Jedes Jahr schreibt sich Youtuber Max Schön seine Big Five auf. Fünf Ziele für das bevorstehende Jahr. Diesmal steht der Jakobsweg darauf – seine erste Reise allein seit dem Krebs. Das letzte Mal war im Sommer 2023. Diese Reise brach der Lauinger ab und fuhr noch vom Flughafen aus ins Krankenhaus. Dort erhielt er die Diagnose Leukämie.
„Als komplett freiheitsliebender Mensch bei allem auf Hilfe angewiesen“
Da sein Immunsystem bereits so geschwächt war, wurde Schön 19 Tage in ein Koma versetzt. Als er aufwachte, waren seine „Muskeln auf null“, wie der heute 32-Jährige erzählt. Dinge, die als selbstverständlich gelten, habe er neu lernen müssen, etwa Atmen oder Schlucken. Bis er wieder alleine aufstehen konnte, habe es drei bis vier Wochen gedauert. „Ich als komplett freiheitsliebender Mensch war bei allem auf Hilfe angewiesen.“
Bis dato ist das Reisen immer seine große Leidenschaft gewesen und bewegte ihn 2019 sogar dazu, seinen Job zu kündigen und sich eineinhalb Jahre auf Weltreise zu begeben. In Youtube-Videos und sozialen Netzwerken teilte er seine Erfahrungen und baute sich so seine heutige Selbstständigkeit auf. Als er im Krankenbett auf die vergangenen Jahre zurückblickte, sei ihm klar geworden, dass er seine Zeit richtig verbracht habe. „Ich glaube, dass ich daraus Kraft ziehen konnte.“
„Es ist so wichtig, dass man für alles, was man hat, dankbar ist.“
Auf Reisen habe er auch gelernt, wie wichtig Dankbarkeit sei. „Das hat mich in gewisser Weise darauf vorbereitet“, sagt der Lauinger in Hinblick auf die Krankheit. „Es ist so wichtig, dass man für alles, was man hat, dankbar ist.“ Statt sich zu fragen, warum der Krebs ihn getroffen hat, habe er sich also die Frage gestellt, was er Positives daraus ziehen könne. Heute informiert er über die Wichtigkeit von Blut- und Stammzellenspenden. „Leuten einen Lichtblick zu geben, ist das Beste, was ich aus der Situation machen kann.“
Ich will mir meine Freiheit, die ich davor so geliebt habe, zurückholen.
Max Schön, Youtuber aus Lauingen
Leukämie sei ihm erst einmal wie eine „Todesdiagnose“ vorgekommen, sagt der Youtuber. Umso wichtiger sei es ihm, nun ein „Hoffnungsschimmer“ für Menschen zu sein und zu „zeigen, dass es auch gut ausgehen kann“. Als im Dezember 2023 seine Chemotherapie endete, setzte er sich für das neue Jahr das Ziel, wieder zu verreisen: „Ich will mir meine Freiheit, die ich davor so geliebt habe, zurückholen.“ Zu Beginn sei seine Komfortzone sehr klein gewesen, erzählt Schön. Er habe sich langsam vorgetastet, ein paar Tage in Spanien verbracht oder seinen Bruder in Hamburg besucht. Dieses Jahr folgte der nächste Schritt – der Jakobsweg.
Mit Grundvertrauen begegnet er jeder Reise
Um sich darauf vorzubereiten, ging der Lauinger eineinhalb Wochen vor Abreise immer wieder in Wanderschuhen und mit Büchern im Rucksack an der Donau spazieren. Viel mehr wollte er nicht machen: „Ich habe mich einfach darauf eingelassen.“ Mit dem Grundvertrauen, mit dem er gegen den Krebs gekämpft hatte, begab er sich auch auf den Jakobsweg. Dort heiße es immer: „Der Weg leitet dich“. Egal, was passiert, es habe seinen Grund.
In Porto angekommen, folgte er also den gelben Pfeilen und Jakobsmuscheln, die die Strecke kennzeichnen – und verlief sich sogleich. Heutzutage gebe es aber auch eine Handyapp, die den richtigen Weg anzeigt, erzählt der 32-Jährige. Über diese könne man auch Unterkünfte buchen. Ganze 30 Kilometer legte er an seinem ersten Tag zurück, bis er an seiner Herberge ankam. Ein Pensum, das er nach den ersten drei Tagen etwas herunterschraubte. „Man lernt auf dem Weg, auf seinen Körper zu hören, wenn es nicht mehr geht.“
„Es zeigt mir, dass ich wieder die Welt erkunden kann“
Er habe sich entschieden, die Reise mehr zu genießen, auch einmal Kaffeetrinken zu gehen und am Strand zu sitzen. „Du nimmst alles sehr wahr“, erinnert er sich. „Du hast immer deine Aufgabe und nur das zählt in dem Moment.“ Mit der Zeit traf er auf dem Weg Leute wieder, die ihm bereits in einem der Hostels oder auf der Strecke selbst begegnet waren. Die zweite Hälfte seiner 13-tägigen Reise wurde damit auch entspannter. Er habe mit den anderen Menschen reden und Erfahrungen teilen können. Die intensive Zeit und das gemeinsame Ziel würden einfach verbinden. Mit einer anderen Pilgerin wanderte er schließlich ein Stück gemeinsam weiter.
280 Kilometer legte Schön insgesamt zurück. Die Ankunft in Santiago de Compostela erlebte er mit „gemischten Gefühlen“ – das Abenteuer war wieder vorbei. Doch er war auch stolz. „Es zeigt mir, dass ich wieder die Welt erkunden kann.“ Noch dazu blickt er auf viele „magische Momente“ zurück, wie er beschreibt. Besonders ist ihm das gemeinsame Abendessen am Ziel in Erinnerung geblieben. „Du gehst diesen Weg ja alleine los und plötzlich sitzt du mit zwölf Leuten beim Essen.“ Auch wenn man alleine starte, sei man es nicht. „Aus komplett Fremden werden Bekannte und Freunde.“
„Öfters mal ja sagen“
Seit etwa einem Monat ist der YouTuber nun zurück in Lauingen. Gibt es direkt ein neues Ziel, das der 32-Jährige angehen möchte? Ein weiterer Teil seiner Big Five ist es, wieder eine größere Reise zu unternehmen, etwa nach Thailand. Am liebsten würde er das Land seinen Eltern zeigen. Und er wolle „generell öfters mal ja sagen“ und möglichst viele Erfahrungen mitnehmen. „Weil das Leben einfach so kurz ist.“
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