Donauwörth : Bahnhof: neue Hoffnung auf den Durchstich
Donauwörth
Bahnhof: neue Hoffnung auf den Durchstich
Donauwörth will die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer am Bahnhof, Airbus auch, die DB ist offen für Gespräche – aber zahlen will keiner (alleine). Doch es scheint noch eine Chance zu geben.
Der Bahnhof in Donauwörth soll saniert und modernisiert werden. Die Firma Airbus (im Hintergrund) wünscht sich eine direkte Tunnel-Verbindung unter den Gleisen hindurch für Mitarbeiter, die mit der Bahn pendeln.Foto: Wolfgang Widemann
Die Nachricht, die kürzlich nach all den zähen Jahren des Wartens in Donauwörth so viele überraschte, hat das Thema „Bahnhofsausbau“ wieder ganz hinauf auf die aktuelle Agenda gesetzt. Der barrierefreie Ausbau soll laut Deutscher Bahn (DB) im Frühjahr starten – doch das zweite heiße Eisen, die durchgehende Unterführung für Fußgänger und Radfahrer unter dem Gleisbett in Richtung Airbus-Werk, steckt noch mittendrin in der Debatte. Wie geht es weiter?
Könnte man auch als „alten Durchstich“ bezeichnen – doch nicht wirklich am Bahnhof gelegen und sichtlich in die Jahre gekommen ist die sogenannte Airbus-Unterführung in Donauwörth. Seit Jahren ist ein Durchstich am Bahnhof im Gespräch, kommende Woche steht das Thema einmal mehr auf der Agenda des Donauwörther Stadtrates.
Jeder der bislang vier Kandidaten für das Amt des Donauwörther Oberbürgermeisters, der im März gewählt wird, hat eine Meinung zum Ausbau des Donauwörther Bahnhofs. Und mithin lässt sich das, mit kleinen Abweichungen, so zusammenfassen: Der Bahnhof muss modernisiert werden, der derzeitige Zustand ist untragbar – vor allem aufgrund schier völlig fehlender Barrierefreiheit. Ein Durchstich, also eine Personenunterführung unter dem Gleisbett, wäre zwar mehr als wünschenswert – für die Stadt alleine allerdings kaum machbar. Sprich: Man braucht die Deutsche Bahn und Airbus an Bord.
Kann eine Förderung alles möglich machen?
Die Stadt selbst ist, wie Sprecherin Annegret Feist auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, nach wie vor stark interessiert an der Lösung „Durchstich“ und „arbeitet auch daran“. Über den Planungsstand wurde zuletzt im öffentlichen Bauausschuss am 29. April dieses Jahres informiert (wir berichteten): Vorgestellt wurden dem Ausschuss in dieser Sitzung Planungsüberlegungen der Stadtverwaltung, die unter anderem die Planungen der Deutschen Bahn für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs, die Planungen der Stadt Donauwörth einer Personenunterführung und die Entwicklung des Areals auf der südlichen Seite des Bahnhofs kombinieren. Dargelegt wurde auch, dass sich eine solche Planung gut verbinden ließe mit der Errichtung eines öffentlichen Parkhauses auf dieser südlichen, also zu Airbus hin gelegenen Seite des Bahnhofes. Zusätzlich zu einem Mehr an Stellplätzen brächte dies, wie Ordnungsamtsleiter Konrad Nagl damals erläuterte, auch den Vorteil einer Entlastung der Dillinger Straße mit sich. Auch die Radweg-Situation ließe sich demnach in diesem Zuge verbessern.
Der Bahnhof in Donauwörth ist ein Verkehrsknotenpunkt in Nordschwaben.Foto: Wolfgang Widemann
Zu den erfolgten Abklärungen der Stadtverwaltung gehört jetzt auch die Suche nach Fördermöglichkeiten. Bislang standen keine zur Verfügung. Zuletzt wurde jedoch dazu berichtet, dass vom Bauamt eine erneute Vorprüfung der Förderfähigkeit dieser Gesamtplanung mit der Regierung von Schwaben bevorsteht. An diesen Stand nun wird die kommende Stadtratssitzung am 30. September anknüpfen. Der vor einiger Zeit noch in weiter Ferne scheinende Durchstich scheint nun wieder ein Stück greifbarer.
Deutsche Bahn zahlt nichts für die Untertunnelung
Ein Dämpfer war in dieser Hinsicht die Aussage von DB-Vertretern bei einem Ortstermin am Bahnhof: In diesem Zusammenhang konnten die geladenen Zuhörer eher den Eindruck gewinnen, dass die DB zwar bauen könnte, dieses Projekt aber dann hauptsächlich oder in Gänze von der Stadt zu stemmen sei. OB Armin Neudert sagt dazu: „Ein solches Projekt kann finanziell nur gemeinsam geschultert werden.“ Der Durchstich wäre „ein bedeutendes Stück Entlastung und Aufwertung für die Stadt“, er stünde aber gleichermaßen „auch für eine Aufwertung landkreisweit gesehen – Stichwort ÖPNV-Förderung in der Region – ebenso wie für ein weiteres Stück Attraktivität der Firma Airbus im Hinblick auf ihre Mitarbeiter“. Darüber seien sich „auch alle Seiten einig“.
Knackpunkt, was die Finanzierung angeht ist jetzt aber laut Neudert die Förderung, damit es bei den Fragen von Planung und eben finanzieller Beteiligung weitergehen kann. Aus Neuderts Worten zu entnehmen ist, dass neben einem Entgegenkommen der DB und der Unterstützung durch Airbus wohl auch eine finanzielle Beteiligung des Landkreises wünschenswert wäre.
Günstiger als der Durchstiich wäre aller Wahrscheinlichkeit nach eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke in Verbindung mit Aufzuganlagen, die ohnehin gebaut werden müssen, um den Bahnhof barrierefrei zu gestalten. Letztlich wurde diese Option im Rahmen des jüngsten Vor-Ort-Termins nur kurz angesprochen. Nachhaltiges Interesse daran war von keiner Seite spürbar – Hauptkritikpunkt: mögliche Höhenangst einiger Fußgänger. Die Stadt teilt hierzu auf Nachfrage unserer Zeitung mit: „Eine Bahnsteigüberführung, also Brücke über die Gleise in Richtung Airbus, wurde in der Vergangenheit thematisiert, aber weder von Bahn- noch von Stadtseite weiter verfolgt.“
Regensburg und Ulm - beide Bahnhöfe haben Fußgängerbrücken
Eine eigenständige Radwegbrücke wäre „zudem eine Maßnahme, die vollständig in der Bau- und Unterhaltungslast der Stadt läge, wohingegen beim Durchstich baulich an die von der Bahn geleistete Neugestaltung der Unterführung bis einschließlich Gleis 7 angeknüpft werden könnte“. In Regensburg gibt es eine Fußgängerbrücke, welche dort ein Einkaufszentrum mit den Gleiszugängen verbindet. Eine sogenannten „Bahnhofssteg“ gibt es auch in Ulm.
Lesen Sie dazu den Kommentar von Thomas Hilgendorf: