Sonderheimerin hat selbst zwei Kinder

    Lidia Glas ist selbst Mama von zwei Kindern. 2012 ist Tochter Anna, 2016 Sohn Johannes auf die Welt gekommen. Ganz normal im Krankenhaus, mit Hebammenbegleitung. Dass es Doulas gibt, war ihr damals selbst nicht bewusst. Es war der Zufall, der sie auf diese besondere Form der Unterstützung gebracht hat. Durch eine Freundin ist sie erst auf Reiki, eine Methode der Energiearbeit, gestoßen und im zweiten Schritt auf die Doula, die vor allem in der Schweiz schon lange verbreitet ist. „Und das hat mich wie ein Blitz getroffen. Ich dachte: Krass, das ist genau meins“, sagt die sympathische Frau und strahlt über das ganze Gesicht. An ein Geschäftsmodell oder Ähnliches habe sie dabei nie gedacht, sie wollte es einfach für sich machen. „Ich würde mich nicht als besonders spirituell bezeichnen, aber ich hinterfrage sehr viel und habe mich schon immer mit der Weiblichkeit beschäftigt“, sagt sie.

    In Donauwörth eine Ausbildung absolviert

    Schon ihre Uroma sei so gewesen, zumindest wisse Lidia Glas aus Erzählungen, dass die Menschen aus dem Ort in Sibieren bei gesundheitlichen Problemen zu ihrer Uroma gegangen sind. Lidia Glas ist in Kasachstan aufgewachsen und 1995 mit ihren Eltern – der Papa ist Deutscher, die Mama Weißrussin –, ihrer Oma und ihrer großen Schwester nach Deutschland gekommen. Sie hat lange in Donauwörth gelebt, dort 2007 eine kaufmännische Ausbildung im Kaufhaus WOHA absolviert, anschließend bei Zott gearbeitet. Heute ist sie in Teilzeit bei Airbus in Donauwörth beschäftigt. Der Liebe wegen hat es sie in den Landkreis Dillingen verschlagen.

    Der Selbstliebe wegen ist Lidia Glas eine Doula geworden, wie sie erzählt. „Und um Frauen genau dieses Gefühl weiterzugeben – den Partnern natürlich auch.“ Rund ein Dreivierteljahr hat die Ausbildung zur Doula gedauert, die sie während der Coronazeit absolviert hat. Die 39-Jährige will Sorgen und Ängste nehmen. Sie informiert auch über die möglichen Geburtsprozesse, immer wertneutral. Während der Geburt, auch im Kreißsaal, kann sie dank bestimmter Massagetechniken oder Entspannungstechniken physisch mithelfen und im Wochenbett bietet sie Hilfe bei Fragen zur Stillzeit oder generell rund um das neue Leben mit Baby. Die Partner sollen dabei immer mit dabei sein. Wie welche angehende Mama betreut werden will, das ist komplett verschieden. „Das passen wir ganz individuell an und auch nur, wenn es zwischen uns passt. Das ist ganz wichtig“, sagt die zweifache Mama.

    Massage im Kreißsaal

    Und, nicht zu vergessen: Auch die Krankenhäuser und Hebammen müssen damit einverstanden sein, dass sie unterstützend im Kreißsaal bei der Entbindung mit dabei ist. Vor Corona sei das kein Thema gewesen, da habe es kaum Einschränkungen bezüglich der begleitenden Personenanzahl gegeben. Mittlerweile gebe es klare Vorschriften, und: „Nicht überall sind Doulas erwünscht. Leider. Dabei sind wir eine solch wertvolle Unterstützung, auch für die Hebammen. Sie tun alles und trotzdem fehlt ihnen oft die Zeit für diese individuelle Betreuung der einzelnen Frau. Wir können sie uns nehmen“, sagt die Sonderheimerin und betont: „Ohne dabei die Arbeit des medizinischen Personals zu beeinflussen.“

    Aktuell betreut die 39-Jährige eine schwangere Frau und ihren Partner aus dem Landkreis Dillingen, sie ist aber auch in anderen Landkreisen aktiv. Eben, weil es in der Region noch nicht viele Frauen mit ihren Qualifikationen gibt. „Ich wünsche mir, dass es mehr Doulas gibt. Denn wer sich eine Doula sucht, der kümmert sich um sich selbst. Man muss nicht alles alleine schaffen.“

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