Ein Arzt aus dem Landkreis Donau-Ries soll Impfungen vorgetäuscht haben und damit Patienten im großen Stil zu falschen Impfnachweisen verschafft habe. Das zumindest ist der Anfangsverdacht der Kripo Dillingen, die die Praxisräume des Arztes durchsucht hat.
Sebastian Völkl, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Nordschwaben der Bayerischen Landesärztekammer, weiß nach eigenen Angaben nichts Näheres zu dem Fall. Tatsache sei, dass in den vergangenen Wochen mehrere anonyme Anzeigen zu diesem Thema eingegangen seien, eine davon bei ihm. Er habe diese unverzüglich an die zuständigen Behörden weitergeleitet. In der Folge seien diese dann offensichtlich auf den besagten Allgemeinmediziner gekommen.
Völkl wählt unterdessen klare Worte: Sollten die Vorwürfe stimmen, wäre das Verhalten des Kollegen eine „absolute Sauerei“ – und zwar gegenüber allen anderen Ärzten in der Region und gegenüber den Bürgern. Sollte der Mediziner die Impfungen vorgetäuscht haben, würde dies dem ganzen Berufsstand schaden. Noch schwerwiegender wäre: Die Bedenken, die manche Menschen gegen die Corona-Impfung haben, würden sich durch ein solches Verhalten eines Arztes, der anscheinend nichts von einer Impfung halte, „maximal erhöhen“. Oder anders ausgedrückt: „Das wäre Wasser auf die Mühlen der Impfgegner.“
Womöglich gefälschte Impfung im Landkreis Donau-Ries sorgt für Unsicherheit
Was Völkl noch zu bedenken gibt: Jeder, der möglicherweise ein solches falsches Impfzertifikat erlangt hat, würde seine Mitmenschen einem erhöhten Risiko aussetzen. Denn die könnten sich nicht mehr darauf verlassen, bestmöglich vor dem Corona-Virus geschützt zu sein. Dies würde für eine „unglaubliche Unsicherheit“ sorgen, gerade bei Risikogruppen, wie zum Beispiel Schwerkranken und Schwangeren.
Impfungen durch Hausärzte sind ein wesentlicher Faktor im Bestreben, möglichst viele Menschen in der Region gegen das Coronavirus zu immunisieren. In der vergangenen Woche beispielsweise wurden im Landkreis insgesamt 1769 Impfspritzen verabreicht, 919 davon im Impfzentrum oder bei Impfaktionen und 850 durch die Hausärzte.
Sebastian Völkl geht davon aus, dass eine Hausarztpraxis derzeit wöchentlich im Schnitt zwischen 20 und 65 Corona-Impfungen vornimmt. Mindestens 50 Praxen im Landkreis böten solche Immunisierungen an.